Strongman Volker Bauer hebt etwas wirklich Schweres hoch.
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Diesen 140 Kilo schweren „Baumstamm“ galt es, in einer der Wettkampf-Disziplinen möglichst oft in die Luft zu stemmen.

Verschiedene Disziplinen

Strongman-Athlet Volker Bauer holt ersten Grand-Prix-Titel seiner Klasse nach Deutschland

  • Sabine Kohl
    VonSabine Kohl
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Mit rund 100 Kilogramm ist Volker Bauer ein Leichtgewicht in seiner Sportart, dem Strongman. Viele Athleten sind einen Zentner oder mehr schwerer. Dennoch ist der 24-jährige Fuldaer im Stemmen extremer Gewichte sehr erfolgreich, hat kürzlich seinen ersten internationalen Grand Prix gewonnen.

Fulda/Melitopol - Drei Wettkämpfe in neun Tagen hat Volker Bauer aus Fulda in Melitopol im Süden der Ukraine absolviert, davon zwei Europameisterschaften – Einzel und Team – sowie ein Großer Preis der Ukraine. „Das war schon ein sehr, sehr straffes Programm“, berichtet der Fuldaer.

Der Große Preis der Ukraine etwa bestand aus fünf Disziplinen mit Gewichten, die noch ein bisschen schwerer sind, als bei Profiwettkämpfen in Deutschland üblich. Los ging es damit, einen 140 Kilogramm schweren Baumstamm innerhalb einer bestimmten Zeit möglichst häufig in die Luft zu stemmen. Anschließend war Kofferschleppen dran, zwei Koffer – einer zu je 130 Kilo in jeder Hand – zweimal 20 Meter tragen. (Lesen Sie hier: Strongman-Athlet Volker Bauer aus Fulda wehrt sich gegen den schlechten Ruf seines Sports)

Fulda: Erster deutscher Strongman gewinnt Grand Prix in Ukraine

Anschließend folgten Kreuzheben, Jochheben – über das Joch mussten zwischendurch ein Reifen und ein Fass gewuchtet werden – und zu guter Letzt Kugelstemmen. Hier müssen die Athleten eine gewaltige Eisenkugel auf eine Schulter stemmen. „Das ist eine extrem rückenlastige Disziplin, weil man mit der einen Seite das Gewicht der Kugel stemmen muss, mit der anderen Seite den Körper stabilisieren. Viele Athleten schaffen das als letzte Disziplin nicht mehr“, erläutert Volker Bauer.

Dem 24-Jährigen ist es gelungen. Mit seiner konstanten Leistung in allen Disziplinen hat er sich den dritten Platz im Gesamtfeld der internationalen Starter erkämpft, in seiner Gewichtsklasse von unter 105 Kilogramm wurde er gar Erster und ist damit der erste deutsche Strongman seiner Klasse, der einen internationalen Grand Prix gewinnen konnte.

Mit rund 100 Kilogramm ist Volker Bauer aus Fulda ein Leichtgewicht im Strongman

Auch bei der Einzel-EM war er erfolgreich, schloss den Wettkampf als Vierter ab. Den Weg zu diesen Erfolgen ebnete neben regelmäßigem Training eine „sehr, sehr harte Vorbereitung“, wie Bauer selbst sagt. „Zehn bis zwölf Trainingseinheiten in der Woche habe ich absolviert.“ In normalen Zeiten sind es nur die Hälfte. Darunter seien aber nicht nur schwere Krafttrainingseinheiten gewesen, erläutert Bauer, sondern auch viele Technik-, Dehn- und Ausdauerübungen. Denn mit Kraft allein kommt man beim Strongman nicht weit. Ohne ein gesundes Herz-Kreislauf-System und gute Kondition gehe nichts, so Bauer.

Neben dem sportlichen Aspekt war für Volker Bauer aber ebenso der organisatorische Teil der Vorbereitung auf ein internationales Turnier eine Herausforderung. „Mir fehlt da ja völlig die Erfahrung“, sagt der 24-Jährige, der bisher nur an Wettkämpfen innerhalb Deutschlands teilgenommen hat und ohne festen Trainer aktiv ist. Da fehlt gelegentlich einfach ein Rat, den nur die Erfahrung bringt: „Ich wusste zum Beispiel, dass ich während des Flugs durch Wassereinlagerungen Gewicht zulegen würde. Aber wie viel? Würde ich unter den für meine Gewichtsklasse zugelassenen 105 Kilo bleiben?“, berichtet Volker Bauer.

Das ist Strongman

Die Sportart Strongman gibt es seit 1977. Zunächst mehr als Show gestartet, hat sich der Sport mit den Jahren verändert, wurde professionalisiert. Teilnehmer sind explizit Strongmen-Sportler, die sich gezielt auf die geforderten Disziplinen vorbereiten.

Zu diesen zählen beispielsweise das Überkopfdrücken, dabei wird ein Gegenstand (etwa ein Baumstamm, ein gefülltes Fass oder ein schwerer Stein) über den Kopf gehoben. Alternativ muss mit einem bestimmten Gewicht, beispielsweise einem Koffer, Sandsack oder Joch, eine bestimmte Strecke zurückgelegt werden. Außerdem gibt es Hebe- und Wurfdisziplinen. Die genauen Aufgaben werden erst vier Wochen vor einem Wettkampf bekanntgegeben.
Der Sport beansprucht den gesamten Körper, die Disziplinen sind darauf ausgerichtet, eine maximale Belastungsanforderung der Athleten zu erreichen. Neben konditionellen spielen auch koordinative sowie psychosoziale Faktoren wie Konzentration und emotionale Kontrolle für den Erfolg eine Rolle.

Generell sei der Strongman ein Sport, bei dem die Erfahrung einen Gutteil des Erfolges ausmachen könne, weshalb man auch im „höheren“ Alter von 35 bis 40 Jahren oder älter durchaus noch gut abschneiden könne, so der Fuldaer. „Was die Explosivkraft angeht, habe ich jetzt in etwa das Alter für die Spitzenleistungen, bis ungefähr 30 Jahre.“ Aber wer gesund sei, könne auch mit 40 Jahren noch einiges rausholen. „Ältere Teilnehmer sehen einfach die Fallstricke eines Wettkampfes viel eher als wir Jüngeren“, erläutert Bauer. „Wenn ich beispielsweise einen Lkw eine bestimmte Strecke ziehen muss und da ist eine Delle im Boden, muss ich die in einem bestimmten Tempo überwinden. Sonst bleibe ich stecken. Und dann komme ich da auch mit noch so viel Kraft nicht wieder raus. So etwas lerne ich aus Erfahrung.“

Und Erfahrungen machen möchte der Fuldaer in diesem Sommer so viele wie möglich. „Dank meiner Leistungen in der Ukraine darf ich in fünf Wochen an der Strongman-WMin Kiew teilnehmen“, berichtet er. Sich mit den stärksten 105ern der Welt zu messen, darauf freue er sich besonders. Außerdem stehen Wettkämpfe in Georgien, in der Schweiz und in Belgien auf dem Programm.

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