Ein Blick ins Rund der Allianz-Arena: So leer wie auf dem Archivbild ist es zurzeit sogar während der Spiele. Der Bayern-Fanclub hofft wie viele andere auf eine bald volle Hütte.
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Ein Blick ins Rund der Allianz-Arena: So leer wie auf dem Archivbild ist es zurzeit sogar während der Spiele. Der Bayern-Fanclub hofft wie viele andere auf eine bald volle Hütte.

Interview mit Markus Bohnwagner

Bayern-Fanclub-Vorsitzender wagt Blick hinter die Kulissen - „Der Julian ist ein Guter“

Der 51 Mitglieder zählende FC-Bayern-Fanclub Hettenhausen wurde 1991 als 608. von inzwischen weltweit mehr als 2500 Bayern-Fanclubs ins Leben gerufen.

Hettenhausen - Seit 18 Jahren steht Markus Bohnwagner dem Fanclub vor, der unsere Fragen beantwortet.

Der FC Bayern hat in der vergangenen Spielzeit das Triple sowie noch drei weitere Titel geholt, diese Woche noch den Laureus-Award erhalten. Aus dieser Saison wird es nur ein Titel werden, die Meisterschaft. Ist diese dann schon in die Kategorie „enttäuschend“ einzugruppieren?
Keinesfalls. Immerhin sind wir in der Champions League weit gekommen, wären mit Sicherheit ins Halbfinale eingezogen, hätte sich Lewy (Robert Lewandowski, d. Red.) vorher nicht verletzt. (Lesen Sie hier: Vorstand des Gladbach Fanclubs blickt auf Saison zurück)
Bayern war zuletzt neunmal in Folge Meister. Glauben Sie, dass es einen Club in der Bundesliga geben wird, der diese Phalanx im kommenden Jahr durchbrechen kann?
Es gibt zwei bis drei gute Teams, die das schaffen könnten. In erster Linie denke ich in diesem Zusammenhang an Dortmund und Leipzig.

Fulda: Bayern-Fanclub-Vorsitzender wagt Blick hinter die Kulissen

Was halten Sie von den inzwischen auf Eis gelegten Plänen, eine Super-League mit den europäischen oder gar weltweiten Spitzenclubs ins Leben zu rufen?
Wir glauben nicht, dass die Super-League Sinn ergeben hätte. Letztlich sollte sie ja nur dazu dienen, hochverschuldete Vereine aus dem Süden zu sanieren. Wir sind froh, dass sie vorerst einmal ad acta gelegt worden ist.
Hat Hansi Flick vielleicht sogar genau den richtigen Zeitpunkt gewählt, um aufzuhören? Was halten Sie von seinem Nachfolger Julian Nagelsmann?
Ob es der richtige Zeitpunkt ist, können wir nicht beurteilen. Es ist schade, dass Hansi aufhört. Aber wir haben künftig mit Julian einen echten Bayer als Trainer. Er wurde in Landsberg am Lech nur rund 50 Kilometer von München entfernt geboren. Er ist zwar erst 33, hat aber schon einige Erfolge vorzuweisen, unter anderem hat er Hoffenheim von einem Abstiegskandidaten zu einem Champions-League-Teilnehmer geformt, und Leipzig in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale der Königsklasse geführt. Das zeigt doch, dass er ein Guter ist.
Wie ist Ihre Meinung zu Sportdirektor Hasan Salihamidžić?
Wir wissen nicht, was so alles hinter den Kulissen abgeht, und ob Hasan einen Sparkurs verordnet bekommen hat. Aber seine Transferbilanz ist ja gar nicht so schlecht. Zwar hatte er mit Álvaro Odriozola, Bouna Sarr, Marc Roca oder Douglas Costa Spieler geholt, die klar hinter den Erwartungen geblieben sind. Dafür sind andere wie Alphonso Davis, Jamal Musiala, Eric Maxim Choupo-Moting oder Benjamin Pavard regelrecht eingeschlagen. Von daher sollte er weitermachen, zumal ab der kommenden Saison Hansi Flick nicht mehr da sein wird.
War es richtig, Jérôme Boateng keinen neuen Vertrag mehr zu geben?
Unserer Meinung nach hätte man mit Boateng verlängern können. Er hat in den letzten Monaten sehr gute Leistungen gezeigt. Bei ihm weiß man, was man hat. Das trifft auf einen von einem anderen Verein geholten Innenverteidiger nicht unbedingt zu.

Video: Hansi Flick dankt dem FC Bayern München und gibt den Fans ein Versprechen

Sollte Hansi Flick Bundestrainer werden, glauben Sie, dass dann von dem aussortierten Trio Müller, Boateng, Hummels der ein oder andere zurückgeholt werden wird?
Ja, er sollte Bundestrainer werden. Was die drei Aussortierten anbelangt, sind wir skeptisch. Schließlich werden sie bis zur nächsten WM nicht jünger. Thomas Müller spielt zwar eine sehr starke Saison. Aber irgendwann musste ja mal ein Umbruch vollzogen werden.
Qatar Airways sponsert die Bayern mit mindestens 10 Millionen Euro pro Jahr. Für diese Zusammenarbeit wird der Verein kritisiert, da die Menschenrechte in dem Heimatland der Fluggesellschaft nicht westlichen Standards entsprechen.
Das kann durchaus kritisch gesehen werden. Aber der FCB hat bereits positive Veränderungen in Katar bewirkt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Frauen nun ins Stadion dürfen und man dem Frauenfußball mehr Toleranz entgegenbringt.
Musste der Club in Pandemie-Zeiten unbedingt im Februar an der FIFA-Club-WM teilnehmen?
Wir sind uns sicher, dass andere Clubs, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten, auch an dieser Veranstaltung teilgenommen hätten.
Genießt der Profifußball gegenüber anderen Berufsgruppen Sonderrechte und wäre er damit systemrelevant?
Es macht manchmal so den Anschein. Er sollte aber keineswegs über andere Berufsgruppen, etwa aus dem Einzelhandel, der Pflege, dem Handwerk etc. gestellt werden. Wirklich systemrelevant ist der Fußball keineswegs.
Wie stehen Sie zu den zahlreichen Fußball-Experten? Liefern sie einen Mehrwert für den Fan?
Dass darüber im Fernsehen geredet wird, gehört mittlerweile irgendwie dazu, ist eben so eine Art schmückendes oder weniger schmückendes Beiwerk. Wem es nicht gefällt, kann den Ton ja abdrehen. (rd)

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