Auf der Strecke ist Abstand kein Problem. Deshalb hoffen die Veranstalter des Rhön-Radmarathons in Bimbach auf eine Veranstaltung im Juli.
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Auf der Strecke ist Abstand kein Problem. Deshalb hoffen die Veranstalter des Rhön-Radmarathons in Bimbach auf eine Veranstaltung im Juli.

Weniger Startplätze

Rhön-Radmarathon und Corona - Veranstalter glauben an Juli-Termin: „Uns zeichnet ein Grundoptimismus aus“

Nicht nur Pfingsten fährt man in Bimbach: Der RSC hofft, Rhön-Radmarathon und Rhön-Rundfahrt am 10. und 11. Juli durchführen zu können – wegen der Corona-Pandemie in abgespeckter Form. Einblick in den Planungsstand gibt der 2. Vorsitzende Frank Scheiber (46).

Herr Scheiber, das Anmeldeportal für den Rhön-Radmarathon wurde Ende März geöffnet. Von diesmal insgesamt 1500 Startplätzen für die Marathon-Strecken sind nur noch einige Restplätze verfügbar. Warum kennt die Begeisterung für den Rhön-Radmarathon selbst in Corona-Zeiten scheinbar keine Grenzen?
Wir haben uns in mehr als 30 Jahren Marathongeschichte einen Namen in der Szene gemacht, unsere Veranstaltung wird in Fachzeitschriften als „Muss man gefahren haben“ angepriesen. Zudem schätzen die Fahrer die familiäre Atmosphäre. Bezogen auf die aktuelle Situation glaube ich, dass viele Menschen einfach wieder aktiv sein und zurück ins Leben wollen. Dabei geht es nicht um Party machen, wie es manchmal dargestellt wird, sondern darum, mit Gleichgesinnten Sport zu treiben. Jedenfalls haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten, in denen sich die Fahrer bedanken, dass wir die Mammutaufgabe Radmarathon trotz der widrigen Umstände angehen.
Während Fulda-Marathon, Barockstadt-Triathlon und RhönEnergie Challenge abgesagt beziehungsweise zu Online-Ausweichveranstaltungen umkonzipiert wurden, ist der Rhön-Radmarathon die einzige sportliche Großveranstaltung in der Region Fulda, die nach wie vor angesetzt ist. Was gibt dem RSC-Team die Zuversicht, die Veranstaltung durchführen zu können?
Ein Vergleich mit anderen Veranstaltungen lässt sich schlecht ziehen, dafür sind die Bedingungen zu unterschiedlich. Ich kann also nur für uns sprechen – und in unserem Team hat jeder riesige Lust auf den Rhön-Radmarathon. Da uns die Planungen ohnehin ganzjährig beschäftigen, haben wir uns entschieden, so lange wie möglich an der Durchführung 2021 festzuhalten. Wir hoffen, dass die Impfquote voranschreitet und die Inzidenz erneut im Sommer zurückgeht, daher weichen wir dieses Mal vom gewohnten Pfingsttermin ab und haben uns für ein Wochenende im Juli entschieden.

Rhön-Radmarathon in Bimbach: Veranstalter hoffen auf gute Corona-Inzidenz im Juli

Und wenn es, wie im Vorjahr, doch zur Absage kommt?
Dann haben wir alle etwas von unserer privat investierten Zeit verloren. Die gesamte Veranstaltung wird ehrenamtlich vom Verein und seinen Helfern organisiert. Das Risiko ist daher überschaubar, und als Team haben wir entschieden, es einzugehen. Wir verstehen unsere Entscheidung auch als Signal an die Radsport-Szene: Wir wollen den Sportlern zeigen, dass wir da sind. Klar ist aber auch, dass wir die Veranstaltung nicht auf Biegen und Brechen durchführen werden – die Gesundheit steht an erster Stelle.
Um diese zu schützen, werden Sie sicherlich einige Änderungen am Veranstaltungsformat vornehmen müssen. Welche Bestimmungen hinsichtlich Sicherheit und Hygiene gibt es?
Unser Team hat ein umfassendes Konzept erstellt. Den gewohnten Massenstart etwa wird es dieses Mal nicht geben. Stattdessen gibt es Zeitfenster, in denen die Fahrer auf die Strecke gehen. Dafür haben wir die Startzone ausgemessen, um sicherzustellen, dass die Abstände eingehalten werden können. Auch das Get-together am Hädenberg fällt aus, die Wiese wird nicht für Camping zur Verfügung stehen.
Es geht dieses Mal ausschließlich um den Radsport, die geselligen Elemente können wir hoffentlich im kommenden Jahr nachholen. Verpflegung auf der Strecke wird es aber geben. Das Frühstück vor dem Marathon muss vorbestellt werden, an den Verpflegungspunkten an der Strecke wird statt Selbstbedienung unser Team das Essen ausgeben. Dazu werden sich die Fahrer anstellen müssen, mit Abständen und allen weiteren Maßnahmen, die aus dem Alltag bekannt sind. Um die Maßnahmen jederzeit sichtbar zu machen und das Risiko gering zu halten, haben wir reichlich Absperrungsmaterialien und Plexiglasscheiben gekauft.
Einen Massenstart wie diesen im Jahr 2019 wird es diesmal nicht geben. Die Veranstalter des Rhön-Radmarathons haben Zeitfenster für den Start eingerichtet.
Wie sieht es denn von der behördlichen Seite aus? Die Strecke führt durch Hessen, Bayern und Thüringen, da könnte ich mir vorstellen, dass in der aktuellen Situation einige Überzeugungsarbeit zu leisten ist …
Zunächst muss die Strecke unter Gesichtspunkten der Verkehrsführung genehmigt werden, das hat aber nichts mit Corona zu tun. Bezüglich der Genehmigungen im Rahmen der Corona-Auflagen stehen wir aktuell in Gesprächen. Konkrete Aussagen sind von den zuständigen Behörden allerdings noch nicht zu bekommen, da die Situation im Juli derzeit kaum abzuschätzen ist. Zugegeben, das schwebt noch als Damoklesschwert über der Veranstaltung. Umso dankbarer bin ich, dass die Motivation und der Enthusiasmus in unserem Team ungebrochen sind. Uns zeichnet ein gewisser Grundoptimismus aus.
Bei allem Einsatz und Engagement, ohne Sponsoren wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht denkbar. Wie schwer war es, die Unterstützer von der Auflage 2021 zu überzeugen?
Das lief sehr gut! Vor allem stehen unsere langjährigen Sponsoren RhönSprudel und die Sparkasse Fulda zu uns. Schon im Vorjahr haben wir auch von anderen Sponsoren das Signal bekommen, 2021 auf jeden Fall oder sogar ausschließlich beim Rhön-Radmarathon präsent sein zu wollen. Von dieser Entwicklung bin ich selbst überrascht. Das Engagement für eine solche Veranstaltung ist insbesondere in einer Pandemie nicht selbstverständlich, entsprechend dankbar sind wir allen Unterstützern.

