Unterschiedliche Interessen: Während Patrick Schaaf (links) mit der SG Barockstadt aufsteigen will, hoffen Gießens Michael Fink (unten) sowie Kevin Nennhuber (spielt inzwischen bei Hessen Kassel) auf eine Reduzierung der Absteigerzahl.
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Unterschiedliche Interessen: Während Patrick Schaaf (links) mit der SG Barockstadt aufsteigen will, hoffen Gießens Michael Fink (unten) sowie Kevin Nennhuber (spielt inzwischen bei Hessen Kassel) auf eine Reduzierung der Absteigerzahl.

Offener Brief

Barockstadt muss weiter zittern: Regionalliga fordert weniger Absteiger - zulasten möglicher Aufsteiger

  • Steffen Kollmann
    vonSteffen Kollmann
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Trotz der beschlossenen Saison-Annullierung in Hessen stellt sich weiterhin die Frage, wie mit potenziellen Aufsteigern in die Regionalliga Südwest – darunter der SG Barockstadt – umzugehen ist. Die Regionalliga-Vertreter haben sich klar positioniert.

Fulda - In einem offenen Brief des Ligasprechers Rafael Kowollik sprechen sich ein Großteil der Regionalligisten für eine Reduzierung der Absteiger in der Corona-Saison von sechs auf drei aus. „Es stößt auf breites Unverständnis, dass am Ende einer Mammutsaison mit 42 Ligaspielen sechs Vereine direkt aus der Regionalliga Südwest absteigen müssen, während drei oder gar vier Vereine aus den darunterliegenden drei Oberligen mit nur acht, maximal 13 Spielen Aufsteiger benennen und eventuell gar am grünen Tisch aufsteigen“, heißt es im Brief.

Der Hessische Fußballverband hatte Ende März die Saison für die hessischen Amateurvereine beendet und annulliert. Eine überwältigende Anzahl der Vereine hatte sich zuvor für diesen Weg und gegen eine Beendigung der Hinrunde ausgesprochen.

Corona-Saison: Darf die SG Barockstadt trotz Saisonabbruch in die Regionalliga aufsteigen?

Es könnte dazu kommen, dass Regionalligisten mit rund 50 Punkten als Sechstletzter absteigen müssen – während Eintracht Trier, Tabellenführer der Oberliga Rheinliga-Pfalz Nord, auf gerade einmal acht Spiele und 22 Zähler kommt. Dass die Oberligaträger – darunter der Hessische Fußball-Verband (HFV) mit der Hessenliga und Tabellenführer SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – trotzdem einen Aufsteiger in die Regionalliga melden könnten, wird im offenen Brief als „Systemfehler“ beschrieben.

„Gleichzeitig sind diese Verbände die Gesellschafter der Regionalliga Südwest GbR, in der sie die Interessen der Regionalliga-Vereine zu vertreten haben! Die Regionalliga Südwest könnte Aufsteiger ablehnen. Vertreten deren Gesellschafter dort nun die Regionalliga-Interessen oder unterliegen sie in ‚Personalunion‘ nicht einer objektiven, inakzeptablen Befangenheit?“, heißt es dort.

Laut „Kicker“ hat der Württembergische Fußball-Verband bereits an seine Vereine kommuniziert, die Oberliga Baden-Württemberg von einer Saison-Annullierung auszusparen, um einen Aufsteiger sowie einen Teilnehmer an den Aufstiegsspielen melden zu können.

Offener Brief der Regionalliga Südwest: Absteiger von sechs auf drei reduzieren

Würde der HFV einen ähnlichen Weg einschlagen, bliebe die Frage, wer neben Aufsteiger Barockstadt als Aufstiegsspielteilnehmer gemeldet würde. Hessen Dreieich hat sich gegenüber HFV-Verantwortlichen gegen einen Aufstieg ausgesprochen, Rot-Weiss Walldorf, Hanau 93 und Türk Gücü Friedberg könnten stattdessen nachziehen. (Lesen Sie hier: „Keiner will so gerne aufsteigen wie ich“: SG-Barockstadt-Trainer Sedat Gören über seine Verlängerung)

Welche Regionalligisten den Brief unterstützen, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Einige Vereine wie die TSG Balingen und der FK Pirmasens haben sich bereits recht deutlich positioniert. Aus hessischer Sicht hat sich der FC Gießen, aktuell auf dem ersten Nichtabstiegsplatz beheimatet, der Bewegung angeschlossen.

„Sechs Absteiger wären ein Schlag ins Gesicht für jeden, der durch unter anderem fehlende Zuschauereinnahmen ohnehin in eine finanzielle Schieflage geraten ist“, betont Notvorstand Turgay Schmidt. „Wir vertrauen nicht auf eine positive Entscheidung, sondern wollen die Situation sportlich lösen.“

Regionalliga Südwest: Auch Kickers Offenbach tragen Schreiben mit - Fokus auf Aufsteigern

Auch Kickers Offenbach trägt das Schreiben mit, denkt dabei aber weniger an die Absteiger als vielmehr die Aufsteiger. Demnach sei es ungerecht, wenn ein Tabellenzweiter aus der Regionalliga Südwest in der Liga bleiben müsse, der Nordost-Erste Viktoria Berlin womöglich aber mit elf Spielen in die Dritte Liga aufsteigen dürfe.

Regionalliga Südwest-Geschäftsführer Sascha Döther erklärte gegenüber op-online.de, zunächst eine Entscheidung in der Dritten Liga abwarten zu wollen*. Dort drängt die Zeit mehr, weil die Saison mehrere Wochen früher beendet sein wird.

HFV-Präsident Stefan Reuß möchte sich auf Nachfrage an keinerlei Spekulationen beteiligen. „Der HFV wartet darauf, dass er eine Einladung zur Gesellschafterversammlung der Regionalliga erhält“, betont Reuß, der ergänzt, dass sich der Verband im Vorfeld mit seinen Vereinen kurzschließen will.

SG Barockstadt nimmt Schreiben der Regionalliga zur Kenntnis - Verantwortliche entspannt

Betroffen ist nicht nur Barockstadt als Hessenliga-Tabellenführer, sondern auch hessische Regionalliga-Abstiegskandidaten wie Hessen Kassel und Gießen. „Ich weiß ja, wie es im letzten Jahr war. Du kannst es nicht jedem recht machen“, weiß Reuß.

Auch die SG Barockstadt hat das Schreiben zur Kenntnis genommen: Die Verantwortlichen zeigen sich entspannt und wollen sich öffentlich nicht äußern. Im Gegensatz zu anderen Oberligisten wie den Stuttgarter Kickers, die bereits mit einer Stellungnahme reagiert haben. „Allen Regionalligisten war beim Saisonstart bewusst, dass sechs Vereine absteigen werden. Aber nachdem jetzt sieben Monate gespielt wurde, überlegt es sich ‚ein Großteil der Vereine‘ plötzlich anders, weil er von der derart festgelegten Abstiegsregelung bedroht ist?“, ärgert sich Kickers-Präsident Rainer Lorz. Das letzte Wort ist keineswegs gesprochen. *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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