Eine Stärkung zwischendurch muss sein - immerhin hat Sascha Gramm jeden Tag durchschnittlich knapp 50 Kilometer zurückgelegt.
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Eine Stärkung zwischendurch muss sein - immerhin hat Sascha Gramm jeden Tag durchschnittlich knapp 50 Kilometer zurückgelegt.

Anekdote vom Wettkampf

Extremläufer Sascha Gramm aus Hainzell wird im Schwarzwald von Kühen gejagt

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Extremläufer Sascha Gramm ist zurück und hat die Strecke eines der ersten Läufe, die in der abklingenden Corona-Pandemie stattfanden, als Schnellster (37:36 Stunden) bewältigt. In sieben Etappen ging es insgesamt 340 Kilometer durch den Schwarzwald. Dabei erregte er den Unmut einer Kuhherde.

Hainzell - Sascha Gramm ist bereits rund um den Ätna gelaufen, war im australischen Outback unterwegs und hat das ostafrikanische Mosambik durchquert. Ganz so exotisch war das Ziel seines ersten Ultralaufs im Jahr 2021 – Corona ist es geschuldet – nicht. In der vergangenen Woche startete der Hainzeller bei einem Sieben-Etappen-Lauf durch den Schwarzwald, insgesamt waren 340 Kilometer zu absolvieren, die kürzeste Einzelstrecke betrug 46 Kilometer, die längste 54.

Dass es auch auf der Alm höchst abenteuerlich zugehen kann, beweist eine Episode, die im ersten Moment zum Lachen reizt, von der Sascha Gramm aber mit sehr ernster Stimme berichtet. Ein Teil des Trails führte über eine abgezäunte Weide, auf der Kühe weideten. Inklusive einiger Kälber. Den Eindringling im Laufdress interpretierten die Tiere als Gefahr, liefen immer schneller auf ihn zu. „Wenn so eine Herde Kühe auf dich zugerannt kommt, da wird dir schon anders“, erinnert sich der 42-Jährige – und sah zu, möglichst schnell auf die andere Seite des Zauns zu kommen.

Extremläufer Sascha Gramm: Kuhherde jagt Hainzeller bei Lauf durch den Schwarzwald

„An der nächsten Verpflegungsstation habe ich dann Bescheid gesagt, dass man da mal nach schaut. Es waren ja noch einige Läufer hinter mir.“ Glücklicherweise hätten diese die Wiese wohl an anderer Stelle gequert oder die Kühe seien weitergezogen. Eine weitere Jagd habe es jedenfalls nicht gegeben. „Ansonsten war die Gegend wirklich schön, es ging vorbei an Seen und Staumauern, durch Wälder und verschlafene Dörfer“, erzählt Gramm. 7000 Höhenmeter waren dabei auf den 340 Kilometern zurückzulegen. Dass er sportlich so gut abschnitt – mehr als fünf Stunden Vorsprung hatte Gramm auf den Zweitplatzierten – motiviert ihn für die weiteren Herausforderungen dieses Jahres. Sofern die Reisebestimmungen diese zulassen.

Denn eigentlich hatte der Ultraläufer geplant, in diesem Jahr die sogenannte Continental Challenge zu finishen – fünf Ultraläufe auf fünf verschiedenen Kontinenten innerhalb von zwei Jahren. 2019 war Gramm in Australien und Afrika gelaufen, für 2020 hatten Norwegen in Europa, Bolivien in Südamerika und Vietnam in Asien auf dem Plan gestanden. Die Pandemie kam dazwischen.
Die Termine wurden auf 2021 geschoben: Im Juli ist nun das „Ultra Norway Race“ geplant, ein Non-Stop-Lauf über 140 Kilometer und 9000 Höhenmeter, im September steht das „Ultra Bolivia Race“ an, ein siebentägiger Lauf über insgesamt 220 Kilometern in 3000 bis 4000 Metern Höhe. Unter anderem führt die Route durch die größte Salzwüste der Welt, die Salar de Uyuni.

Im September winkt der Wettkampf in Bolivien

„Ob Norwegen stattfindet, weiß ich noch nicht, derzeit sind die Grenzen noch zu, aber dass Bolivien im September klappt, davon gehe ich fest aus“, berichtet Sascha Gramm von seinen Plänen. Sein einziges Problem: Für die großen Höhen in Südamerika lässt sich im Mittelgebirge des Vogelsberg schwierig trainieren. Höhenmeter-Training sei aber auch hier möglich, so Gramm. Das zeige schon allein das gute Abschneiden mit dem großen zeitlichen Abstand beim Etappenlauf im Schwarzwald. Und so sehr vermisst der 42-Jährige die internationalen Läufe auch gar nicht. „Klar, dort trifft man die ganze Läuferszene, die man so kennt. Aber Deutschland ist eine schöne Alternative.“ Und das Wichtigste ist für Gramm, dass überhaupt wieder Wettbewerbe stattfinden.

So hat der Hainzeller sich etwa die ersten Tage des Schwarzwald-Laufs mit einem Starter aus der Schweiz erst gemessen, später zusammengetan. „Als Christian dann weg war, hat mir schon etwas gefehlt, man braucht eben den Wettbewerb.“ Dennoch ist Gramm entspannt, was die weitere Jahresplanung angeht. „Was geht, das geht. Und was nicht, das eben nicht. Ich grübele da jetzt nicht mehr.“ Für Anfang Juli ist wieder eine Tour in der Heimat geplant: Mit Freunden geht es 105 Kilometer von Hainzell an den Edersee.

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