Vor dem nächtlichen Start in Bronte tragen alle Läufer noch einen Mund-Nasen-Schutz.
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Vor dem nächtlichen Start in Bronte tragen alle Läufer noch einen Mund-Nasen-Schutz.

In 13 Stunden

Extremlauf über Lavafelder – Sascha Gramm absolviert bei der „Etna Extreme“ 100 Kilometer

  • Volker Feuerstein
    vonVolker Feuerstein
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Manche Karrieren fangen ganz unten an: Für Sascha Gramm, Extremsportler aus Hainzell, war es im Alter von 15 ein beinahe verpasster Bus bei Sickels, den er zwar nach einem 400-Meter-Lauf erreichte, aber am Ende seiner Kräfte. „Da fing ich an zu trainieren!“, erinnert sich der 41-Jährige. 

Hainzell/Sizilien - Heute mischt er bei den härtesten internationalen Langstreckenrennen ganz vorne mit. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Ausdauersportler auf der Suche nach neuen, immer anspruchsvolleren sportlichen Herausforderungen. Gleichzeitig versucht er, als Lauftrainer Interessierten die physischen und psychischen Vorteile des Laufens zu vermitteln: „Man lernt dabei, die Flinte nicht immer gleich ins Korn zu werfen.“

Sein Zeitplan für das nächste große Ziel, die sogenannten „Continental Challenge“ zu komplettieren, fünf Extrem-Läufe auf fünf Kontinenten in zwei Jahren, wurde erst einmal durch die Corona-Pandemie durcheinandergebracht.

Sascha Gramm will beim „Ultra Race Vietnam“ 2022 starten

Nach der erfolgreichen Teilnahme am „The Track“ im australischen Outback – mit mehr als 500 Kilometern Laufstrecke das längste Rennen der Welt – und dem „African Ultra Race Mosambik“ , beide in 2019, konnten die Anschlussrennen nicht stattfinden.

Laufen und helfen

Gramm ist Botschafter des Vereins „Mutige Kinder“ und Repräsentant der ersten Stunde beim Verein „Gesundheitsland Deutschland“. „Mutige Kinder“ setzt sich für seelisch und körperlich missbrauchte sowie für sozial benachteiligte Kinder ein – dieses schwerpunktmäßig in Köln und dem Bergischen Land. Schirmherren sind Reiner Calmund und Feisal Kawusi. „Gesundheitsland Deutschland e. V.“ ist ein gemeinnütziges Projekt zur Chancengleichheit bei der Gesunderhaltung und Potenzialentwicklung, mit einem Blog mit Beiträgen von Menschen, die sich für eine gelebte Gesundheitskultur einsetzen.

Sascha Gramm (41) ist verheiratet, hat zwei Töchter im Alter von sechs und vier Jahren. Er wuchs im Fuldaer Ortsteil Sickels auf und lebt heute in Hainzell. Seine Familie, in der er die Entwicklungsstufen seiner Töchter mit viel Freude erlebt, ist neben dem Laufen sein Hobby. Wenn man ihn nach einer Schwäche fragt, dann muss Gramm überlegen – und dann kommt: „Ungeduld“.

Gramm ist bereits seit 25 Jahren Ausdauersportler. Als Lauftrainer hält er Vorträge über seine Starts und Rennen. Damit will er zeigen, dass jeder seine Ziele mit Toleranz, Disziplin und Teamfähigkeit erreichen kann. / vf

Aber Gramm weiß, dass 2020 nicht gezählt werden wird und will 2021 am „Ultra Race Norway“ – 140 Kilometer Nonstop, 9000 Höhenmeter –, an der „Ultra Bolivien“ auf mehr als 3000 Metern Höhe, ebenfalls in 2021 sowie dem „Ultra Race Vietnam“ im März 2022 teilnehmen. Wenn er das schafft, gehört er zum exklusivsten und leistungsstärksten Läuferclub der Welt.

Gramm einziger deutscher Läufer bei Etna Extreme del Vulcano in Sizilien

Zu Hause hinter dem Ofen zu sitzen, ist nicht das Ding des kaufmännischen Leiters einer Ordensgemeinschaft in Hünfeld, weshalb er jetzt gerade erfolgreich die „Etna Extreme del Vulcano“ auf Sizilien als einziger deutscher Läufer bewältigte. Der Platz 26 unter 112 Startern bedeutet ihm dabei nur wenig, zumal er einen im Finish schwächeren italienischen Konkurrenten, den er von anderen Rennen kannte, noch mit ins Ziel nahm.

Das Rennen – obwohl „nur“ 100 Kilometer lang, die in einer Etappe bewältigt werden mussten – bot auch für Gramm noch einige Herausforderungen. Der erste Teil der Strecke um den Ätna von Bronte bis Rifugio Sapienza lief ausschließlich auf asphaltierten Straßen, für die Gelenke nicht das Gesündeste. Dann aber kamen 14 Kilometer durch Lavafelder „Superanstrengend und nicht ungefährlich wegen der Struktur des Bodens und der Lavabrocken.“ Das Ende war eine vier Kilometer lange Straße aus Marmorplatten und anschließend zwei Kilometer Asphalt. „Da hab’ ich auf meinen Sportskollegen Giuseppe gewartet, und wir sind zusammen ins Ziel gelaufen.“

Belohnung der Läufer unter der sengenden Sonne Siziliens: Der Blick auf den Vulkan Ätna.

Extremsportler Gramm hat die Rennen des nächsten Jahres bereits im Blick

Für Gramm ungewohnt und nicht akzeptabel: „Die Italiener verpflegen sich während und nach dem Rennen mit Süßigkeiten. Da kann ich nicht dran. Und die Pasta-Party vorher war auch noch ausgefallen.“ Exotisch auch die Luft um den Vulkan: „Es roch nach Schwefel, und ab und zu knallte es aus dem Krater.“ Kritisch sah Gramm: „Die Strecke führte durch einen Nationalpark und war mit Plastikabfällen so vermüllt, wie ich das noch nie erlebt habe.“

Jetzt freut sich der Extremsportler auf die beiden Rennen im nächsten Jahr, für die er bereits trainiert. Wer bei ihm Laufen lernen will, kann vom 4. bis 9. Oktober an einem vom Dorint Hotel organisierten Training in Bad Brückenau teilnehmen.

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