Trotz Corona fleißig: Paddler Torben Kramm hat über den Winter vorbildlich gearbeitet.
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Trotz Corona fleißig: Paddler Torben Kramm hat über den Winter vorbildlich gearbeitet.

Corona verhindert Saisonauftakt

„Wir wollten ein Zeichen setzen“: Kanu-Club Fulda-Vorsitzender Felix Ecker über das geplatzte Fuldarennen

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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Noch gut vier Wochen bis zum traditionellen Fuldarennen. Der Kanu-Club Fulda steckt mitten in den aufwendigen Vorbereitungen - normalerweise.

Fulda - Denn Corona verhindert nach 2020 auch dieses Jahr die Ausrichtung des international beliebten Saisonauftakts. Wir haben beim Kanu-Club Fulda-Vorsitzenden Professor Dr. Felix Ecker (50) nachgefragt.

Sie hatten bis Ende Januar tatsächlich vor, das Fuldarennen auszurichten.
Wir Paddler sind ja grundsätzlich Optimisten. Nachdem im vergangenen Jahr kaum Wettkämpfe stattfanden, wollten wir den Sportlern etwas bieten und ein Zeichen des Aufbruchs setzen, nicht die Flinte gleich ins Korn werfen. Deshalb haben wir im Herbst mit den Planungen begonnen. Damals waren wir noch zuversichtlich. Wir hatten Hygienekonzepte erarbeitet und unterschiedliche Formate für unser Fuldarennen in Betracht gezogen. Unsere Sportler waren voller Hoffnung, dass es losgehen kann. Sie brennen darauf, sich untereinander zu messen.
Woher kam der Sinneswandel, es doch zu lassen?
Leider bestimmen der negative Verlauf der Pandemie und die notwendigen Maßnahmen immer noch unser Leben, so dass wir dann doch die Hoffnungen begraben mussten. Außerdem wäre in der gegenwärtigen Situation eine solche Veranstaltung nicht vermittelbar. Mir tut es einfach sehr leid für die Sportler.
Warum lässt man sich nicht die Option, es später im Jahr zu versuchen?
Da wir bei unserem Rennen viel Wasser in der Fulda brauchen und dies mit guter Zuverlässigkeit nur im Frühjahr vorhanden ist, können wir es nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Die Befahrensregeln ermöglichen uns nur ein zeitlich beschränktes Fenster im Frühjahr. Da sehr viel zu organisieren ist, Genehmigungen eingeholt und die Sportler eingeladen werden müssen, können wir gar nicht schnell genug auf die Witterung reagieren, wie es im Sommer oder Herbst notwendig wäre. (Lesen Sie hier: Corona-Lockdown: Tischtennis-Verband sagt Saison ab - Fußballer hoffen noch auf Spiele).

Fulda: Kanu-Club-Vorsitzender Felix Ecker über das Fuldarennen und Corona

Wie ist es denn um die Motivation der Sportler gestellt, vor allem nach dem Einstellen der Planungen?
Tja, das ist natürlich hart. Die großen erfahrenen Sportler haben sich ganz gut über den Winter vorbereitet, da sie schon alleine und im privaten Umfeld trainieren. Sie waren in der Loipe und auf dem Wasser unterwegs. Was fehlt, ist vor allem das Krafttraining. Die Jüngeren und Anfänger hatten es da viel schwerer, wobei sie sich gut gehalten haben und darauf brennen, wieder voll loszulegen. Hier sind die alten Hasen gefordert, den Nachwuchs zu trösten und weiter zu motivieren.
Im Winter wurde versucht, trotz Corona zu trainieren. Wie schätzen Sie den Leistungsstand im Vergleich zu den Vorjahren ein?
Ein reguläres Training war nicht möglich - und ist es leider immer noch nicht. Aber das geht ja nicht nur uns so. Umso spannender wird es, wenn es wieder losgeht und wir dann etwaigen Trainingsrückstand aufholen müssen. Sehr schön ist es, dass einige unserer Trainer die Initiative ergriffen haben und für unsere jüngeren Paddler online Krafttraining anbieten. So können die Kinder und Jugendlichen zumindest vor dem Rechner zuhause etwas für Kraft und Kondition tun.
Haben Sie Alternativen im Hinterkopf, damit in der Region im Lauf des Jahres doch noch wettkampfmäßig gepaddelt wird?
Derzeit leider nicht.
Kanu-Club Fulda-Vorsitzender Felix Ecker.
Ui, das war deutlich. Was steht denn im Paddeljahr 2021 ansonsten an?
Im Wildwasserrennsport ist das für die jüngeren Sportler national die DM auf der Möll; für Junioren und die U23 natürlich die Weltmeisterschaft in Solkan und vielleicht sogar die Sprint-WM in Bratislava. Im Kanuslalom heißen die Ziele Deutsche Meisterschaft und Deutsche Schüler-Meisterschaft. Hier haben unsere Sportler Ambitionen, auf das Treppchen zu paddeln. Außerdem wollen einige unserer Slalomfahrer an europäischen Wettkämpfen des ECA-Junior-Cups teilnehmen und erste Paddelschläge auf internationalem Gewässer wagen. Es tut sich also was, sofern uns Corona lässt.
Was hat denn der KCF noch auf der Agenda?
Wie in allen Bereichen unseres alltäglichen Lebens tasten wir uns langsam voran. Ziel ist es, im Laufe des Jahres wieder zu einem weitgehend normalen Vereinsleben zurückzufinden und unseren regulären Trainingsbetrieb wieder vollständig aufzunehmen.
SUP boomt seit Jahren. Reagiert der KCF darauf?
Ja, unsere SUP-Sparte findet reges Interesse. Deshalb haben wir die Anschaffung weiterer Boards in die Wege geleitet. Es können also in Kürze noch mehr Sportler supen. Alle Interessierten sind uns herzlich willkommen, das Stand-up-Paddeln unter Anleitung unserer erfahrenen Trainer zu erlernen.

