Theresa Panfil feierte ihr Startelfcomback beim 3:1-Sieg gegen Sand direkt mit zwei Torvorlagen.
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Theresa Panfil feierte ihr Startelfcomback beim 3:1-Sieg gegen Sand direkt mit zwei Torvorlagen.

Lang ersehntes Comeback

Fußballerin Theresa Panfil ist in die Startelf von Bundesligist FFC Frankfurt zurückgekehrt

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Theresa Panfil (24) hat Unglaubliches geleistet: Dank purer Willenskraft konnte die Fliedenerin nach fünfjähriger Leidenszeit am 29. Mai ihr Startelfcomeback in der Frauen-Bundesliga für den FFC Frankfurt feiern.

  • Die Fliedener Fußballerin Theresa Panfil ist nach langer Verletzung wieder in die Startelf des Bundesligisten 1. FFC Frankfurt zurückgekehrt.
  • Am 29. Mai feierte Panfil ihr Comeback gegen den SC Sand und trug mit zwei Vorbereitungen zum 3:1-Sieg ihres Teams bei.
  • Im Interview spricht Panfil darüber, was ihr am meisten geholfen hat, um die Verletzungsmisere zu überwinden.
Zwei Kreuzbandrisse, fünf Operationen, unzählige Rehamaßnahmen – und nun beim 1. FFC Frankfurt zurück in der Startelf. Theresa, wie geht es Ihnen?
Ich bin sehr happy, mir geht es sehr gut. Das erste Spiel von Beginn an war ein überwältigendes Gefühl, das ich anfangs gar nicht so richtig greifen konnte. Dieser Augenblick war immer mein Ziel und entsprechend kommt ganz viel Lebensfreude zurück, die in meiner schwierigen Zeit oftmals nicht vorhanden war. 
Das klingt bedrückend. Wann waren die Zweifel am größten?
Das kann ich nicht genau beantworten, der Prozess war schleichend. Aber sicherlich sind Aussagen von Ärzten, die dir mitteilen, dass das nichts mehr wird und ich doch meinem Körper zuliebe besser mit Fußball aufhören möge, nicht sonderlich förderlich. Ich habe aber nie den Glauben verloren, weil ohne Glaube, Mut und Ehrgeiz würde ich nicht da stehen, wo ich jetzt stehe. 
Aber das kann nicht alles sein?
Ich habe dank eines Studiums einen Plan B in der Tasche und konnte so alle Kraft in den Heilungsprozess legen. Ich habe mich viel mit mir selbst beschäftigt, habe auch viel geweint. Aber ich habe mir kleine Ziele gesetzt, die sich ein normaler, beschwerdefreier Mensch nicht vorstellen kann. Ich habe großen Rückhalt im Verein und in der Familie gespürt.
Haben Sie auf externe Hilfe zurückgegriffen?
Ich war bei einer Sportpsychologin. Die Knieproblematik hat meinen Alltag verändert und mich auch mental mitgenommen. Ich wollte Vertrauen in mein Knie zurückgewinnen, weil ich das irgendwann nicht mehr spürte. Selbst Treppensteigen war für mich ein Problem, weil ich Angst vor einem unbewussten Schritt hatte. Die Psychologin hat mir geholfen, den Alltag frei von Gedanken an das Knie zu gestalten und unabhängig davon auszurichten. Sie musste mir aber keine Tipps für mein persönliches Standing geben. Ich bin geerdet und stehe mitten im Leben. 
Woher ziehen Sie diese Kraft?
Ich bin ein sehr reflektierter Mensch und versuche Dinge sehr rational anzugehen. Es bringt mir absolut nichts, an den Worst-Case zu denken, wenn ich im gleichen Moment vom Best-Case ausgehen kann. Sich treiben zu lassen und dann festzustellen, dass ich es vorher vielleicht hätte anders machen können, ist nicht mein Ding. Ich nehme mein Leben in die Hand und versuche Probleme zu lösen. Das haben mir meine Eltern schon früh mit auf den Weg gegeben, die unfassbar positiv und mein größter Rückhalt sind.
