Spielen in Präzision: Christoph Wess vom MGC putter Künzell spielt Minigolf auf Bundesliga-Niveau.
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Spielen in Präzision: Christoph Wess vom MGC putter Künzell spielt Minigolf auf Bundesliga-Niveau.

650 Bälle gehen auf Reisen

Minigolf-Bundesliga: MGC Putter Künzell wartet auf Saisonstart - Bahn öffnet Samstag für Besucher

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Die Minigolfanlage des MGC putter Künzell ist hergerichtet. Ob die Saison für den Bundesligisten allerdings starten wird, weiß auch Sportwart Christoph Wess nicht. Besucher dürfen auf der vereinseigenen Anlage in Künzell bereits am Ostersamstag starten - unter Corona-Auflagen, versteht sich.

Künzell - Minigolf ist mehr, als nur den Ball vom Abschlag ins Loch zu befördern. Es ist eine Wissenschaft für sich. Taktik, Gefühl, Augenmaß, Konzentration, Nervenstärke und die richtigen Bälle sind vonnöten, um mit möglichst wenigen Schlägen ans beziehungsweise ins Ziel zu kommen.

Künzells Sportwart Christoph Wess ist nicht nur ein erfolgreicher Bundesligaspieler, sondern hält auch den Bahnrekord. „21 Schläge auf der 18-Loch-Bahn“, verkündet er stolz. Dieses Kunststück gelang dem 42-jährigen 2017 im zweiten Bundesligajahr. „Das Künzeller Weinfest war zu klein“, erinnert er sich lachend an die darauffolgende Sause.

Minigolf-Bundesliga: MGC putter Künzell ist bereit - Saisonstart steht wegen Corona allerdings in Sternen

Christoph Wess muss nicht lange überlegen, wann er das letzte Mal ein Turnier gespielt hat. „Das war im Januar 2020 in Monza.“ Seitdem hat der 42-Jährige seinen Schläger mehr oder weniger beiseite gelegt, denn die Saison in der Bundesliga Süd, es wäre die sechste der Minigolfer gewesen, ist im vergangenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Dass das in diesem Jahr nicht wieder der Fall sein wird, darauf hofft die achtköpfige Mannschaft des MGC. Der erste Spieltag im März fiel bereits aus, der im April wurde ebenfalls abgesagt. Geplant sind nun zwei Doppelspieltage im Mai. Die Entscheidung darüber soll am 18. April fallen.

Wegen Corona: Bundesliga-Minigolfer aus Künzell seit 15 Monaten in der Warteschleife

Die Minigolfer befinden sich seit 15 Monaten in der Warteschleife. Wie sich das Team fit gehalten hat, die Frage beantwortet Christoph Wess mit einem verschmitzten Lächeln: „Wir trainieren in der Regel nur vor einem Spieltag.“ Lediglich der russische Gastspieler Ivan Popleteev übe Schlaglänge und Präzision in seiner Wohnung auf dem Parkett. Der Rest der Mannschaft zehre von dem, was sie sich über Jahrzehnte antrainiert hätte.

Während andere Sportarten vor dem Wettkampf das Training runterfahren, ist es bei den Minigolfern gerade umgekehrt. Das erklärt auch, warum Wess sein Hobby als sehr zeitintensiv einstuft, denn einige Urlaubstage gehen jedes Jahr für die Vorbereitung drauf. Die „Arbeit“ beginne eine Woche vor dem Spieltag, der auf einem neutralen Platz stattfindet. „Dann reisen zwei bis drei Spieler unserer Mannschaft dort an und trainieren die Anlage aus.“

Minigolf-Bundesliga: Ein Spiel dauert auch mal acht Stunden

Einen ganzen Tag dauert es, um sich mit den Finessen der Bahnen sowie deren Beschaffenheit vertraut zu machen und die richtige Auswahl an Bällen zu treffen. Das Wissen wird per Video festgehalten oder dokumentiert und an die Mannschaftskollegen weitergegeben. Drei Tage vor dem Spieltag beginnt die heiße Phase am Ort des Geschehens. „Dann trainieren wir donnerstags, freitags und samstags auf den dortigen Bahnen, am Sonntag findet das Spiel statt, das gut acht Stunden lang dauern kann“, erzählt Wess. Das zeigt, dass bei vier Spieltagen im Jahr schon eine ganze Menge an Urlaub benötigt wird.

Darf es zu Ostern auch mal ein Ei sein? Lieber nicht, die Leidenschaft der Minigolfer sind ihre Bälle - und die sind rund.

Acht Stunden Wettkampfdauer fordern ein hohes Maß an Ausdauer und Konzentration. Das sind neben dem Gefühl beim Schlagen und der richtigen Wahl der Bälle die Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Wettkampftag. So ist es kaum verwunderlich, dass die Tagesform beim Minigolf den Ausschlag gibt. Um bestmöglich gewappnet zu sein, holen sich die putter Künzell seit zwei Jahren fachkundigen Beistand bei Psychologin Valeria Eckardt. Wess schwärmt: „Das ist top und bringt uns viel.“

Minigolf-Bundesligist Christoph Wess: 650 Bälle kommen mit zu einem Spiel

Auf den ersten Blick erscheint Minigolf eine kostengünstige Sportart zu sein. Anders als die Golfer, die eine Vielzahl an Hölzern und Eisen ihr eigen nennen, vertraut der Minigolf-Bundesligaspieler auf einen Schläger, hinzu kommt ein Putter zum Einlochen. Des Minigolfers Leidenschaft sind allerdings die Bälle. Und wenn Wess von denen redet, leuchten seine Augen. „650 Bälle haben sich über die Jahre angesammelt“, gesteht der 42-Jährige. Und da alle Bälle in Form, Material und Härtegrad unterschiedlich sind, kommt die komplette Sammlung beim Wettkampf mit auf Reisen. 180 Bälle passen in eine Box, deren vier sind es mittlerweile schon.

Damit ist es aber nicht getan, denn dem „Präparieren“ der Bälle gilt höchste Priorität. „Besser ist, langsamere Bälle aufzuheizen als schnellere runterzukühlen“, erläutert Wess das Einmaleins der Ballkunde. Statt Heizkoffer oder Heizkissen bauen die Künzeller auf Körperwärme. Der Ball kommt in einen Socken, reicht das nicht, dann in den Schritt. Wess erläutert die für Laien ungewöhnliche Maßnahme: „Ganz einfach. Den Ball stecke ich in die Hosentasche der kurzen Hose, ziehe zwei Jogginghosen drüber, so dass der Ball im Schritt aufgeheizt wird.“ Das spare den Heizkoffer.

Minigolf-Anlage in Künzell: Am Osterwochenende mit Hygienekonzept bereit für Besucher

Finanziell ist der Verein solide aufgestellt. Die vereinseigene Anlage in Künzell kann durch die Eintrittsgelder unterhalten werden, die Kosten für den Wettspielbetrieb können damit ebenfalls gedeckt werden. Dafür muss allerdings einiges an Eigenleistung erbracht werden. Drei Wochen lang hat Christoph Wess die Bahnen gereinigt. Die Anlage ist bereit, um am Osterwochenende mit Hygienekonzept viele Besucher zu empfangen.

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