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Monatelanger Leidensweg: Long Covid hat Fußballer Aaron Gadermann ein halbes Jahr ausgeschaltet

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Fußball 2021-2022/Hessenliga 2021-2022/Abstiegsrunde 2021-2022/Hünfelder SV (blau) - FV Bad Vilbel (weiss) 2:1
Aaron Gadermann (rechts) ist wieder fit, nachdem er monatelang an Long Covid litt. Hier freut er sich mit Hünfelder-SV-Teamkollege Andre Vogt über dessen Treffer gegen Bad Vilbel. © Charlie Rolff

Und plötzlich bleibt die Luft weg: Der Hünfelder Hessenliga-Fußballer Aaron Gadermann spielte ein halbes Jahr nicht, weil er an den Nachwirkungen einer Corona-Infektion litt. Das ist seine Geschichte.

Hünfeld - An den schicksalhaften Tag im Juli des vergangenen Jahres erinnert sich Aaron Gadermann noch gut: Für den Hünfelder SV - einer von fünf Vereinen aus dem Landkreis Fulda, der aktuell in der Fußball-Hessenliga spielt - lief er in einem unbedeutenden Testspiel auf. Bei 36 Grad im Schatten wurde ihm plötzlich eiskalt. Dem 23-Jährigen ging es hundsmiserabel, daher bat er den Trainer eiligst, ihn auszuwechseln.

Viel dachte sich der junge Mann nicht dabei. Vielleicht eine Sommergrippe. Doch als er drei Wochen später wieder ins Training einsteigen wollte, streikte sein Körper. Kaum einen Fuß bekam er bei minimal erhöhter Anstrengung vor den anderen. (Lesen Sie hier: Long-Covid-Patient Gundolf Hofmann über die Angst vor dem Ersticken)

Leiden an Long Covid: Hessenliga-Fußballer Aaron Gadermann konnte monatelang keinen Sport treiben

Sein Trainer Johannes Helmke organisierte auf kurzem Weg einen Termin bei einem Herzspezialisten. Herzmuskelentzündungen setzten zuletzt viele Leistungssportler außer Gefecht. Vorsicht war daher geboten. Die Diagnose: Gadermanns Herz ist kerngesund. Also zum Lungenspezialisten, der einen Funktionstest veranlasste. Das Ergebnis: Unterirdische Werte. So schlecht, dass sie bei einem Nichtraucher und Fußballer auf höchster Amateurebene in Hessen nicht erklärbar waren.

Gadermann erinnerte sich. Monate zuvor, im Mai 2021, hatte er sich mit Corona infiziert. Damals, in der fußballfreien Zeit, spürte er außer einem leichten Kratzen im Hals keinerlei Symptome. Geimpft war er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Seinen Ärzten fehlten Vergleichsfälle. Sie führten seine schlechten Lungenwerte allerdings auf seine Corona-Erkrankung zurück. Long-Covid. (Lesen Sie hier: Nach Omikron-Infektion: Welche Long-Covid-Folgen könnten auftreten?)

Was allen Ärzten gemein war: Sie konnten keine Aussagen tätigen, wann es besser würde. Immer wieder fuhr Gadermann zur Rhönkampfbahn, versuchte, am Training teilzunehmen, und war bereits nach dem Aufwärmen völlig fertig. Sein treuester Begleiter wurde seine Pulsuhr.

Unterirdische Lungenfunktionswerte: Ärzte tippen auf Long Covid als Ursache

Selbst im Herbst – die Corona-Infektion lag beinahe ein halbes Jahr zurück – brauchte er für einen Kilometer bei einem Pulsbereich von 120 zwischen acht und neun Minuten. Mit Joggen hatte das nichts gemein; um im vorgegeben Pulsbereich zu bleiben, musste Gadermann einen Großteil der Strecke gehen. Vor seiner Erkrankung benötigte er nicht einmal die Hälfte der Zeit.

Gadermann versuchte alles, insbesondere seine Hausärztin kümmerte sich intensiv und verschrieb ihm eine Atemtherapie, um die Lungenfunktion wieder auf Kurs zu bringen; während sein Team ihm half, nicht in Zweifel zu geraten oder gar in Selbstmitleid zu verfallen. Am schlimmsten war für Gadermann die Ungewissheit, wann er wieder leistungsfähig sein würde. Die ihm regelmäßig gestellte Frage: „Na, wann bist du wieder fit?“ nervte den Lehramtsstudenten – wenngleich er zumindest im Alltag keinerlei Probleme hatte.

Aaron Gadermann und Long Covid: Am Schlimmsten ist die Ungewissheit

Erst im Dezember ging es vor allem dank der Atemtherapie aufwärts, wenngleich er manch intensive Übung noch immer abbrechen musste. Dennoch konnte er zwei Erfolge feiern: das erste komplett absolvierte Abschlusstraining und das Siegtor im letzten Spiel der Hinrunde, seinem ersten „richtigen“ Spiel nach mehr als halbjähriger Leidenszeit.

Gadermann zählt zu den laufstärksten Spielern des Hünfelder SV. Seine Lieblingsposition ist die offensive „Sechs“, weil er dort genau diese Qualität ausspielen kann. Seit Anfang März, dem Start der Hessenliga-Abstiegsrunde, ist Gadermann wieder Stammspieler. Er fühlt sich topfit. Wieder bei 100 Prozent.

Video: Post- oder Long-Covid - Neurologe Zifko klärt auf

Jetzt hilft er dem Team wieder, das aktuell nicht das Niveau abruft, das ihm zugeschrieben wird. Viele Verletzte, viele Corona-Fälle, kaum ein vernünftiger Trainingsbetrieb. Gadermann ist dennoch zuversichtlich, dass der HSV die Klasse hält. Nach dem 1:1 gegen Zeilsheim am Wochenende liegt der HSV drei Punkte hinter einem Nicht-Abstiegsplatz.

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