Die Borussen-Boxer mit Abteilungsleiter Willy Krotz (links), Konrad Zenker, Joe Büttner, Assenmacher, Harry Thing, Edgar Hohmann sowie (vorne, von links) Hubert Hohmann, Waldemar Untheim, Watzke – und noch einigen nicht mehr namentlich bekannten Zeitgenossen.
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Vor fast 70 Jahren: Die Borussen-Boxer mit Abteilungsleiter Willy Krotz (links), Konrad Zenker, Joe Büttner, Assenmacher, Harry Thing, Edgar Hohmann sowie (vorne, von links) Hubert Hohmann, Waldemar Untheim, Watzke – und noch einigen nicht mehr namentlich bekannten Zeitgenossen.

Nachwuchsboxer fehlten

Boxabteilung als Aushängeschild von Borussia Fulda - Ende der 1960er war aber Schluss

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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Es war eine kurze, aber intensive Zeit mit vielen Erfolgen. Die Veranstaltungen der Boxabteilung von Borussia Fulda versammelten regelmäßig mehr als tausend Zuschauer an diversen Veranstaltungsorten; Ende der 60er war aber Schluss.

Fulda - 15 Jahre lang waren die Veranstaltungen der Boxabteilung das Aushängeschild von Borussia Fulda. Erfolge und volle Hallen – der Faustkampf war Publikumsmagnet. Doch die wachsende Zahl an Alternativen und fehlender Nachwuchs bedeuteten das Aus für die Abteilung.

In der Chronik anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Borussia wird 1979 der wirtschaftliche Aufschwung in den 60ern angeführt, der dem Boxen in der Barockstadt den Garaus bereitete. Die Jugend sei nicht mehr bereit gewesen, „hart an sich zu arbeiten“.

Borussia Fulda: Veranstaltungen der Boxenabteilung waren das Aushängeschild, aber Nachwuchs fehlte

Die Problematik verändert sich übrigens nicht. Vereine und ganze Sportarten stecken heute in dem Teufelskreislauf: Das Angebot wird spektakulärer; die Interessen verschieben sich; das Engagement des Einzelnen ist vielfältig, niemand spezialisiert sich.

Die Boxabteilung von Borussia Fulda

1924: Seit 1924 gibt es erste zaghafte Versuche, Faustkampf in Fulda zu etablieren. Breitenwirkung erzielen die Boxer aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, die anfangs unter AC Fulda firmieren und nach der Fusion mit dem SC Fulda durchstarten und zu einem Höhenflug ansetzen.

1951: Erfolgreiches Jahr für die Boxer von Borussia – erste Bezirksmeistertitel und Erfolge auf Clubkampfebene. 17-mal ging die Mannschaft aus der Barockstadt in den Ring, nur sechs Wettkämpfe gingen verloren. Harry Ting avancierte zum Aushängeschild.

1952: 15 Clubkämpfe wurden ausgetragen, von denen nur einer verloren ging und drei unentschieden endeten. Die Fleckviehhalle entwickelte sich zum Publikumsmagneten.

1953: Immer mehr Kämpfe auf Landesebene werden ausgetragen. Borussia Fulda ist häufig dabei. Höhepunkt war der Vergleichskampf der englischen Nationalstaffel mit Hessen, der in Fulda ausgetragen wurde.

1954: Die Titelsammlung hiesiger Faustkämpfer wird länger. Ab und zu sind erfolgreiche Teilnehmer nationaler Titelkämpfe Gegner von Fuldas Boxern. Leckerbissen waren die Clubkämpfe gegen DDR-Staffeln.

Ende 50er/Anfang 60er Jahre: Trotz weiterhin großer Erfolge werden Probleme erkennbar: Die Staffeln können nicht immer vollständig besetzt werden, was zur Zusammenarbeit mit Alsfeld und Gelnhausen führt. Das missfällt jedoch den Zuschauern, denen sich zudem immer mehr Alternativen bieten. Schließlich fehlt es an Nachwuchskämpfern.

1968/69: Waldemar Untheim tritt als Abteilungsleiter zurück. Die Presse schrieb, Borussia könne die Boxabteilung aus dem Briefkopf streichen.

Diese Gründe waren es, als vor 50 Jahren Abteilungsleiter Waldemar Untheim „endgültig das Handtuch warf“ – das Aus fürs hiesige Boxen, das die Fleckviehhalle und sogar den Stadtsaal füllte. Die Faszination des Faustkampfs war in Fulda sehr lebendig.

Das ganze Programm: Waldemar Untheim stand gegen den Frankfurter Schneider dreimal im Ring. Er gewann, verlor und einmal gab es ein Unentschieden.

Erfolge zeugen von der Trainingsarbeit und den Talenten in Osthessen. Zu ihnen zählte Harry Ting, dem es vergönnt war, Karl Mildenberger zu schlagen, der von 1964 bis 1968 Europameister war. Anfang der 1960er begannen die Probleme. Häufig füllten Gastkämpfer die Staffeln auf; den Zuschauern fehlte die Identifikation. Walter Vey und Carlo Laudenbach waren derweil bei befreundeten Vereinen gern gesehene Boxer. (Lesen Sie hier: Nach Corona-Abbruch per Klage in die Regionalliga? SG Barockstadt Fulda prüft Möglichkeiten)

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