Rhön-Radmarathon im Juli: Zweiteilung mit Marathon Samstag und Rundfahrt am Sonntag

Noch nicht geöffnet wurde die Anmeldung für die kürzeren Strecken der Rhön-Rundfahrt. Wie sehen diesbezüglich Ihre Planungen aus?
Wir haben die Veranstaltung dieses Mal zweigeteilt: Am Samstag findet der Radmarathon statt, am Sonntag die Rhön-Rundfahrt. So wollen wir die Zahl der gleichzeitig anwesenden Personen auf ein Minimum beschränken. Wann das Anmeldefenster für die RTF öffnet, also für die kürzeren Strecken mit unter anderem der Familientour, kann ich noch nicht sagen. Vermutlich wird es vier Wochen vor der Veranstaltung sein und ausschließlich online stattfinden.
Mit der Rhön-Rundfahrt ist der RSC zugleich ein Bestandteil des Rhön-Special-Cups. Können Sie bezüglich der Serie schon eine Wasserstandsmeldung geben?
Wir stehen bezüglich der Organisation in regelmäßigem Kontakt mit den anderen Vereinen und arbeiten sehr eng zusammen. Die Bedingungen sind in diesem Jahr verschärft, daher nehmen die Planungen mehr Zeit in Anspruch als in der Vergangenheit. Geplant ist aber, die gesamte Serie durchzuziehen. Der zugehörige Flyer befindet sich in der Endproduktion, in Kürze dürfte es also alle Informationen geben.

Radmarathon und Rundfahrt

Der Rhön-Radmarathon, der erstmals 1990 ausgetragen wurde, zählt zu den bekanntesten und schwierigsten Radmarathons in Deutschland. Die Streckenlängen der verschiedenen Touren liegen zwischen 180 und 258 Kilometern. In den vergangenen Jahren hatten die Bimbacher zwischen 2000 und 2300 Startplätze für den Radmarathon bereitgehalten, in diesem Jahr wurde die Teilnehmerzahl auf 1500 beschränkt.

Die Strecken der Rhön-Rundfahrt sind zwischen 20 und 152 Kilometer lang, die Teilnehmerzahl ist üblicherweise nicht begrenzt. 2019 war mit insgesamt 6631 Starts ein Teilnehmerrekord aufgestellt worden.

Auf der Homepage des RSC steht der Hinweis, dass alle sportlichen Vereinsaktivitäten ausgesetzt sind. Trainieren können die Mitglieder individuell und an der frischen Luft. Gibt es die Sorge, dass Mitglieder merken: Es geht auch ohne Verein?
Das können wir bislang nicht feststellen, unsere Mitglieder halten uns zum Glück die Treue. Die Zahlen sind jedenfalls stabil, lediglich Anmeldungen haben wir derzeit etwas weniger zu verzeichnen als in Nicht-Corona-Zeiten. Aber wir suchen auch aktiv den Kontakt, um die Mitglieder weiterhin bestmöglich in das Vereinsleben zu integrieren.
Wie dürfen wir uns das vorstellen?
Unsere Vereinsversammlungen etwa finden weiterhin einmal im Monat statt, im Moment eben per Videokonferenz. Teilweise sind sogar mehr Mitglieder dabei als bei den regulären Treffen, da sich Mitglieder zuschalten, die selbst nicht in Bimbach wohnen. Darüber hinaus versenden wir einmal monatlich einen Infobrief, um alle auf dem aktuellen Stand zu halten. Wir sind ein sehr lebendiger Verein, in dem Geselligkeit großgeschrieben wird – das wirkt sich auch auf die Beziehungen unserer Mitglieder untereinander aus. Aktuell findet die Kommunikation eben verstärkt über die Online-Kanäle statt, und über die App Strava stellen viele Mitglieder sich gegenseitig ihre Strecken zur Verfügung. Ob die Entwicklung weiterhin so positiv bleibt, wissen wir nicht – und hoffen, dass Sporttreiben im Verein bald wieder möglich ist. (Von Patrick Wichmann)

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