E-Sport ist im Aufwind: Bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz wird bereits seit fast zwei Jahren online Fußball gespielt. (Symbolbild)
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E-Sport ist im Aufwind: Bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz wird bereits seit fast zwei Jahren online Fußball gespielt. (Symbolbild)

Ist eSports wirklich Sport?

Corona als Treiber? eSports lockt immer mehr Spieler an die Konsolen - auch in Fulda wird gezockt

eSports – ein Trend, an dem sich die Geister scheiden. Für die einen ist es eine Sportart, für die anderen ist es weit davon entfernt. Doch was ist eSports genau? Benjamin Wagner hat die eSports-Abteilung der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gegründet und berichtet.

Fulda - Man nehme eine Playstation oder X-Box, ein FIFA-Spiel und 22 Spieler jeden Alters – und schon kann es losgehen: ein Fußballspiel. Nur eben im Internet, ohne reale Begegnung, ohne Körperkontakt und ohne gegenseitiges Anschreien.

Was von vielen als Daddelei abgetan wird, spielt schon immer eine wichtige Rolle im Leben von Benjamin Wagner. Egal ob „FIFA“ oder Strategiespiele – für den 36-Jährigen ist das „Zocken“ ein Ausgleich zu seinem stressigen Berufsalltag als Soldat. „Für mich ist es eine Auszeit, um den Kopf frei zu bekommen“, erzählt er. Und seit Beginn der Corona-Pandemie denken wohl nicht wenige ähnlich: „eSports ist gerade im Kommen“, ist sich Wagner sicher. Im vergangenen Jahr stieg die Zuschauerzahl im eSports laut „Sport1“ von 443 Millionen auf 495 Millionen. (Lesen Sie hier: Raiffeisenbank veranstaltet Playstation-Turnier: Wer wird FIFA-König in Fulda?)

Corona als Treiber? Beim E-Sport ist die Zuschauerzahl weltweit auf 495 Millionen gestiegen

Nach und nach reifte in ihm die Idee, eine eSports-Abteilung bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz zu gründen. Gesagt, getan. Im Handumdrehen kann er SGB-Manager Sebastian Möller von seinem Impuls überzeugen, so dass die SG Barockstadt im August 2019 eine Abteilung für eSports gründet. Mittlerweile gehören 19 Männer, sowohl aus Hessen als auch bundesweit, zum eSports-Kader des Vereins.

Dabei fokussiert sich die Mannschaft auf „FIFA21“. „Man kann sich das vorstellen wie ein reales Fußballspiel. Es gelten die gleichen Regeln, es gibt den gleichen Ablauf, jede Position ist durch einen Spieler besetzt“, erklärt der 36-Jährige. Einzig die Spielzeit ist eine andere. Ein Online-Match dauert zwei mal zehn Minuten, so dass die Turniere, die wie beim realen Vorbild in mehreren Runden ausgetragen werden, sich nicht über Wochen strecken, sondern an einem Tag stattfinden.

Ein Streitpunkt: Ist eSports wirklich Sport?

Der Deutsche Olympische Sportbund erkennt eSports nicht als Sport an, und auch der Hessische Landtag lehnte im Oktober 2019 einen Antrag der AfD auf Anerkennung und Förderung des eSports ab. Der Duden definiert Sport als „… zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung …“. Im November 2017 gründete sich der eSports-Bund Deutschland, der zwischen den Begriffen „Gaming als freizeitmäßigem Gebrauch von Videospielen“ und „eSports, dem sportlichen Gebrauch von Videospielen“, unterscheidet.

Für Benjamin Wagner von der eSports-Abteilung der SG Barockstadt ist die Antwort allerdings klar: „Ja, für mich ist es Sport, vor allem Denksport. Man benötigt Koordination und Fingerfertigkeit. Wenn man Schach oder Billard als Sport anerkennt, muss man das mit eSports auch.“ Bisher sei eSports aber eine Randsportart, weshalb die Anerkennung seiner Meinung nach in den nächsten Jahren sicher folgen wird.

In der Saison 2019/20 wurde das Team um Wagner Meister in der National Gaming League Premiership II und stieg damit in die NGL-Premiership I auf. Dafür trainieren die Barockstädter dreimal in der Woche jeweils anderthalb Stunden. Alle von Zuhause aus, so dass durch Corona lediglich die vierteljährlichen Teamtreffen ausfallen.

„Man kann sich e-Football wie den realen Fußball vorstellen. Es gibt Transferperioden, in denen die Spieler den Verein sowohl national als auch international wechseln können. Gute Gamer spielen für ihren Verein und die Nationalmannschaft“, so Wagner. Mittlerweile hat er sich weitgehend aus dem aktiven Sport zurückgezogen und kümmert sich nun vorrangig um die Organisation – kann es aber nicht ganz lassen: „Ich greife dennoch regelmäßig zum Controller“, feixt er.

Video: FIFA-Meister Michael „Megabit“ Bittner - „eSports kommt langsam in der Gesellschaft an“

Per Livestream, beispielsweise bei YouTube, prime video oder eSports1 ist es möglich, Turniere, die sowohl online als auch in großen Hallen stattfinden, in aller Welt mitzuverfolgen. Neben Sportspielen wie eben „FIFA“ oder „Formel 1“ sind vor allem Strategie- oder Kampfspiele, beispielsweise „League of Legends“ und „Fortnite“ sehr populär. (Celina Lorei)

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