Schwimmerin der Wasserfreunde Fulda.
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Ein Bild, das die Schwimmer der Wasserfreunde Fulda herbeigesehnt haben: Der Kraulschlag im Becken ist bald wieder möglich. (Archivfoto)

Ende der Corona-Pause

Schwimmbäder dürfen ab 1. Juni für Vereine öffnen: Aufatmen bei den Wasserfreunden Fulda

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Lange Zeit gab es für Hessens Schwimmbäder keine Lösungen. Ihre Öffnung galt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie als problematisch. Mit Wirkung zum 1. Juni sind sie nun vom Land für den Vereinssport wieder nutzbar. Die Wasserfreunde Fulda können aufatmen.

Fulda - Das Thema war von den Regierenden lange ausgeklammert worden. Jetzt, da in Deutschland vielen Breitensportlern das Training unter den entsprechenden Auflagen ermöglicht wurde, dürfen die Schwimmer wieder ins Wasser. Entsprechende Signale hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bereits zu Beginn der Woche ausgesandt, am Mittwoch nun gab das Sport- und Innenministerium grünes Licht für einen Trainingsbetrieb sowohl in Freibädern als auch Hallenbädern ab 1. Juni. Schwimmkurse sind wieder möglich.

Erik Bott, Vorsitzender der Wasserfreunde Fulda, hat die Schwimmbäder-Öffnung lange herbeigesehnt.

Erik Bott hört diese – für ihn überfällige – Botschaft gerne. Den Vorsitzenden der Wasserfreunde Fulda hatte in den letzten Tagen die Frage umgetrieben: Warum geht in Hessen (noch) nicht, was in anderen Bundesländern schon geht? Vor Corona war der Diplom-Ingenieur beruflich viel unterwegs, hat dementsprechend seine Kontakte und wusste daher, wie es beispielsweise in der bayerischen Landeshauptstadt in Sachen Training ausgesehen hat: „München befindet sich im selben Status als Kaderstützpunkt wie wir. Deren Schwimmer sind aber schon längst wieder im Wasser.“ Die Politik, so Bott, habe das Thema wohl zu lange unter dem Aspekt gesehen, dass ein Schwimmbad nur Freizeitspaß bedeute. „Dass es sich aber auch um eine Sportstätte handelt, ist nicht bedacht worden.“

WFF-Trainer: Licht am Ende des Tunnels

Bis dato mussten sich die WFF-Athleten mit Trockenübungen und Krafttraining begnügen, seit knapp zwei Wochen, seit der weitgehenden Öffnung des Trainingsbetriebs, sind sie damit in Kleingruppen aktiv. Doch die spezifische Arbeit im Wasser ist nun mal elementar – und jetzt für Schwimm- und Tauchsportler wieder möglich. Fuldas Cheftrainer Marco Jabien freut sich: „Es ist Licht am Ende des Tunnels.“

Trotz der langen Wasserpause herrscht vorsichtiger Optimismus. Die Schwimmerinnen und Schwimmer haben für die Coronapause von Jabien einen Plan für „anspruchsvolles Landtraining“ erhalten – der von der Mehrzahl berücksichtigt worden sei. „Diejenigen, die sich daran gehalten haben, sind zumindest nicht eingerostet.“ Und: In den vergangenen Jahren hat das Schwimmtraining in den Sommerferien schon für vier bis sechs Wochen geruht. „Im Moment ist daher alles noch halbwegs im Rahmen“, weiß Jabien.

Rosenbad, Ziehers oder Esperanto?

Im Wasser wird es zunächst behutsam aufbauend zugehen. Man werde zu Beginn nicht mehr als 30 Prozent des gewöhnlichen Trainingsumfangs absolvieren. Wenn die Kommune ebenfalls bereit ist. Jabien hofft, dass die Bäderbetriebsgesellschaft nun schnellstmöglich eine ihrer Einrichtungen (Rosenbad, Sportbad Ziehers, Stadtbad Esperanto) freigibt.

„Schwimmbad ist sicherster Ort in der Krise“

Wie alle anderen Sportfachverbände hat der Deutsche Schwimmverband ein Hygienekonzept und Leitlinien im Umgang mit Corona veröffentlicht: „Das zu erfüllen, ist keine Hexerei“, glaubt Erik Bott. Mindestabstand im Becken sei machbar, das Duschen könne entsprechend organisiert, Begegnungen am Beckenrand vermieden werden. Der Eingangsbereich sei eine kritische Zone, doch für den Trainingsbetrieb eher nicht relevant. Für Corona-Beauftragte im Verein (Wasserballwart Volker Schunke und Marco Jabien) sei gesorgt. Und so hält der WFF-Chef das Schwimmbad für den „sichersten Ort in der Krise“.

Ende der Wasserballsaison?

Anders sieht es bei den Wasserballern aus, die eine Kontaktsportart betreiben. Bott: „Ich glaube nicht, dass sie die Saison zu Ende spielen können.“

Ungewohnt wird das Training für die Wasserballer: Sie dürfen zwar ins Wasser, müssen aber auf Kontakt verzichten.

Welche Auswirkungen das letztlich auf die Motivation einer Mannschaft haben dürfte, in der gerade die routinierten Spieler es schon in coronafreien Zeiten mit dem Trainingseifer nicht übertrieben haben, bleibt abzuwarten. „Die jungen Spieler werden auf jeden Fall zusammenbleiben. Das Team wird nicht auseinanderfallen“, ist sich der WFF-Vorsitzende sicher.

Finanziell mit blauem Auge durch die Krise gekommen

Thema Finanzen: Der ausgefallene Barockstadt-Triathlon verursachte geringere Sponsorenerlöse. Schwimmkurse die für die Einnahmeseite des Vereins relevant sind, können wieder anlaufen. Man sei bisher mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen, so Bott.

Der Barockstadt-Triathlon musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. (Archivfoto)

Aber es gibt schwer Verzichtbares: Der Dompfaffpokal mit seinen Startgeldern ist ein wichtiges finanzielles Standbein. Das traditionelle Schwimmfest ist auf Oktober terminiert – und steht noch. Bott hofft, dass es dabei bleibt, selbst wenn vielleicht die Teilnehmerzahl aus dem Ausland nicht so üppig wie gewohnt sein sollte. Abzuwarten bleibt, wie die Infektionslage im Herbst sein wird. Bott glaubt fest daran: „Wir werden keine zweite Welle erleben.“

Coronavirus im Schwimmbad

Die Frage, ob das SARS-CoV-2-Virus im Schwimmbad übertragen werden kann, wird von Fachleuten in überwiegender Mehrzahl so beantwortet: Die Aufbereitung des Wassers im Schwimmbecken durch das desinfizierende Chlor schützt vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus. Das geht aus einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes hervor, die bereits im März veröffentlicht wurde.

In diese Richtung äußert sich auch Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Durch die ständige Aufbereitung des Beckens mit Chlor werde das Virus „zuverlässig inaktiviert“.

Für Wasser in Bädern mit biologischer Aufbereitung müsse dagegen von einem gewissen Infektionsrisiko ausgegangen werden. Filtration sowie natürliche Reinigungsprozesse lassen Erreger länger im Wasser überleben.

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