In Zeiten von Corona und jetzt noch dem Herpesvirus kämpft der Pferdesport um das Überleben.
+
In Zeiten von Corona und jetzt noch dem Herpesvirus kämpft der Pferdesport um das Überleben.

Interview

Corona und jetzt noch Herpesvirus: Der Pferdesport kämpft ums Überleben - 8 Fragen und Antworten

Corona und jetzt noch Herpesvirus: Der Pferdesport kämpft ums Überleben. Hendrik Langeneke (50), Rechtsanwalt für Pferde- und Verkehrsrecht aus Westfalen und ab Mitte 2021 Geschäftsführer des Hessischen Pferdesportverbandes, gibt Tipps und warnt vor Panikmache. 

Fulda - Die Fragen zu Corona und dem Herpesvirus und dessen Auswirkungen auf den Pferdesport an Hendrik Langeneke, Rechtsanwalt für Pferde- und Verkehrsrecht aus Westfalen und ab Mitte 2021 Geschäftsführer des Hessischen Pferdesportverbandes (PSVH), stellte Barbara Kiel.

1. Wie wirkt sich das Herpesvirus auf den Reitsport aus?
Die FEI (Internationaler Pferdesportverband) und FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) beraten über die weitere Vorgehensweise in Sachen Herpesvirus. Bis zum 28. März sind alle Veranstaltungen sowohl international als auch national abgesagt, die internationalen Veranstaltungsstopps sind sogar bis 11. April durch die FEI verlängert worden. Kommende Woche finden Gespräche statt, die nationalen Turnierabsagen auf dieses Datum auszuweiten. 

Corona und Herpesvirus: Abstand halten und kein Kontakt zu anderen Pferden

2. Welche Maßnahmen gibt es für Pferdehalter?
Herpes betrifft alle Pferdebesitzer – die Empfehlung lautet: Keine Pferde aus anderen Beständen miteinander vermischen. Es wird außerdem empfohlen, keine Pferdetransporte innerhalb der EU durchzuführen. Im Wesentlichen sollte der gesunde Menschenverstand greifen. Wenn einzelne Pferde zum Beispiel auf der Vereinsanlage reiten wollen, dann geht das in Absprache, allerdings nur mit Abstand und ohne Kontakt zu anderen Pferden. 
3. Wie ist die Lage in Hessen?
Da für Herpesinfektionen keine Melde-/Anzeigepflicht besteht, gibt es keine genauen Zahlen. Uns sind nur vereinzelte Fälle aus hessischen Reitställen bekannt, die jedoch nicht im Zusammenhang mit der Virusmutation aus Valencia stehen. Da es für Amateure derzeit noch keine Turniere gibt, ist die Gefahr einer Ansteckung vor allem im ländlichen Raum kaum möglich. Derzeit schaut man vorwiegend auf die Kader-/Profireiter, die in Valencia und Doha waren – alle Pferde befinden sich in Quarantäne.  
Hendrik Langeneke, ab Mitte 2021 Geschäftsführer des Hessischen Pferdesportverbandes, beantwortet Fragen zu Herpesvirus und Corona.
4. Was könnte eine Herpes-Impfpflicht bringen?
Eine Impfung bringt eine Senkung des Ansteckungsrisikos. Allerdings wirkt sie nicht so direkt wie die Influenza-Impfung. Geimpfte Pferde können das Virus bekommen, jedoch ist der Verlauf dann abgemildert. Die FN ist derzeit noch gegen diese Impfpflicht auf Turnieren, da die Impfquote gegen Herpes in Deutschland nur 16 Prozent beträgt. Zudem kann eine flächendeckende Impfung nicht gewährleistet werden, da für die Impfstoffe Lieferengpässe bestehen. Sollte sie kommen, wird die Impfpflicht in der LPO festgeschrieben. Der Mensch kann über eine Tröpfchen-Infektion das Virus auf Pferde übertragen, zum Beispiel über die Kleidung eines Bereiters, der Pferde unterschiedlicher Bestände reitet. 
5. Wer kann Fragen zu Herpesinfektion und in diesem Zusammenhang nötiger Stallhygiene beantworten?
In erster Linie die örtlichen Tierärzte. Der PSV bietet für alle Interessierten am Dienstag, 23. März ein Online-Seminar zu diesen Themen an. Dieses wird von den Veterinären Dr. Michael Weiler und Dr. Enrica Zumnorde-Mertens geleitet. Anmeldungen sind unter https://landwirtschaft.edudip.com/w/390028 abrufbar.

Corona und Pferdesport: Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Turniersport?

6. Welche Auswirkungen hat Corona auf den Turniersport?
In Hessen ist derzeit noch kein Turniersport möglich, der Start hier steht in den Sternen. Lockerungen werden anhand der Fallzahlen entschieden, die derzeit jedoch in die Höhe schießen. Kürzlich gab es eine Lockerung zum Reitunterricht in Gruppen, diese Regelung gilt derzeit bis 28. März. 
7. Wie hilft man in Not geratenen Vereinen und Pferdebetrieben?
Der Kreisreiterbund Rhön-Vogelsberg hat einen Not-Hilfsfond für Mitgliedsvereine und Pferdebetriebe ins Leben gerufen. Die Überbrückungshilfe III ist nun auch für ehrenamtlich geführte Vereine zugänglich. Zudem hat der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie in Kooperation mit der FN Unterstützung für Reitvereine und Pferdebetriebe zugesagt. 

Video: Was ist das Equine Herpesvirus?

8. Wie unterstützt der PSVH Turnierveranstalter bei Absagen/Verschiebungen?
Die Genehmigungsgebühren werden um ein Drittel reduziert, sofern ein Turnier ausfällt. Die Kosten werden auf mögliche Ersatz-Veranstaltungen aufgerechnet. Die Frist zur Einreichung von Ausschreibungen liegt bei vier Wochen vor Nennungsschluss, die Frist für Absage/Umlegung ebenso.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema