Michael Fehrer, Thomas Krack, Sergej Braun und Albrecht Melzer.
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Michael Fehrer, Thomas Krack, Sergej Braun und Albrecht Melzer.

Kampfsport ohne Körperkontakt

Kampfsportschulen rund um Fulda nehmen Betrieb wieder auf

Die Kampfsportschulen in Fulda und Umgebung nehmen ihren Betrieb wieder auf. Unter den geltenden Richtlinien. Keine leichte Aufgabe beim Kampfsport, bei dem sich die Menschen normalerweise sehr nah kommen. Wir haben bei einigen Kampfsportschulen nachgefragt, wie sie die aktuelle Lage beurteilen.

Von Joachim Herbert

Trainingsvideos bei Facebook

Michael Fehrer, Inhaber Taekwon-Do Center Fulda: „Wir hatten unseren letzten Unterricht am 16. März, damals waren aber bereits nur noch wenige Kinder da. Seitdem haben wir unsere Mitglieder in einer Facebook-Gruppe mit inzwischen 60 Trainingsvideos versorgt, die wir alle selbst produziert haben. Wir haben mit drei Großmeistern aus Schulen in Mainfranken überlegt, welche Übungen wir für das Training zu Hause bereitstellen können. Es ist schön, dass die Mitglieder hinter uns standen und die Beiträge weitergezahlt wurden.

Bezüglich unseres Trainings habe ich mich auf hessen.de über die Beschlüsse informiert und im Trainingsraum ausgemessen, wie viele Sportler man stellen kann. Wir werden die Schüler in Kleingruppen zu maximal 15 Personen einteilen, teilweise sogar weniger, die im wöchentlichen Rhythmus zum Training kommen können. Und ich empfehle meinen Schülern, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen.

Die Schließungen waren meiner Meinung nach richtig. Mit wäre es aber lieber gewesen, man hätte drei Wochen lang alles dichtgemacht, um dann früher wieder langsam öffnen zu können. Meine Schule betreffend habe ich sowohl bezüglich der Schließung als auch der Wiedereröffnung von den Behörden keine Informationen bekommen, sondern alles nur aus der Presse erfahren. Es wäre schön gewesen, wenn wir von der Stadt Fulda etwas gehört hätten, aber dafür hat die Fitnessbranche eine zu schlechte Lobby. Es war mir klar, dass man sich selbst um die nötigen Infos kümmern muss. Das ist in Bayern aber ähnlich.“

Boxsäcke mit drei Metern Abstand

Thomas Krack, Trainer Kampf-Kunst-Klub Fulda e. V.: „Für uns ist es schön, dass wir keine Kündigungen haben, selbst wenn der Klub seit dem 16. März geschlossen ist. Vom Landessportbund haben wir diesbezüglich keine Informationen erhalten, und auch ein Hygienekonzept müssen wir selbst erstellen. Es gibt auf der Internetseite des Deutschen Olympischen Sportbundes Übergangsregeln zum Trainingsverhalten. Danach richten wir uns. Das Ordnungsamt schaut sich die Situation nicht vor Ort an, sondern ich schicke ihnen unser Hygienekonzept. Dieses wird überprüft und dann telefonisch das Okay gegeben.

Teil davon ist die Abstandsregelung beim Sandsacktraining, die wir während des Umbaus unseres Außenbereichs umsetzen. Der Umbau ist seit einem halben Jahr geplant, und wir nutzen die trainingsfreie Zeit, um ihn umzusetzen. Draußen haben wir Halterungen für Boxsäcke installiert, die drei Meter auseinander liegen. Außerdem arbeiten wir mit Absperrbändern, Flächendesinfektionsmitteln und „Muttizetteln“. Diese Zettel werden von den Eltern für jedes Kind bei jedem Training ausgefüllt, damit man nachvollziehen kann, wer wann mit wem trainiert hat. Wir müssen alle Zettel abheften und aufbewahren.

