FSV Frankfurt: Nach dem Training unterhalten sich Kenan Mujezinovic und Volontärin Celina Lorei.
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Nach dem Training unterhalten sich Kenan Mujezinovic und Volontärin Celina Lorei.

Keeper vom FSV Frankfurt

Einblicke in den Alltag eines Profifußballers: Kenan Mujezinovic lebt den Traum vieler Kicker

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Kenan Mujezinovic, der zwischen 2016 und 2019 das Trikot von Borussia Fulda trug, lebt den Traum vieler Kicker: Der Keeper von Regionalligist FSV Frankfurt ist bereits seit vielen Jahren Profifußballer. Volontärin Celina Lorei hat er Einblicke in seinen Alltag gegeben. Teil 3 unserer Berufe-Serie „Berufen zum...“

Frankfurt - Es ist 10.40 Uhr, als ich an Mujezinovics Wohnungstür in der Frankfurter Innenstadt klingle. Seit zweieinhalb Stunden ist er bereits wach – ausgeschlafen, voller Energie und gestärkt durch seine tägliche Smoothie-Bowl mit Früchten, Kernen, Nüssen und Proteinpulver.

„Ernährung ist in meinem Beruf sehr wichtig“, weiß er. Somit fängt seine „Arbeitszeit“ bereits zu Hause an. Ausgeschlafen und fit sein, ausreichend essen, vor dem Training dehnen, um Verletzungen vorzubeugen, körperlich immer auf der Höhe sein – all das gehört zur Berufung „Fußballer“ dazu. „Eigentlich richtet man seinen kompletten Alltag danach aus“, erzählt der Torwart.

FSV Frankfurt: Einblicke in den Alltag von Profifußballer Kenan Mujezinovic

In der Regel ist er drei bis vier Stunden am Tag an seinem Arbeitsplatz – also im Stadion und auf dem Trainingsplatz. Aber „arbeitet“ er in diesem Sinne immer? „Natürlich ist es ein Privileg, sein Hobby zum Beruf machen zu dürfen, und für Außenstehende klingt es oft so leicht. Aber es darf nicht vergessen werden, dass wir Fußballer Leistungssport betreiben und dabei täglich an unsere Grenzen – manchmal auch darüber hinaus – gehen“, erklärt Mujezinovic.

Und so ist nicht immer alles rosig, wie er mir beim gemeinsamen Kochen vor dem Training erzählt. Es gibt Linsennudeln mit selbstgemachter Tomatensoße – eines seiner Lieblingsgerichte. „Vor dem Training gilt es, Energie zu tanken, aber nichts allzu Schweres zu essen.“

Während andere Menschen in seinem Alter jedes Wochenende weggingen und sich selbst zu finden versuchten – trainiert er verdammt intensiv. „Natürlich gehe ich ab und zu auch mal feiern, aber so exzessiv, wie es der ein oder andere betreibt, kann ich es mir nicht leisten.“ Doch was mancher jetzt als Einschränkung bezeichnen würde, ist für Mujezinovic längst Normalität geworden.

Wie alles begann...

Kenan Mujezinovic ist gerade einmal sieben Jahre alt, als 2002 die Fußball-Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan stattfindet. Im deutschen Tor steht damals Oliver Kahn. „Ich habe gesehen, was er da zwischen den Pfosten macht. Von da an war er mein Idol.“

Bis dahin war er als Leichtathlet aktiv, doch das Fußballspielen reizt ihn. Schließlich meldet ihn seine Mutter im Heimatverein TSV Bönnigheim an. Für die nächsten drei Jahre steht er zwischen den Pfosten. Einer seiner damaligen Mannschaftskollegen ist großer Fan des VfB Stuttgart und besucht Jahr für Jahr das dortige Probetraining. Er überredet Kenan zum Mitkommen. „Das Ende vom Lied war, dass ich genommen wurde und er nicht“, erinnert sich der 26-Jährige. Damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt für ihn.

Fast täglich fahren Mama, Oma oder Opa ihn ins 42 Kilometer entfernte Stuttgart. Dort durchläuft er die komplette Stuttgarter Jugend. Nach seinem Wechsel an die Sportschule kommen ihm erstmals Zweifel. „Ist es das Richtige? Sollte ich meine Zeit nicht lieber wie ein normaler Teenager verbringen?“ Doch er gibt nicht auf, spielt noch ein Jahr in der zweiten Mannschaft, ehe es ihn 2015 nach Würzburg in die Dritte Liga zieht. Nach einem Jahr mit nur wenig Spielpraxis wechselt er zu Hessenligist Borussia Fulda.

Zunächst auf der Stammkeeper-Position, doch mit dem Zusammenschluss des TSV Lehnerz und Borussia Fulda zur SG Barockstadt Fulda-Lehnerz kommt es zu einem Torhüterüberschuss – Mujezinovic ist nicht mehr die Nummer 1. Und so folgt er schließlich 2019 seinem damaligen Trainer Thomas Brendel zum FSV Frankfurt. „Hier hat alles gepasst, die Stadt, das Studium vor Ort und ein Verein, bei dem meine Leistung geschätzt wird und ich mich super wohl fühle.“

Um 13.30 Uhr geht es schließlich los zum Trainingsgelände am Bornheimer Hang, denn um 14 Uhr steht das tägliche Training mit der Mannschaft an. Bis zu sieben Mal in der Woche trainieren sie, hinzu kommt ein Spiel in der Regionalliga Südwest. Mujezinovic ist immer pünktlich, zieht sich um, dehnt sich und macht sich warm, ehe es mit den Kollegen auf den Platz geht.

Die Torhüter – neben Mujezinovic stehen noch Daniel Endres und Sebastian Schreiber beim FSV unter Vertrag – wärmen sich zunächst mit den Feldspielern auf, trainieren anschließend aber erst einmal separat mit dem Torwarttrainer.

Celina Lorei erhielt Einblicke in den Alltag von Keeper Kenan Mujezinovic. Bei dieser Gelegenheit durfte sie die Torwart-Handschuhe anziehen.

„Wir haben eine andere Fitness als die Feldspieler“, weiß Mujezinovic. „Bei uns kommt es vor allem auf die Schnellkraft, Reaktionsfähigkeit, Stabilität und Sprungkraft an.“ Und so werfen und schießen sich die drei einen Ball nach dem anderen zu. Erst in die eine, dann in die andere Ecke.

Es folgen Fall- und Sprungübungen, ehe sie schließlich nach rund einer Stunde zu einem Abschlussspiel zur Mannschaft dazustoßen. „Kleine Spiele während des Trainings machen einerseits Spaß und sind auf der anderen Seite wichtig“, weiß der 26-Jährige.

Keeper Kenan Mujezinovic lebt den Traum vieler Kicker: Er ist Profifußballer beim FSV Frankfurt und hat Einblicke in seinen Alltag gegeben.

Rund eineinhalb Stunden hat das Training gedauert. Nun heißt es für die Fußballer runterkommen, auslaufen, noch einmal dehnen. Danach geht es zur Entspannung in die Sauna. Manchmal hängt Mujezinovic noch einen Besuch im Fitnessraum oder beim Vereins-Physiotherapeuten dran. „Jeder von uns ist selbst dafür verantwortlich, auf die eigene Fitness zu achten“, erklärt er.

Die Serie

In der Serie „Berufen zum ....“ stellen wir Berufe vor, die eher eine Berufung sind, und stellen den Alltag der Menschen vor, die sich berufen fühlen. Im ersten Teil der Serie ging es um den Beruf des Polizisten. Alina Komorek war nachts auf Streife mit zwei Beamten der Fuldaer Polizei. Im zweiten Teil der Serie begleitete Sophie Brosch einen Landwirt bei seiner Arbeit. Uwe Müller de Vries hat dabei unter anderem verraten, wie das Wetter seine Arbeit beeinflusst.

Gegen 17.30 Uhr geht es für Mujezinovic schließlich nach Hause. Dort steht noch das tagtägliche Kochen mit seiner Freundin Shari auf dem Programm. Kartoffeln mit Gemüse wird es heute geben. Danach geht es gemütlich auf die Couch, denn am nächsten Tag heißt es wieder ausgeschlafen sein und mit voller Energie in den nächsten Tag starten.

Fußballer-Klischees – Wahr oder Unwahr?

Fußballer sind nicht intelligent und haben keinen Plan B ...
„Das stimmt definitiv nicht! Es gibt eben die lauten und extrovertierten Spieler, die für Außenstehende das Klischee entstehen lassen, Fußballer seien nicht intelligent. Das wird dann pauschal auf alle angewandt, doch der Großteil der Fußballer hat einiges im Kopf. Jedoch leben viele im Hier und Jetzt. Was nach der Karriere ist, wird oft ausgeblendet und viele machen sich erst spät Gedanken darüber.“
Fußballer können nicht mit Geld umgehen ...
„Schon eher. Man verdient früh (viel) Geld, mit dem es umzugehen gilt. Dann werden Kollegen in der Kabine gesehen, die sich gerade dieses und jenes neu gekauft haben und dann wollen es andere auch haben. Einige, vor allem jüngere Fußballer, befassen sich häufig eher mit dem Geldausgeben als mit dem Sparen.“
Alle Fußballer haben Tattoos ...
„Das kann ich nicht bestätigen, ich denke, es ist ausgeglichen. Ich kenne viele, die keine haben – da gehöre ich dazu. Das Klischee kommt vermutlich deshalb auf, weil Fußballer meist in kurzen Trikots oder auch mal oberkörperfrei abgelichtet werden, sodass Tattoos hier eher gesehen werden.“
Fußballer sind sehr wehleidig ...
„Würde ich so nicht unterschreiben. Theatralisch trifft es da eher. Natürlich wird versucht, das bestmögliche für seine Mannschaft herauszuholen, und sei es nur ein Freistoß. Die meisten Fußballer sind tatsächlich sehr abgehärtet und spielen selbst dann, wenn sie Schmerzen haben.“

Video: Traumjob Profifußballer - Wie hart ist der Alltag der Nachwuchsspieler?

Geld ist wichtiger als die Treue zum Klub ...
„Das lässt sich nicht so pauschal sagen. Es ist eigentlich wie in der freien Wirtschaft.Wenn du stagnierst und unzufrieden bist, willst du natürlich weiterkommen. Fühlt man sich wohl, steckt man aber natürlich auch zurück, da kommt es dann auf ein paar Euros weniger nicht an.“
Jeder Kicker hat vor dem Spiel ein bestimmtes Ritual ...
„Rituale sind im Fußball tatsächlich sehr weit verbreitet. Zu meiner Jugendzeit habe ich beispielsweise erst den rechten Handschuh angezogen. Mittlerweile habe ich keines mehr. Trotz des Rituals erlebt man Niederlagen und es passieren Fauxpas, sodass ein Ritual für mich an Bedeutung verloren hat.“
Ein dickes Auto und teure Markenklamotten gehören zur Grundausstattung eines Fußballers ...
„Bist du gut, kommst du schon in jungen Jahren mit mehr Geld in Berührung, als das normalerweise der Fall wäre. Da ist der Umgang oft ein anderer. Viele Spieler eifern einem Idealbild nach oder orientieren sich an Spielern der ersten Liga.“

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