Jamal Musiala (FC Bayern) spielte in der Jugend-Nationalmannschaft von England mit Jude Bellingham von Borussia Dortmund zusammen.
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Jamal Musiala (FC Bayern) spielte in der Jugend-Nationalmannschaft von England mit Jude Bellingham von Borussia Dortmund zusammen.

Rolle von Joachim Löw

Darum spielt Jamal Musiala bei der EM 2021 für Deutschland und nicht für England

  • Sebastian Reichert
    VonSebastian Reichert
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Jamal Musiala vom FC Bayern ist in Stuttgart geboren und hat danach als Kind in Fulda gewohnt, ehe er im Alter von sieben Jahren nach England gezogen ist. Warum spielt der 18-Jährige, der mehrere Nachwuchsteams der Three Lions durchlaufen hat, am Dienstag im Achtelfinale der EM 2021 zwischen England und Deutschland für das DFB-Team?

Fulda/London - Zwei Minuten nach seiner Einwechslung bereitete Jamal Musiala im letzten Vorrundenspiel bei der EM 2021 gegen Ungarn den rettenden Ausgleich zum 2:2 vor. Damit half Jamal Musiala entscheidend mit, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor dem erneuten Vorrunden-Aus bei einem großen Turnier zu bewahren. Der 18-Jährige vom FC Bayern ist zu einem Hoffnungsträger im DFB-Team bei der Europameisterschaft geworden.

Dabei hat der in Fulda in Hessen aufgewachsene Jamal Musiala den Großteil seines bisherigen Lebens in England gelebt, ist beim FC Chelsea über mehrere Jahre bis zum Wechsel 2019 nach München fußballerisch ausgebildet worden und hat für englische Jugend-Nationalmannschaften unterschiedlicher Altersklassen bereits 23-mal gespielt. Neben der deutschen Staatsbürgerschaft besitzt er auch die britische.

EM 2021: Warum Jamal Musiala (FC Bayern) für Deutschland und nicht für England spielt

Doch warum steht Jamal Musiala beim Achtelfinalspiel bei der EM 2021 zwischen Deutschland und England im Wembley-Stadion am Dienstagabend (18 Uhr/ARD und Magenta TV) im Aufgebot des DFB-Teams und nicht im Kader der Three Lions? Der in Stuttgart geborene Mittelfeldspieler hat von 2005 bis 2010 in Fulda gelebt, wo dann auch der TSV Lehnerz sein erster Verein war.

2011 zog Jamal Musiala mit seiner Familie dann endgültig nach England um und wechselte zum FC Chelsea. Als 13-Jähriger debütierte der Fuldaer für die U15-Nationalmannschaft von England. Zuvor hatte Jamal Musiala schon als Elfjähriger auf dem heiligen Wembley-Rasen gekickt - als Pausen-Füller mit der Auswahl seiner damaligen Primary School Corpus Christi. „Wir haben beide Spiele gewonnen. Ich hoffe, jetzt folgt der nächste Sieg“, sagt der 18-Jährige Blick auf das EM-Spiel gegen England.

Dabei sah es lange so aus, als ob Jamal Musiala eher eine National-Karriere im englischen Trikot erwarten würden. Nach drei Partien (vier Tore) für die U15 der Young Lions sowie neun Einsätzen für die englische U16 (3 Tore) hatte der Fuldaer im Oktober 2018 unter Trainer Christian Wück zwar auch zwei Spiele für die U16 des DFB bestritten, fühlte sich bei diesen aber im Vergleich zu den Partien für die englischen Jugend-Nationalteams nicht wohl. Schließlich spielten dort alle seine Kumpels.

So kickte Jamal Musiala fortan wieder für England. Für die U17 und die U21 lief er elfmal auf - zuletzt sogar noch am 17. November 2020 beim 5:0-Sieg der U21 gegen Albanien. Dass Jamal Musiala nun aber sieben Monate später bei der EM 2021 doch für Deutschland spielt - für das Land, in dem er geboren worden ist - ist einem Teamwork von drei Trainern zu verdanken: Stefan Kuntz (U21), Hansi Flick (FC Bayern München), Joachim Löw (A-Nationalmannschaft).

