Marko Madzar will sich erneut höherklassig als Spieler beweisen.
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Marko Madzar will sich erneut höherklassig als Spieler beweisen.

Von Kroatien nach Osthessen

Wechsel zum SV Steinbach: Marko Madzars Fußball-Reise geht in der Hessenliga weiter

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Am 27. Juni 2015 trat Marko Madzar die Reise an, die sein Leben verändern sollte. In der kroatischen Heimat brach er auf, um in Deutschland Fuß zu fassen. Fünfeinhalb Jahre später kommt ihm das Ganze wie ein Traum vor, der ihn im Sommer zum Hessenligisten Steinbach führt.

Steinbach - Der seinerzeit in Bachrain die Fäden ziehende Venko Pavic stammt aus dem gleichen Ort wie Marko Madzar. In einem losen Gespräch erklärte Pavic, wo der TSV Bachrain spielt und dass Deutschland doch eine gute Option für Madzars Zukunft sein könnte. Madzar, der kein Wort deutsch sprach, fing an sich mit dem Thema zu beschäftigen, kannte bis dato nur „Fulda Reifen“ und unkte, als er las, dass Bachrain siebte Liga spielt. Schließlich war der heute 28-Jährige selbst Spieler der zweiten Liga in Bosnien und spielte zuvor gar schon in Tschechiens zweiter Liga für Ostrava – Heimatstadt von SVS-Trainer Petr Paliatka.

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Doch Madzar, dessen Bruder Ivica zwei Jahre zuvor in Bad Hersfeld gelandet war, entschied sich für das Abenteuer mit offenem Ausgang. „Mein Bruder sagte mir, dass ich es einfach versuchen soll. Wenn es nach drei Monaten nichts ist, wäre es doch immerhin ein schöner Urlaub“, erinnert sich Madzar. Doch es kam anders. Ganz anders. Beim TSV Bachrain schlug der Kroate ein wie eine Rakete. 24 Tore erzielte er in seiner ersten Saison. Und noch viel wichtiger: Trat er die Reise nach Deutschland noch allein an, lernte er nach wenigen Monaten seine jetzige Frau kennen. Madzar wollte sich von Beginn an integrieren, lernte die Sprache in rasanter Geschwindigkeit und spricht sie mittlerweile fast perfekt. Und beruflich? Über einen Bachrainer Gönner fasste er in einer Dachdeckerei Fuß, in der er noch heute arbeitet. Sein privates Glück machte schließlich ein Hauskauf im Hünfelder Stadtteil Großenbach komplett. „Wie im Traum“, sagt Madzar über die bisherige Reise in seiner neuen Heimat. Er spricht dabei von „angekommen“. Floskeln sind das nicht, sondern seine vollste Überzeugung.

Warum die Integration so reibungslos funktionierte für den Offensivspieler? Weil er, wie er erzählt, rasend schnell die deutschen Tugenden für sich in Anspruch nahm. „Hier wird anders gearbeitet, hier wird anders gelebt. Ich kann doch nicht auftreten, als sei ich der kroatische König.“

Madzar ist klar im Kopf. Und das gilt ebenso für seinen fußballerischen Werdegang. Beim TSV Bachrain spielte er erfolgreich in der Gruppenliga, anschließend Verbandsliga für Eichenzell. Vor anderthalb Jahren entschied er sich früh, im Trainergeschäft Fuß zu fassen. A-Liga mit Weyhers. Der Offensivfußball begeisterte, doch für den Aufstieg langte es nicht – und wird es wohl auch dieses Jahr nicht. Einen neuen Anlauf wird es nicht geben. Madzar will sich noch einmal beweisen. „In Steinbach kann ich das. Ich will Hessenliga spielen. Und würde ich es jetzt nicht versuchen, dann wäre es zu spät“, sagt er und setzt sich zum Ziel, „mir einen Namen zu machen und die B-Lizenz zu absolvieren. Dann kann ich in drei Jahren wieder als Trainer arbeiten – vielleicht in der Gruppenliga.“

Beim TSV Weyhers-Ebersberg ist indes das Trainergespann komplett auseinandergeflogen, denn Madzars „Co“ Marko Novakovic zieht es zu Ligakonkurrent SG Schmalnau/Hettenhausen. Einen Nachfolger haben die Macher noch nicht gefunden, wie Bernd Breidung aus dem Führungsteam des A-Ligisten erklärt. Dass Madzar sich noch einmal höherklassig versuchen möchte, kann Breidung voll und ganz nachvollziehen.

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