Und wahrscheinlich mächtig stolz. Zwei Torvorlagen gleich beim Comeback. Ihr Trainer Niko Arnautis geriet ins Schwärmen. Hatten Sie keine Angst?
Ich bin völlig befreit und ohne Angst ins Spiel gegangen. Es wäre fatal, wenn ich noch an mein Knie denken würde. Ich wollte einfach allen zeigen, dass ich noch Fußball spielen kann, obwohl ich niemandem etwas beweisen musste. Dass so eine Leistung rauskommen würde, war aber natürlich auch nicht selbstverständlich.
Frühe Erfolge: Theresa Panfil feiert mit Teamkollegin Pauline Bremer einen Torerfolg im Halbfinale der U-20-WM der Frauen im Jahr 2014. (Archivbild)
Man hört, die Leistung wurde direkt mit einem neuen Vertrag belohnt?
Ich hatte schon zuvor im Training gutes Feedback und schließlich auch ein Vertragsangebot erhalten. Der FFC hat in der langen Zeit immer an mir festgehalten und dafür bin ich unglaublich dankbar, weil viele Leistungssportler nach so einer Ausfallzeit fallengelassen werden und in der Luft hängen. Ich aber spüre das Vertrauen und werde dem FFC beziehungsweise der Eintracht in der kommenden Saison erhalten bleiben.
Kürzlich wurde die Fusion zwischen dem FFC und der Frankfurter Eintracht verkündet. 
Wir als Mannschaft freuen uns auf diesen Schritt, weil es für den Frauenfußball enorm wichtig ist, sich mit Lizenzspielerabteilungen von Bundesligisten zusammenzuschließen, um noch stärker und professioneller zu werden. Ich bin total gespannt, was auf uns zukommt und habe riesiges Vertrauen in die Manager. Ein bisschen Wehmut ist allerdings nicht zu verhehlen, schließlich hat der   1. FFC den Frauenfußball auch zu dem gemacht, wo er jetzt steht. Ich bin stolz darauf, für den Verein gespielt zu haben.
Und was folgt nun?
Grundsätzlich bin ich ein sehr ehrgeiziger Mensch. Aber ich habe durch die Zeit in der Reha eine andere Sichtweise auf den Sport an sich und das Leben allgemein kennengelernt und für mich als Richtpfeiler festgesetzt. Das höchste Gut, was ich haben kann, ist das, was ich die ganze Zeit nicht hatte. Das Training, die Spiele. Ich möchte mich mit dem Spaß, den ich spüre, weiterentwickeln und bin offen für das, was noch kommt – oder auch nicht. Deswegen habe ich kein Ziel.

Zur Person

Theresa Panfil, geboren am 13. November 1995 in Fulda, hat mit 24 Jahren bereits eine Menge durchlebt: Die Fliedenerin durchlief alle Junioren-Nationalteams, wurde U 17-Europameisterin und U 20-Weltmeisterin. Nach ihren Stationen beim Haimbacher SV und Buchonia Flieden wechselte sie zum 1. FFC Frankfurt, für den sie in der Saison 12/13 ihr Bundesligadebüt feierte. Einem zweijährigen Engagement bei Bayer Leverkusen folgte 2015 die Rückkehr zum FFC. Dort begann eine schier unfassbare Leidenszeit mit fünf Knieoperationen und zwei Kreuzbandrissen. Zwischen Mai 2015 und Mai 2020 bestritt sie kein Bundesligaspiel von Beginn an. Nun ist sie zurück auf dem Platz und hat kürzlich ihren Vertrag verlängert. Der FFC steht zwei Spieltage vor Schluss auf Rang fünf. Panfil bestreitet zudem ein Sportmanagement-Studium und schreibt aktuell ihre Bachelor-Arbeit über Controlling im deutschen Profifußball.

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