Jamal Musiala: Joachim Löw überzeugte das Mittelfeld-Juwel

Wie Stefan Kuntz als ARD-Experte berichtete, streckte er zum Jahreswechsel 2020/2021 die Fühler nach Jamal Musiala aus - eigentlich erst einmal für die deutsche U21. Dabei kam jedoch heraus, dass das Mittelfeld-Juwel bereits eine Einladung für die englische Nationalmannschaft von Trainer Gareth Southgate hatte. Den englischen Nationaltrainer kennt Jamal Musiala schon seit Grundschul-Kindertagen. Hätte der Fuldaer einmal für die englische A-Nationalmannschaft gespielt, hätte er nicht mehr im deutschen Nationaltrikot auflaufen können.

Fortan wurde das Gewinnen von Jamal Musiala für den DFB von der Aufgabe des U21-Trainers Stefan Kuntz zur Chefsache von Joachim Löw. Der Bundestrainer vereinbarte dank der Hilfe seines früheren Co-Trainers (damals Cheftrainer beim FC Bayern) und designierten Nachfolgers Hansi Flick Ende Januar 2021 ein Treffen mit Jamal Musiala - und überzeugte den 18-Jährigen für Deutschland. „Herr Löw hat mir bei diesem Treffen einen sehr klaren Weg für mich in der Nationalmannschaft aufgezeigt“, verriet Musiala danach.

Der englische Nationaltrainer Gareth Southgate zeigte sich über die Entscheidung von Jamal Musiala „schon etwas enttäuscht“, berichtete der 18-Jährige, der Southgate persönlich über seine Herzensentscheidung für sein Geburtsland - wie es Musiale ausdrückte - informiert hatte. Sie „konnten meine Entscheidung nachvollziehen und haben mir alles Gute für meine Zukunft gewünscht. Ich habe mich total über ihre positive Reaktion gefreut. Das sind echte Sportsmänner“, erklärte Musiala der „Sport Bild“.

Video: Musiala an der Spitze: Die jüngsten deutschen EM-Debütanten

Für den FC-Bayern-Profi, der erst am 25. März 2021 für die deutsche A-Nationalmannschaft debütierte, ist das Achtelfinale am Dienstagabend in London also natürlich „kein Spiel wie jedes andere“, wie Jamal Musiala auch selbst einräumt: „England ist mein zweites Zuhause. Ich habe da einige Jahre gelebt und mich wohlgefühlt, kenne viele Menschen, habe viel gelernt.“ Vor allem mit Jude Bellingham von Borussia Dortmund ist Jamal Musiala seit gemeinsamen Spielen für die englischen U-Nationalmannschaften eng befreundet.

Mit ihm vereinbarte er via Smartphone für Dienstag schon einmal einen Trikottausch, erklärte Jamal Musiala im neuen DFB-Magazin. Der Youngster, bei dem Englisch und Deutsch oft ineinander fließen, hat indes offenbar von beiden Lebensräumen profitiert. Das will „Bambi“, wie ihn FC-Bayern-Kollege Leroy Sané angesichts seiner eleganten Spielweise taufte, nun vor den Augen seines Vaters Daniel „Rich“ Richard und einiger Freunde in London im Wembley-Stadion beweisen.

„Was ich grundsätzlich sagen kann, ist, dass in England bei der Ausbildung von jungen Fußballern sehr viel Wert auf die technische Ausbildung gelegt wird“, berichtete der Offensivspieler, der zum Gruppenabschluss gegen Ungarn zum jüngsten deutschen Turnierspieler geworden ist. „Als ich dann nach Deutschland kam, ging es mehr um den Wettbewerb, darum, sich durchzusetzen. Es ging mehr ums Gewinnen.“ Wie am Dienstagabend in Wembley. „Es wird ein cooles Spiel“, freut sich Jamal Musiala.

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