Tennisspieler Michael Greiner und Larissa Wiegand
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Michael Greiner und Larissa Wiegand nehmen mit ihren Tennis-Teams in diesem Jahr nicht an der Punktrunde teil. (Archivbilder)

Tennis in Fulda

Nach Corona-Auflagen: 55 Mannschaften ziehen aus der Medenrunde zurück

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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Zahlreiche Tennis-Vereine haben in Hessen ihre Mannschaften aus dem Wettspielbetrieb zurückgezogen. Darunter sind 55 Teams aus Osthessen, wie die Damen von RW Eiterfeld und BW Hünfelds Herren 30.

„Das Ganze war uns einfach zu unsicher“, fasst Larissa Wiegand vom TC RW Eiterfeld knapp zusammen. Wiegand und ihre Eiterfelderinnen führen seit Jahren den Aktiven-Damenbereich der Region an und wären nach dem letztjährigen Aufstieg in dieser Serie eigentlich in der 4er-Verbandsliga gestartet. Doch die Corona-Auflagen, die auf die Sportler in der anstehenden Medenrunde zukommen, haben die Eiterfelderinnen letztendlich dazu bewogen, ihr Team aus dem Spielbetrieb zurückzuziehen.

Gerade die Thematiken Doppelspiele, die erlaubte Anzahl an Personen in einem Auto bei Fahrten und auch die Nutzung der sanitären Anlagen beim Gegner seien laut Wiegand zu wenig konkret ausgestaltet gewesen, als dass man sich guten Gewissens in die Runde hätte begeben können. Zu diesen drei Punkten heißt es auf der Seite des HTV (Hessischer Tennisverband), dass sie nicht in der Zuständigkeit des Verbandes lägen und man auf Lockerungen durch den Gesetzgeber warten müsse.

Corona-Regelungen im Tennissport: Absegnung durch die Landesregierung nicht sicher

„Aber ob die Pläne des HTV abgesegnet werden, steht nicht fest“, so Wiegand, die bedauert, dass ihre Damen nicht in einer normalen Runde antreten können: „Wir waren gut ins Jahr gestartet. Aber für uns hieß es: ganz oder gar nicht.“ Stattdessen steht für sie und ihr Team eine lange Trainingsphase mit dem einen oder anderen Freundschaftsspiel an, um im Rhythmus zu bleiben – immerhin will man im nächsten Jahr wieder in der Verbandsliga angreifen, wo man dank der Sonderregelungen einen Platz sicher hat.

Regelungen des HTV

Der erweiterte Sportausschuss des HTV hat die wichtigsten sportlichen Rahmenbedingungen zu einer Sommer-Medenrunde 2020 verabschiedet und die Wettspielordnung an die momentane Situation angepasst. Nach den neuen Zusatzregelungen wird der Abstieg in den hessischen Ligen vollständig außer Kraft gesetzt. Aufstiege finden unterdessen wie gewohnt statt. Der HTV hat den Vereinen in Hessen außerdem die Möglichkeit eingeräumt, ihre Mannschaften ohne Strafe bis zum 24. Mai zurückzuziehen. Die Clubs mussten wegen eines Rückzugs weder Ordnungsgelder noch den Abstieg der Mannschaft befürchten. Doch auch nach diesem Datum drohen den Vereinen kaum Sanktionen: Will oder kann eine Mannschaft während der Runde nicht zu einem Wettkampf antreten, kann die Absage beim Gegner und dem Spielleiter bis zu 24 Stunden vor dem Spieltermin erfolgen, ohne dass ein Bußgeld droht. Tritt eine Mannschaft allerdings zweimal nicht an, wird sie automatisch aus dem Wettbewerb zurückgezogen. Ihre Ergebnisse werden dann nicht in die Tabelle eingerechnet.

Von der Landes- bis zur Kreisebene wurden insgesamt 55 Mannschaften aus dem Tenniskreis Fulda zurückgezogen.

Tennisrunde 2020: Bleibt die Gemeinschaft auf der Strecke?

Ebenfalls einen Rückzieher aus der Runde haben die Herren 30 von BW Hünfeld, die in der letzten Serie das Ticket für die Gruppenliga gelöst hatten, gemacht. Im Gegensatz zu den Eiterfelder Damen kam man laut Mannschaftsführer Michael Greiner gar nicht dazu, sich mit Problematiken wie den Auswärtsfahrten zu beschäftigen.

„In unserer Mannschaft gingen die Meinungen auseinander“, erklärt der Teamchef. Für einige seiner Mitspieler hätten gesundheitliche Bedenken um sich selbst oder Angehörige eine große Rolle gespielt. Andere hätten offen den Charme einer Runde infrage gestellt, bei der das Gemeinschaftsgefühl aufgrund getrennter Fahrten und geschlossener Gastronomie stark auf der Strecke bleibt.

Drei Fragen an Michael Otto, Vizepräsident beim HTV:

Michael Otto, Vizepräsident des Hessischen Tennisverbandes und Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hat unserer Zeitung drei Fragen zur aktuellen Situation beantwortet. (Archivbild)
Herr Otto, haben Sie beim HTV damit gerechnet, dass so viele Vereine ihre Mannschaften zurückziehen?
Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Umgerechnet haben sich etwa 27 Prozent der Teams in Hessen aus der Punktrunde zurückgezogen. Unser Ziel war es, über 50 Prozent im Spielbetrieb zu halten. Das haben wir geschafft. Ein guter Standpunkt, wenn wir die Landesregierung von weiteren Lockerungen überzeugen wollen.
Was waren die Gründe der Vereine, ihre Mannschaften zurückzuziehen?
Zum einen gibt es sehr viele Spieler, die in der momentanen Phase nicht spielen wollen, weil sie selbst Risikopatienten sind oder jemanden in der Familie haben, der gefährdet ist. Einige Sportler haben aber auch die Meinung vertreten, dass in der momentanen Situation sowieso keine „richtige Medenrunde“ zustande kommen könnte.
Werden nun Ligen, aus denen sich viele Mannschaften abgemeldet haben, zusammengelegt?
Das kommt darauf an, wie viele Teams zurückgezogen haben. Grob wird es wohl so sein, dass die Ligen, wo nur eines oder zwei Teams fehlen, ihre Runde wie geplant antreten. Bei zwei reduzierten Gruppenligen bietet es sich aber an, dass wir diese zusammenlegen. In den nächsten Tagen werden wir für die einzelnen Ligen Entscheidungen treffen.

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