Die Präsidentin des Hessischen Schützenverbandes Tanja Frank spricht vor den Vorstandsmitgliedern ins Mikrofon.
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Im vergangenen Oktober wurde die Gesamtvorstandssitzung des Hessischen Schützenverbandes noch als Präsenzveranstaltung abgehalten (links: Präsidentin Tanja Frank). Diesmal traf man sich online.

Auf Online-Tagung

Hessischer Schützenverband beklagt Mitglieder-Rückgang wegen Corona - „Interesse am Schießsport geht verloren“

Nachdem die hessischen Schützentage 2020 und 2021 aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, hat sich das Präsidium des Verbands dazu entschlossen, für die Delegierten aus den Bezirken eine Online-Veranstaltung zu organisieren.

Frankfurt/Fulda - Die Tagung war dringend notwendig, da der Haushaltsplan 2021 und die Jahresberichte aus den beiden vergangenen Jahren genehmigt werden mussten. Präsidentin Tanja Frank begrüßte etwa 200 Teilnehmer aus den Bezirken bei der virtuellen Tagung und bedauerte, dass die Delegiertensitzung aufgrund der Corona-Pandemie nicht in einer Präsenzveranstaltung stattfinden kann.

Nachdem zuletzt die Landesmeisterschaften abgesagt wurden, hofft Frank auf eine Kehrtwende für den Breitensport in Hessen nach dem Sommer. „Allerdings kann man aktuell nur auf Sicht planen“, stellte sie klar. Der neue Geschäftsführer des Verbands, René Ullrich, erklärte den Ablauf zur Abstimmung über den Haushalt im Umlaufverfahren – ähnlich einer Briefwahl.

Düster sieht es bei der Mitgliederentwicklung aus. Landesjugendleiter Stefan Rinke brachte es auf den Punkt: „Im Schüler und Jugendbereich sind uns im vergangenen Jahr 744 Mitglieder verloren gegangen.“ Während im Gersfelder Stadtteil Maiersbach die Jugend noch das Schützenhaus erobert, ginge das Interesse ohne Wettkämpfe, ohne Präsenz beispielsweise in den Schulen, ohne Veranstaltungen nach und nach verloren.

Hessischer Schützenverband: Delegierte beklagen auf Online-Tagung mangelndes Interesse am Schießsport

Dabei würden kleine Wettkämpfe wie Jugend-Trophy oder Jahrgangsbestenschießen angeboten, „doch leider erfahren davon nur die wenigsten. Wir müssen die Kommunikation zu den Vereinen verbessern; aus jedem Bezirk gibt es meist nur zwei bis drei Vereine, die sich gut beteiligen“, fasste Rinke ein weiteres Problem zusammen.

Da der Schießsport im vergangenen Jahr fast komplett der Pandemie zum Opfer gefallen war, fasste sich Sportleiter Ottmar Martin kurz. Ob die Deutsche Meisterschaft dieses Jahr stattfindet, vermochte er nicht zu sagen; der Deutsche Schützenverband wolle bis Mitte Mai eine Entscheidung treffen. Bis dahin müsse abgewartet werden. Martin präferiere mittlerweile eine Absage, da eine Qualifikation auf Bezirksebene in der aktuellen Situation nicht stattfinden könne. Martin hofft, dass die Infektionszahlen sinken und die Schützen in den Luftdruckklassen im Herbst wieder auf allen Ebenen durchstarten.

Mitgliedsvereine des Hessischen Schützenverbandes werden mit 100 Euro Corona-Soforthilfe unterstützt

Zwei erfreuliche Meldungen gab Schatzmeister Friedhelm Wollenhaupt bekannt. Zum einen beschloss die Verbandsspitze, seine Mitgliedsvereine mit einer Corona-Soforthilfe von 100 Euro zu unterstützen. „Sicherlich ist das nur ein kleiner Tropfen, allerdings müssen laut Gesetzeslage alle Vereine gleich behandelt werden, da sonst das Finanzamt den Vereinen ihre Gemeinnützigkeit absprechen könnte“, stellte Wollenhaupt klar. Nachdem der Haushalt für 2021 genehmigt wurde, werden die Vereine vom Verband angeschrieben.

Mit dem Einbau von 60 elektronischen Schießständen im Landesleistungszentrum Frankfurt wurde, zum anderen, begonnen. Der Verband werde das Bauvolumen in Höhe von 500 000 Euro vorstrecken und aus den Rücklagen sowie den zweckgebundenen Rücklagen für Betriebsmittel finanzieren. Sobald die beantragten 200 000 Euro der öffentlichen Hand ausgezahlt werden, fließe dieser Betrag zurück in die Betriebsmittelrücklagen. „Somit ist eine Sonderumlage auf die Mitglieder vorerst vom Tisch“, betonte Wollenhaupt. (Sebastian Dänner)

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