Ein Mädchen und ein Junge beim Turnen.
+
Für Mädchen herrscht beim Gerätturnen Aufnahmestopp.

Wettkampfmäßiges Gerätturnen

Aufnahmestopp für Mädchen

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
    schließen

Der Weg zum Gerätturnen führt nur über die Warteliste. Denn bei der KTV Fulda, dem TV Horas, TV Petersberg, TV Burghaun und bei der FT Fulda, die Gerätturnen wettkampfmäßig betreiben, herrscht seit einigen Jahren für Mädchen Aufnahmestopp. Für die Jungen sieht es etwas besser aus. Der Trainingsbetrieb wird coronabedingt länger ruhen, denn ohne Hilfestellungen und somit direkten Körperkontakt geht im Turntraining wenig.

Angebot und Nachfrage stehen im krassen Missverhältnis. Wer als Mädchen leistungsorientiert mit Turnen beginnen möchte, braucht Glück, einen langen Atem oder muss ein Ausnahmetalent sein. Denn alle fünf hiesigen Vereine, die Wettkampfsport betreiben, haben seit Jahren einen Aufnahmestopp. Die Gründe sind überall die gleichen: erstens fehlen Hallenzeiten und zweitens Übungsleiter, wobei letzteres Problem zu bewältigen sei, so die mehrheitliche Meinung.

Den Traum von einer Halle für die KTV Fulda, den TV Petersberg und FT Fulda in gemeinsamer Nutzung mit Ringern und Judoka hat KTV-Vorsitzender und Gau-Kunstturnwart Hansi Buchmann mit Blick auf die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise für Stadt und Landkreis abgeschrieben: „Über eine Halle brauchen wir uns im Moment keine Gedanken mehr zu machen, das haben wir verpennt.“ Leistungssport werde weiterhin nicht möglich sein, verdeutlicht Buchmann: „Lediglich in der Liga kratzen die KTV, der TVPetersberg und der TV Horas am Leistungssportniveau. Die Liga ist ein Bindeglied zwischen Leistungs- und Breitensport.“

Nicht nur trainings-, sondern auch betreuungsintensiv

Eines ist klar: Turnen ist nicht nur trainings-, sondern auch betreuungsintensiv. „Im Idealfall ist der Schlüssel 1:6, kümmert sich ein Trainer oder eine Trainerin um sechs Turner oder Turnerinnen“, erläutert Buchmann. Die Realität sehe allerdings anders aus, da liege der Schlüssel bei 1:10 bis 1:12. „Ein Trainer für zehn Turnerinnen ist eigentlich das Äußerste, da sich der Übungsleiter am Gerät immer nur um einen Schützling kümmern kann, die anderen müssen anderweitig beschäftigt werden“, verdeutlicht Buchmann die Problematik. Die Kapazität der KTV sei erschöpft, zumal es bei den Mädchen selten Abmeldungen gebe. Bei den Jungen hingegen sei die Konkurrenz mit Mannschaftssportarten wie Fußball groß, die Fluktuation entsprechend. „Jungen können wir noch aufnehmen, Mädchen nicht mehr.“ Und das, obwohl bei der KTV jede Woche Anfragen eintreffen.

Davon kann Elke Kirchhof ein Lied singen. Gerade nach Aufführungen wie dem Turn-Musical sei die Nachfrage besonders groß, erklärt die Vorsitzende des TV Burghaun. Mehr als 150 Turnerinnen und Turner in 16 Gruppen umfasst die Abteilung, wobei drei bis vier Gruppen leistungsorientiert arbeiten. „Wir haben uns jetzt entschieden, keine Inter-essentinnen mehr auf die Warteliste zu setzen, sie ist einfach zu lang“, erklärt Kirchhof. Zumindest im Sommer gibt es für den TV Burghaun kein Hallenproblem. „Dann können wir die Zeiten der Fußballer nutzen.“

„Wann es weitergeht, das steht in den Sternen“

Ähnlich groß ist die Turnabteilung des TV Petersberg, wobei Abteilungsleiter Andreas Schwarz besonders stolz auf die Leistungsgruppe von Melvin Axt ist, die einige Talente beherbergt. Zweimal im Jahr – nach den Sommer- und den Winterferien – bietet der Verein ein Sichtungstraining an, um etwaige Lücken in den Gruppen zu schließen. Selbst wenn für den TVP die Teilnahme an hessischen oder deutschen Kunstturnmeisterschaften nicht möglich ist, ist der Verein dort im deutschen Sechskampf – einer Mischung aus Turnen und Leichtathletik – vertreten.

Der TV Horas hat gleich mit zwei Problemen zu kämpfen: Neben fehlenden Hallenzeiten sucht Vorstandssprecherin Sylvia Sültz händeringend nach Übungsleitern. „Einige haben aufgehört. Wir haben zwar viele Helfermädchen, aber Übungsleiterinnen fehlen uns.“ Dabei kann sich der Aschenberger Verein kaum vor Nachfragen retten. „Zwei neue Gruppen könnten wir locker aufmachen, wenn wir die dafür nötigen Voraussetzungen erfüllen könnten“, sagt Sültz.

FT Fulda teilt sich die kleine Turnhalle in der Petersberger Kreissporthalle mit der KTV Fulda. „Das ist manchmal schon sehr eng“, berichtet Abteilungsleiterin Sabine Streit. Die Leistungsgruppen seien mit 21, 22 Kindern voll.

Derzeit halten sich die Turnerinnen mit gymnastischen Übungen und Krafttraining sowie einem Ausdauerprogramm fit, das die Trainerinnen zusammengestellt haben. Dass es bald zu einem geregelten Trainingsbetrieb kommen wird, ist illusorisch. „Wann es weitergeht, das steht in den Sternen“, mutmaßt Streit mit Blick auf den Körperkontakt beim Training sowie den vollen Hallen. Und Sültz ergänzt: „Eine lange Pause wirft uns weit zurück, da müssen wir ganz vorn vorne anfangen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema