Turnen: Weltmeisterschaft
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Turnen ächzt unter Corona: Ein düsteres Bild zeichnet Hansi Buchmann, Multifunktionär und Vorsitzender der KTVFulda. (Symbolfoto).

Interview mit Hansi Buchmann

Turnen ächzt unter Corona: Vorsitzender der KTV Fulda zeichnet ein düsteres Bild

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Turnen ächzt unter Corona: Ein düsteres Bild zeichnet Hansi Buchmann (57), Multifunktionär und Vorsitzender der KTV Fulda, im Interview mit der Fuldaer Zeitung.

Fulda - Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen das trainingsintensive Turnen ganz besonders. Sorgenvoll blickt Hansi Buchmann, Gau-Kunstturnwart männlich sowie Wettkampfwart und Ligaobmann beim Hessischen Turn-Verband, in die Zukunft.

Wann fanden auf Gauebene die letzten Wettkämpfe statt?
Das war im Herbst 2019.
Das Training pausierte allerdings nicht so lange.
Unter Einhaltung des Hygienekonzeptes konnten die Vereine Training in kleinen Gruppe anbieten, aber seit dem Herbst geht nichts mehr.

Turnen ächzt unter Corona: Vorsitzender der KTV Fulda zeichnet ein düsteres Bild

Wie halten sich die Turnerinnen und Turner fit?
Die KTV Fulda und viele andere Vereine bieten Onlinetraining an. Bei uns findet das für die unterschiedlichen Gruppen jeweils zweimal in der Woche statt. So können zumindest die Beweglichkeit und die Kraft einigermaßen gehalten werden.
Welche Altersgruppen trifft der Lockdown am härtesten?
Anfänger, Schüler und Jugendliche im Wachstum gleichermaßen. Nach einem halben Jahr ohne Gerätetraining fängst du quasi bei null an.
Das ist krass.
Ja, Turnen ist nicht mit anderen Sportarten zu vergleichen. Denn gerade wenn der Körper im Wachstum ist, verändern sich die Voraussetzungen. Bereits erlernte Übungsteile klappen nicht mehr, weil sich die körperlichen Proportionen verschoben haben.
Hansi Buchmann, Multifunktionär und Vorsitzender der KTVFulda, zeichnet für das Turnen nach der Corona-Pause ein düsteres Bild.
Nennen Sie ein Beispiel.
Die Kippe am Barren oder Reck ist ein sehr, sehr trainingsintensives Übungsteil. Es dauert lange, bis sie klappt. Wächst ein Turner beispielsweise um zehn Zentimeter und kann zwischendurch nicht trainieren und sich so auf die veränderten körperlichen Voraussetzungen einstellen, wird er dieses Teil nicht mehr turnen können und muss es ganz neu erlernen. Da kann ich mir gut vorstellen, dass einige keinen Bock mehr haben, sich noch einmal durchzubeißen.
Gibt es viele Austritte?
Wie ich gehört habe, bisher nicht. Die werden wohl erst mit Wiederaufnahme des Trainings kommen, wenn die Turnerinnen und Turner feststellen, dass sie weit von ihrem damaligen Leistungsstand entfernt sind, und die Motivation fehlt. Zudem haben sie ihre Freizeit anders organisiert, das Turnen fehlt ihnen womöglich nicht so sehr.
Das könnte auch auf Trainer und Funktionäre zutreffen.
Die Gefahr sehe ich. Die Vereine hatten die ganze Zeit schon Probleme, ihre Vorstandsposten zu besetzen sowie Trainer und Übungsleiter zu finden. Das wird künftig noch schwieriger sein.
Was ist Ihr Tipp?
Durchhalten und durchbeißen.
Wie in allen anderen Sportarten darf auch im Kunstturnen Profisport betrieben werden. Das trifft auf die Mannschaft der KTV Fulda zu, die in der Zweiten Liga turnt. Wie ist da der Stand?
Vom Prinzip her gilt die Zweite Liga als Profisport. Somit dürften alle gemeldeten Turner mit Sondergenehmigung trainieren. In der Realität ist das allerdings nicht der Fall.
Woran scheitert es?
An den Hallen. Die Vereine mit eigener Halle können für ihre Athleten Training anbieten, öffentliche Hallen sind hingegen gesperrt. Zudem sind die Olympiastützpunkte – wie der in Hannover – nur für Kaderathleten geöffnet.
Was bedeutet das für die KTV-Riege?
Dass gut die Hälfte unserer Turner, die aus er Region Hannover, Kassel oder Fulda kommen, nicht trainieren kann. 
Die Liga soll aber im Herbst starten?
Davon gehe ich aus. Die Deutsche Turn-Liga wird alles daran setzen, die Liga durchzuziehen. Die Termine stehen schon. Wir hätten den ersten Wettkampf am 25. September in Heidelberg.

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Ist das wünschenswert?
Wegen der Vorbedingungen bin ich nicht so entzückt. Ohne Training kann ich die Mannschaft nicht in den Wettkampf schicken. Ich hoffe, dass wir in ein bis zwei Monaten so weit durchgeimpft sind, dass eine gewisse Herdenimmunität vorhanden ist und die Trainingszentren wieder komplett öffnen.
Wie lange Vorlauf brauchen die Kunstturner?
Drei bis vier Monate würden wohl reichen, um das alte Leistungslevel in etwa zu erreichen. Neue Übungsteile sind in der Zeit allerdings kaum erlernbar. Es geht eher darum, den Stand zu halten.

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