Oben auf: Mit seiner Aggressivität und Zweikampfstärke spielte sich Claudius Müller (weiß) in Eichenzells Stammformation fest.
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Oben auf: Mit seiner Aggressivität und Zweikampfstärke spielte sich Claudius Müller (weiß) in Eichenzells Stammformation fest.

Spieler im Blickpunkt

Verbandsliga-Kicker statt Neuseeland-Tourist - Claudius Müller mit Stammplatz im Eichenzell-Kader

  • Steffen Kollmann
    vonSteffen Kollmann
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Oft werden nur Topscorer als Leistungsträger betrachtet. Doch was ist mit den eher unauffälligen Spielern, die dennoch einen hohen Stellenwert besitzen? Wir schauen auf die oft vergessenen Helden. Heute: Claudius Müller vom Verbandsligisten FC Britannia Eichenzell.

Eichenzell - Eigentlich wäre Claudius Müller zurzeit in Neuseeland. Nach seinem Abitur wollte der 20-Jährige mit seiner Freundin im Juli zum anderen Ende der Welt aufbrechen. Doch erst kam einer der acht Müller-Brüder, Vincent, mit seiner Hochzeit dazwischen. Dann sollte der Trip im September nachgeholt werden, ehe Corona dazwischenfunkte. Im Januar kann die Reise ebenfalls nicht aufgenommen werden, da Neuseeland die Grenzen nicht geöffnet hat.

„Ich wollte meine Englisch-Kenntnisse verbessern, und da ich sehr naturaffin bin, sind wir schnell auf Neuseeland gestoßen. Alle Leute, mit denen ich geredet habe, haben gesagt, dass das ein tolles Land sei“, erklärt Müller seine ursprünglichen Pläne. Aus sechs Monaten „Work and Travel“ werden hoffentlich bald zwei oder drei Monate Travel in den Semesterferien. Die bisherige Zeit hat der Fliedener aber gut überbrückt, verdient sich bei einem Rückerser Lebensmittelbetrieb das nötige Kleingeld.

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Doch das Verschieben der Reise hatte einen Vorteil: Statt als Tourist in Neuseeland Land, Kultur und Menschen kennenzulernen, hat sich „Claudi“ bei der Eichenzeller Britannia zum Stammspieler gemausert. „Als er gebraucht wurde, hat er geliefert. In Spielen wie gegen Bad Soden oder Lichtenau war er einer der Stärksten“, lobt Trainer Heiko Rützel, der den Youngster zuletzt neunmal in Folge in der Startelf aufbot.

Nach Juniorenjahren bei Viktoria Fulda: Claudius Müller mausert sich bei Eichenzell zum Stammspieler

Auf der Rechtsverteidiger-Position hat er Bruder Christian verdrängt, der jahrelang dort spielte und inzwischen nach innen gerückt ist. „Er ist Teamplayer und hat sich sehr gefreut, mich eher motiviert und auf Gegenspieler eingestellt. Sprüche kommen eher von Gabriel“, erzählt Müller schmunzelnd.

Das Zusammenspiel mit seinen Brüdern spielt ohnehin eine große Rolle. Obwohl er im letzten Juniorenjahr bei Viktoria Fulda aufgrund eines Bänderrisses kaum zum Einsatz kam, entschied sich Müller für einen Wechsel in die Verbandsliga. In der Vorsaison kam er aber nur sporadisch zum Einsatz. „Ich musste nach der Verletzung bei null anfangen und war noch sehr ängstlich. Ich hatte wenig Konstanz, auf gute Spiele folgte häufig ein schlechtes“, geht der 20-Jährige sehr selbstkritisch mit sich um.

Mit der Britannia weiter nach oben: Claudius Müller hat ehrgeizige Pläne für die nächsten Jahre

Und sogar der eigene Name war für den jüngsten Müller-Bruder anfangs eine Last: „Es gab schon drei, vier Spiele, bei denen ich mir gedacht habe: „,Du bist ein Müller, du musst etwas beweisen.‘ Erst als gegen Weidenhausen alle fünf Müllers gleichzeitig auf dem Platz standen, habe ich so richtig gemerkt, wie geil es eigentlich ist. Das hat mich von da an immer motiviert, da ich jede einzelne Minute mit meinen Brüdern genossen habe.“ Fußballerisch seien Jonathan und Gabriel zwar in einer anderen Liga unterwegs, doch von Vincent, der bei FT Fulda spielt, lernte er schnell: „Ehrgeiz schlägt jedes Talent.“

So kann Claudius Müller nun sogar selbstbewusst in die Zukunft schauen. Zwar gehe es für Eichenzell in dieser Saison um den Klassenerhalt, für die kommenden Jahre möchte er mit der Britannia aber durchaus weiter nach oben. „Wir haben schon bewiesen, dass wir gegen stärkere Gegner mithalten können. Deswegen sollte es künftig unser Anspruch sein, im oberen Drittel mitzuspielen und nicht jede Saison nach unten schauen zu müssen.“

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