Die Schließungen mussten meiner Meinung nach sein. Man hatte keine Werte und wusste nicht, welche Auswirkungen das Virus hat. Ich bin zwar kein CDU-Wähler, aber Krisenmanagement kann die Kanzlerin. Ich bin positiv überrascht, was die Politik hinbekommen hat. Die Lockerungen kommen jetzt zu schnell. Das hat jedoch wirtschaftliche Gründe. Selbst wenn die Politik gut reagiert hat und bereit ist, Schulden zu machen, kann man nicht jeden retten.“

Neue Matten fürs Gym

Sergej Braun, Inhaber Brauns Gym Fulda: „Wir haben die Sportschule am 20. März geschlossen und die Zeit genutzt, um im Gym neue Matten zu verlegen und neue Spiegel aufzuhängen. Außerdem haben wir weitere Fitnessgeräte und Gewichte gekauft und uns mit den Hygienemaßnahmen auseinandergesetzt. Dass wir die Sportschule schließen mussten, haben wir aus den Medien erfahren. Zur Kontrolle kam das Ordnungsamt allerdings, um zu schauen, ob unser Gym tatsächlich geschlossen ist.

Ab dem 11. Mai haben wir draußen trainiert und dabei den Abstand eingehalten. Das Gym ist seit dem 15. Mai wieder geöffnet, wir wollen aktuell jedoch so viel wie möglich draußen sein. Bei uns trainieren viele Kinder und Jugendliche, und die haben nach den ganzen Wochen ein Tief. Sie machen sich Gedanken, wenn sie sich zu nahe kommen, ihre Eltern sind teilweise in Kurzarbeit oder mussten als Selbstständige sogar in die Insolvenz. Das hat für uns zur Folge, dass Mitgliedschaften gekündigt werden. Das Problem ist, dass durch die achtwöchige Schließung keine neuen Mitglieder dazukommen.

Ich finde, so wie die Schließungen stattgefunden haben, war es nicht gerechtfertigt. Es wurde einfach alles dichtgemacht und die Leute hatten keine Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen. Was die Politik gemacht hat, war zu hart. Man will die gefährdeten Leute schützen, aber Kinder und junge Familien leiden unter den Maßnahmen. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, die einen zu schützen, und die anderen zerbrechen daran.

Ich habe in meiner Sportschule sehr viel mit Menschen zu tun. Die Leute haben keine Probleme mit der Erkrankung an sich, sondern damit, was die Maßnahmen angerichtet haben. Es ist eine große psychische Belastung. Aber wir lassen den Kopf auf keinen Fall hängen. Erfreulich war die finanzielle Unterstützung durch die Hilfspakete. Es ist schön, dass das Geld da war, das macht nicht jedes Land.“

Athletik, Ausdauer, Koordination

Albrecht Melzer, Vereinspräsident Kodokan Neuhof e. V.: Die Sportverbände haben Mitte/Ende Februar mehr oder weniger umfangreich über die damals aktuelle Situation informiert. Wir haben uns mit dem Aussetzen unseres Trainings am Judo-Bundesligaverein TSV Abensberg orientiert und unser vorerst letztes Training am 13. März absolviert. Wir werden vielleicht Ende Mai/Anfang Juni wieder öffnen, dann aber mit spürbaren Einschränkungen.

Da wir den Abstand zueinander wahren müssen, wird das Training sich zunächst auf Athletik, Ausdauer und Koordination beschränken. Zwei Sportler aus einem Haushalt könnten sich theoretisch auch greifen und werfen. Eine Trainingseinheit wird mit Sicherheit personalintensiver, da neben dem Trainer noch zwei fortgeschrittene Schüler als Assistenten dabei sein werden. Und ich befürchte, dass es einen Mitgliederschwund geben wird.

Hygienehinweise wurden uns auf der Webseite des Deutschen Judo-Bundes zur Verfügung gestellt, aber nicht sehr klar formuliert. Die Kampfsportarten sind natürlich wegen der Nähe der Sportler zueinander besonders gefährdet, das Virus zu übertragen. Wir werden jedenfalls sehr vorsichtig in ein zukünftiges Training gehen, denn wir haben ältere Trainer und Sportler.

Aus meiner Sicht war es jedoch nötig, dass man die Schließungen vorgenommen hat, und die meisten Entscheidungen waren richtig. Die Politiker sind alle nach dem Krieg geboren, niemand hat Erfahrungen mit so einer außergewöhnlichen Situation.

Erfreulich ist, dass die Politiker zusammengehalten haben, unabhängig von der Parteizugehörigkeit. Nachher weiß man es immer besser, aber jeder in der Gesellschaft muss seinen Beitrag leisten. Und wenn man andere Entscheidungen getroffen hätte, weiß man nicht, ob es dann besser gewesen wäre.

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