Das Corona-Infektionsschutzgesetz verbietet den Juniorenfußballern ein normales Training. (Symbolfoto)
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Das Corona-Infektionsschutzgesetz verbietet den Juniorenfußballern ein normales Training. (Symbolfoto)

Ab Inzidenz von über 100

Corona-Infektionsschutzgesetz verbietet Jugendfußballern normales Training - Kritik aus Region Fulda

  • Sascha Behnsen
    vonSascha Behnsen
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  • Steffen Kollmann
    Steffen Kollmann
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Das von Bundestag und Bundesrat beschlossene Infektionsschutzgesetz hat Auswirkungen auf den Jugendfußball. Kinder unter 14 Jahren dürfen künftig nicht mehr wie bislang ein reguläres Training veranstalten.

Fulda - Bei einer Corona-Inzidenz von über 100 – die momentan in allen der Fußballregion Fulda zugehörigen Landkreisen deutlich überschritten wird – ist Sport für Kinder unter 14 Jahren nur noch in Gruppen von höchstens fünf Kindern erlaubt. Allerdings muss dieser kontaktlos stattfinden. Zudem muss der zuständige Trainer einen negativen Corona-Test vorweisen. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Einschränkungen, die vielerorts kritisch gesehen werden. Beispielsweise von Bastian Stumpf, U14-Trainer des JFV Viktoria Fulda: „Die Pandemie muss ernstgenommen werden, keine Frage. Aber man liest überall, dass die Infektionsschwerpunkte in Firmen, Heimen, sozialen Einrichtungen und Kindertagesstätten liegen – also allesamt in geschlossenen Räumen. Die Infektionsgefahr im Freien oder im Freiluftsport besteht dagegen nicht“, kritisiert der 20-Jährige.

Corona: Infektionsschutzgesetz verbietet normales Training - So reagiert der JFV Viktoria Fulda

Das sieht sogar der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Fritz Keller, so, der in einer öffentlichen Erklärung sagte: „Die Politik sollte jede Entscheidung auf der Basis von Fakten treffen. Immer mehr wissenschaftliche Studien von Aerosolforschern und Epidemiologen belegen das äußerst minimale Infektionsrisiko an der frischen Luft und die wachsenden Gefahren für die Gesundheit aufgrund des Bewegungsmangels. Wer draußen Fußball spielt, gefährdet seine Gesundheit nicht, ganz im Gegenteil: Er stärkt sie“, so Keller, der sich zudem für alle Amateurfußballer eine Perspektive wünscht: „Amateursportler und Vereine haben mehr Vertrauen und Unterstützung verdient. Sie benötigen klare Perspektiven und keine schwer nachvollziehbaren Entscheidungen allein auf der Basis von Inzidenzwerten.“

Zuletzt hatte die U14 des JFV Viktoria Fulda viermal pro Woche Training angeboten – die Rückmeldung war durchweg positiv, sowohl von Spielern als auch Eltern: „Die Kinder sind seit Anfang Dezember nicht mehr in der Schule. Den ganzen Tag sind sie nur daheim, das geht ihnen natürlich auf den Geist. Umso wichtiger war für sie der Ausgleich durch den Fußball, der den Alltag viel einfacher macht“, unterstreicht Bastian Stumpf die Bedeutung der Trainingseinheiten. Wie diese in Zukunft nun aussehen sollen, weiß der Nachwuchscoach noch nicht – auf jeden Fall ist er auf die Unterstützung seiner Co-Trainer angewiesen, um im Rahmen des Erlaubten arbeiten zu können.

Wegen neuen Corona-Regeln: Vorübergehend kein Training beim JFV Bad Soden-Salmünster

Der JFV Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis wird dagegen vorübergehend kein Training mehr anbieten: „Aufgrund steigender Infektionszahlen sind wir zu dem Schluss gekommen, den Trainingsbetrieb für alle Altersklassen erst einmal bis einschließlich Pfingsten einzustellen“, sagt Wolfgang Bös, Jugendkoordinator im JFV Bad Soden-Salmünster. (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden)

Die auf Breitensport ausgelegte Jugendabteilung von FT Fulda hat bislang noch keine Entscheidung gefällt, ob weiterhin ein Jugendtraining angeboten werden soll:„Wir hatten am Donnerstag nochmal ein besonderes Training auf dem A-Platz, jetzt wollen wir uns in den nächsten Tagen mit den Trainern beratschlagen. Wenn es nur mit einem negativen Test gehen sollte, wird es schwierig für uns werden“, betont Jugendleiter Daniel Schröder.

Das empfiehlt der HFV

Für den Hessischen Fußball-Verband (HFV) und Carsten Well, Vorsitzender des Verbandsjugendausschusses, sind die Bedingungen für das Training der unter 14-Jährigen verheerend: „Das ist eine erhebliche Einschränkung für die Trainer. Was soll man mit den Kindern dann noch machen?“ Dennoch empfiehlt der HFV, sofern der Aufwand für die Vereine zu stemmen ist, weiterhin Training für die Jugendlichen und Kinder anzubieten.„Wir können nur darum bitten, weiterhin mit den Kindern in Kontakt zu bleiben. Natürlich wollen wir nicht, dass das Training eingestellt wird. UnsereAufgabe ist es, uns mit den Kindern zu beschäftigen und Fußball zu ermöglichen“, betont Well.

Der Verbandsjugendvorsitzende hofft durch die strengen und einengenden Maßnahmen auf schnelle Besserung, damit sich der Verband in naher Zukunft ein Bild machen kann, inwieweit die Corona-Zwangspause dem Jugendfußball geschadet hat. „Haben wir Kinder verloren? Haben wir Mannschaften verloren? Genau deshalb wollen wir die Möglichkeiten in dem Rahmen erhalten, die uns der Gesetzgeber ermöglicht“, so Well. So, dass die Lust auf Vereinsfußball bei den Jüngsten nicht weiter verloren geht. (tw)

Ein zweites Problem: Die neue Reglung lässt nicht vorausplanen, ob das Jugendcamp von Eintracht Frankfurt, das am Wochenende des 26. Juni auf dem FT-Gelände stattfinden soll, wirklich zur angedachten Zeit über die Bühne gehen kann. Das Gesetz, das nun in Kraft tritt, gilt nämlich bis zum 30. Juni. (Lesen Sie hier: Notbremse in Deutschland - Diese neuen Corona-Regeln gelten ab sofort)

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