Das Tor wird wohl leer bleiben. Beim TuSpo Bad Salzschlirf gibt es - zumindest vorerst - keinen Seniorenfußball mehr.
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Das Tor wird wohl leer bleiben. Beim TuSpo Bad Salzschlirf gibt es - zumindest vorerst - keinen Seniorenfußball mehr.

Juniorenfußball bleibt

Corona zwingt erste Mannschaft in die Knie: Beim TuSpo Bad Salzschlirf wird kein Seniorenfußball mehr gespielt

  • Ralph Kraus
    vonRalph Kraus
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Die Corona-Pandemie zwingt das erste Team im hiesigen Amateurfußball in die Knie: Der TuSpo Bad Salzschlirf zieht sich aus der FSG Wartenberg zurück und wird - jedenfalls vorerst - keine Seniorenmannschaft mehr stellen.

Bad Salzschlirf - „Wir können uns den Spielbetrieb schlichtweg nicht mehr leisten. Es gibt aber eine klare Absprache mit den anderen Vereinen der Spielgemeinschaft, dass wir – sollte es bei uns wieder machbar sein – sofort in die FSG Wartenberg zurückkönnen“, sagt Abteilungsleiter Tim Krüger. Er gibt an, dass dem Club ungefähr ein fünfstelliger Betrag fehlt.

„Unsere Haupteinnahmequelle war und ist das Lichterfest, das wegen Corona schon zum zweiten Mal nicht stattfinden kann. Das macht sich finanziell deutlich bemerkbar“, erläutert Krüger, der mit seinen Vorstandskollegen aber den Juniorenfußball in der JSG Wartenberg/Salzschlirf aufrechterhalten will: „Was dort aus Bad Salzschlirf mitspielt, ist im Bereich der A- und B-Junioren zwar nicht die Masse, bei den C- und D-Junioren haben wir aber die Hoffnung, dass einiges für die Spielerdecke im Seniorenbereich übrig bleiben wird.“ (Lesen Sie hier: Hessen- und Kreispokale in der Corona-Pandemie: Wie geht es für die Vereine weiter?)

Wegen Corona: TuSpo Bad Salzschlirf meldet als erster Fußballverein Seniorenmannschaft ab

Mit der Einstellung des Spielbetriebs endet eine lange Tradition des Vereins, der im Oktober 1969 aus dem Turnverein von 1898 und dem 1. FC Kurhessen 1920 als TuSpo gegründet worden war. 2013 hatten sich die Fußballer der FSG Wartenberg – bestehend aus dem TV Angersbach und der SG Landenhausen – angeschlossen. Der TuSpo spielte viele Jahre eine gute Rolle im Fuldaer Fußballgeschehen und brachte etliche bekannte Spieler hervor. Allen voran Michael Weigand und Bardo Hirsch, die beide ihre größten Erfolge bei Borussia Fulda feierten.

Der erste große Erfolg der TuSpo war 1978 die Meisterschaft in der B-Klasse Lauterbach unter dem damaligen Spielertrainer Lothar von Keitz. Mit 50:6-Punkten distanzierte die Mannschaft um Kapitän Gerhard Ludwig sowie den offensivstarken Spielern Lothar von Keitz (24 Saisontore), Harald Würz (22), Josef Bopp (12) und Jochen Lind (10) Verfolger Spvgg. Hartmannshain/Herchenhain um 13 Zähler.

In den 1980er-Jahren war meist die Kreisoberliga Mitte (damals A-Liga Mitte) die Heimat. Bardo Hirsch spielte nach seiner Rückkehr vom FSV Frankfurt kurzfristig bei den Senioren, ehe er zum damals viertklassigen VfB Schrecksbach wechselte. Trainer waren in dieser Epoche Größen wie Heinz Straeter, Georg Vetter oder Werner Helmer.

TuSpo Bad Salzschlirf: Lange Tradition endet - 1987 gelang der Sprung in die Gruppenliga

Der große Sprung gelang in der Spielzeit 1986/1987. Unter der Regie von Spielertrainer Karl-Heinz Müller errang Bad Salzschlirf erstmals die Meisterschaft in der Kreisoberliga Mitte. Der Vorsprung auf Nachbar SG Landenhausen betrug 13 Punkte. Auch dank der 18 Saisontore von Bernhard Post ging es hoch in die Gruppenliga.

Sieben Spielzeiten (1987 bis 1994) war die Eliteklasse des Bezirks die sportliche Heimat des TuSpo. Die beste Platzierung war der achte Rang aus der Runde 1989/1990 – wieder unter Trainer Lothar von Keitz. Nach zwei Abstiegen in Serie verpflichtete Bad Salzschlirf Theo Diegelmann als Trainer, der den Verein dank der 38 Saisontreffer von Michael Weigand 1996 zum Titel in der A-Liga Lauterbach führte.

Die vorerst letzte Meisterschaft in der Historie des TuSpo Bad Salzschlirf war im Jahr 2010/2011 die beeindruckendste überhaupt – zumindest den Zahlen nach. Unter Spielertrainer Dominik Möller gewann der Verein alle 24 Saisonspiele und erzielte dabei 183:7-Tore. Die Torjägerkrone holte sich in einer einzigartigen Runde Boris Loch, der sage und schreibe 67 Saisontore zum Titel beisteuerte.

Vorstand André Brehler: Einnahmen wegen Corona komplett weggebrochen

Zu den unvergessenen Spielen der Geschichte gehört das Gastspiel des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern, der 1980 mit Spielern wie Ronnie Hellström, Benny Wendt, Friedhelm Funkel und Hannes Bongarts antrat, 1500 Zuschauer anlockte und in Bad Salzschlirf mit 15:0 gewann.

Die Abmeldung der Seniorenmannschaft ist für Vorstandsmitglied André Brehler, selbst bis 2009 ein wichtiges Bindeglied in der Mannschaft, ein harter Schritt: „Wenn uns das vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, hätte es niemand geglaubt. Aber wir stehen nicht alleine da. Auch andere Vereine werden betroffen sein. Corona allein ist nicht schuld, unsere Einnahmen erwirtschaften wir aber durch Festlichkeiten. Das ist komplett zusammengebrochen und deshalb ein echtes Problem“, sagt Brehler.

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