Felix Ecker: Die großen erfahrenen Sportler haben sich ganz gut über den Winter vorbereitet

Gibt es andere Trends, die am Bootshaus aufgegriffen oder diskutiert werden?
Seit einigen Jahren ist beispielsweise der Dolomitenmann-Wettkampf sehr populär. Dort besteht der Kanu-Wettkampf aus einer Mischung aus Wildwasserfahren, Wildwasserrennsport und Kanuslalom. Etliche KCFler haben schon als Kanuten mitgemacht, teilweise sogar mit beachtlichem Erfolg.
Und sonst?
Außerdem entwickelt sich mit der Disziplin Slalom-Extrem eine spektakuläre Variante des Kanuslaloms. Hier starten immer vier Sportler gleichzeitig und durchfahren einen Parcour im Wildwasserboot. Kopf-an-Kopf-Rennen mit engen Zieleinläufen und technischen Einlagen wie zum Beispiel Kanurollen bieten den Zuschauern Spannung. Im Moment liegt unser Augenmerk aber tatsächlich auf einer möglichst baldigen Wiederaufnahme unseres regulären Trainingsbetriebs.
Neue SUP-Boards kosten Geld. Außerdem muss ins Bootshaus investiert werden. Was steht dort an?
Wir haben die sportlich etwas ruhigere Zeit des vergangenen Jahres genutzt, eine Bestandsaufnahme zu machen und erforderliche Reparaturen anzugehen. So müssen beispielsweise unsere Rolltore renoviert und unsere Schließanlage erneuert werden.

Bootshaus: Rolltore müssen renoviert und Schließanlage erneuert werden

Gehen die Paddler mit dem Vereinseigentum nicht vorsichtig genug um?
Ganz im Gegenteil. Wenn man bedenkt, wie gut unsere Trainingsgruppen angenommen werden und wie intensiv alles genutzt wird, dann bin ich sehr zufrieden mit der Lebensdauer - vor allem in Hinblick auf den Ansturm an Paddelverrückten in den vergangenen Jahren. Unsere Hallentore sind übrigens schon sehr in die Jahre gekommen, und Reparaturen wären einfach nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Die Hochwasser tun ihr Übriges. Da wird das Material schon sehr stark belastet. Die Schließanlage ist schon so sehr in die Jahre gekommen, dass wir Ersatzzylinder kaum noch bekommen und wenn, dann nur zu sehr hohen Preisen. Hier ist eine neue Anlage einfach wirtschaftlicher.
Wie ist der Stand der Dinge bei den Booten?
Der Verein stellt Kindern bis ins Jugendalter Wettkampfboote zur Verfügung. Unter Anleitung der Trainer und älteren Sportler lernen die Kids, pfleglich mit dem Material umzugehen und im Fall des Falles, dieses zu reparieren. Hier sind wir mit unserem Nachwuchs sehr zufrieden.
Stellen die Investitionen den KCF vor Hürden?
Natürlich. Es zahlt sich aber aus, dass wir in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und immer mit der notwendigen kaufmännischen Vorsicht gehaushaltet haben. Trotzdem sind wir natürlich sehr froh, dass uns Stadt und Landkreis Fulda, sowie das Land Hessen finanziell unter die Arme greifen. Außerdem sind wir für Spenden sehr dankbar, die übrigens nicht nur von unseren Mitgliedern kommen.
Also können die Fuldaer Paddler entspannt in die Zukunft blicken - vor allem wenn coronatechnisch das Gröbste vorüber ist?
Ja. Wir warten nur auf den Startschuss. Und dann geht es direkt wieder los!

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