Thomas Brendel spielt mit dem FSV Frankfurt eine tolle Saison.
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Thomas Brendel spielt mit dem FSV Frankfurt eine tolle Saison.

Vom Underdog zum Gejagten

Ex-Borusse Thomas Brendel mischt mit dem FSV Frankfurt die Regionalliga Südwest auf

35 Punkte aus 17 Spielen, zuletzt sechs Siege in Folge – der FSV Frankfurt unter Thomas Brendel steht auf Platz eins der Regionalliga Südwest und wurde so vom Underdog zum Gejagten.

Frankfurt - Warum der 44-Jährige Thomas Brendel diesem Platz eins keine allzu große Bedeutung beimisst, erzählt der ehemalige Trainer von Borussia Fulda im Interview mit unserer Zeitung.

Vor der Saison hatte man eher Mannschaften wie Offenbach oder Steinbach Haiger als Aufstiegsfavoriten gehandelt. Nun steht der FSV auf Platz eins. Haben Sie damit gerechnet?
Vor der Saison auf jeden Fall nicht. Im Laufe der Zeit hat man gesehen, was wir spielerisch leisten können. Dank der konstanten Spielleistung der Mannschaft ging es dann mit den Siegen weiter. Und andere Mannschaften wie Elversberg, Offenbach oder Freiburg haben Punkte liegen lassen.
Was bedeutet Platz eins für Sie und die Mannschaft?
Für uns ist es eine schöne Momentaufnahme. Wir können uns glücklich schätzen, in der jetzigen Situation für positive Schlagzeilen zu sorgen.
Sie nennen es eine „Momentaufnahme“. Also wird dem Tabellenplatz keine allzu große Bedeutung beigemessen?
Wir genießen es natürlich. Es ist ein längerer Prozess, dorthin zu kommen. Ebenso schnell kann es wieder vorbei sein. Uns kann ganz schnell wieder jemand von oben runterholen, was wir natürlich vermeiden wollen. Aufgrund der konstanten Leistung der Mannschaft ist die Platzierung aber verdient.

Interview mit Thomas Brendel: Darum läuft es beim FSV Frankfurt gerade so gut

Zuletzt hat Ihre Mannschaft den sechsten Sieg in Folge eingefahren. Was funktioniert gerade gut?
Da spielen viele Punkte mit rein. Wir haben einen guten Spielaufbau, dominieren das Spiel von hinten heraus. Agieren dabei sehr ruhig und geduldig, was den Aufbau angeht. Und haben vorne eine ungeheure Effektivität, lassen dennoch die ein oder andere Chance liegen. Die gute Stimmung in der Mannschaft spielt sicherlich ebenso eine Rolle.
Die Spiele finden wegen der Corona-Pandemie derzeit ohne Zuschauer statt. Macht sich das für Sie auf der Trainerbank und die Jungs auf dem Platz bemerkbar?
Wir hätten natürlich gerne Fans und Zuschauer bei uns in der PSD Bank Arena, gerade jetzt, wo wir einen attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen. Dieser hätte einen höheren Zuschauerzuspruch verdient. Wir können dennoch gut mit der Situation umgehen. Dem sportlichen Erfolg tut es keinen Abbruch.
Bis zum Saisonende sind noch 25 Spiele zu bestreiten. Wo sehen Sie sich am Ende der Saison 2020/21?
Das ist aktuell schwer zu sagen. Wir wollen weiterhin an uns arbeiten und unsere Position in der Spitzengruppe behaupten. In den Spielen gegen Offenbach oder Steinbach können wir zeigen, dass wir auch dorthin gehören. Ich hoffe natürlich, dass wir weiterhin konstant und unserer Linie treu bleiben. Dann können wir noch für die ein oder andere Überraschung sorgen.

Diese Teams sieht Ex-Borusse Thomas Brendel in der Regionalliga Südwest vorn

Die englischen Wochen stellen eine zusätzliche Belastung dar. Ist diese zu bewältigen oder hätte man die Liga teilen sollen?
Wir waren vor Beginn der Saison einer von neun Vereinen, der für die Teilung war. Leider ergab sich in der Regionalliga Südwest keine Mehrheit dafür. Die englischen Wochen hatten wir bereits im September und Oktober. Das ging Schlag auf Schlag, was wir ganz gut bewältigt haben. Es ist aber für jeden Verein und jede Mannschaft eine große Herausforderung in einer außergewöhnlichen Saison, die außergewöhnliche Dinge von uns verlangt.
Welche Teams sehen Sie dazu in der Lage, Ihnen die Spitzenrolle am Ende streitig zu machen?
Zum Schluss werden sicherlich die altbewährten Mannschaften wie Offenbach, Ulm, Homburg und Steinbach Haiger vorne mit dabei sein. Diese Vereine haben sowohl die finanziellen Mittel als auch die Breite im Kader. Wir waren die ganze Zeit der Underdog, der unter dem Radar geflogen ist, und wahrgenommen, aber vielleicht nicht ernstgenommen wurde. Ich hoffe, dass wir uns nun eine andere Rolle erarbeitet haben. Wobei es mir in der Jäger-Rolle besser gefallen hat, weil jetzt alle auf uns schauen und uns von oben runterholen wollen.
Sie waren von 2015 bis 2017 Trainer bei Borussia Fulda. Haben Sie noch Kontakt nach Fulda, zu Akteuren oder Trainern?
Ich verfolge auf jeden Fall den Fußball in Fulda. Mit Spielern und Kollegen aus dem damaligen Trainerteam habe ich immer noch Kontakt. Ich war gerne in Fulda, bin immer wieder gerne dort und denke, das wird auch in Zukunft so sein. (Lesen Sie hier: Hessenliga-Tabellenführer SG Barockstadt plant zweigleisig – und kündigt Neuzugänge an)
Das Interview führte Celina Lorei.

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