16 Paddler mit Handicap sind aktuell beim Kanu-Club Fulda organisiert und nehmen an regionalen, nationalen und sogar Wettkämpfen in der ganzen Welt teil.
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16 Paddler mit Handicap sind aktuell beim Kanu-Club Fulda organisiert und nehmen an regionalen, nationalen und sogar Wettkämpfen in der ganzen Welt teil.

„Kanuten mit Handicap“

Inklusive Paddler setzen Maßstäbe: 16 Sportler mit Handicap sind beim Kanu-Club Fulda aktiv

Der Kanu-Club Fulda ist bekannt für gute Nachwuchsarbeit und hat schon Weltmeister hervorgebracht. Inklusion spielt eine wichtige Rolle – die neuen Mitglieder stehen den Paddlern nicht nach.

Fulda - Bei der Abteilungsgründung „Kanuten mit Handicap“ beim Kanu-Club Fulda war der mehrfache Mannschaftsweltmeister im Zweier-Canadier, Andreas Dajek, treibende Kraft. Zunächst beschränkte sich die Zusammenarbeit auf antonius-Netzwerk Mensch, dann schloss sich Johannes Halbig mit Sportlern der Lebensgemeinschaft auf dem Richthof an. Der Sozialarbeiter hat eine abgeschlossene erlebnispädagogische Ausbildung mit den Schwerpunkten Klettern und den Canadier im Wildwasser.

An einem „Tag der offenen Tür“ haben „wir mal das Kajak ausprobiert“, sagt Halbig. Schnell stellte sich heraus, dass seine Sportler gut damit zurechtkamen. Der damalige KCF-Vorsitzende Harald Piaskowski bot Halbig an, sich den Sportlern von „antonius“ anzuschließen. „Die ersten Paddelschläge waren noch etwas holprig“, erinnert er sich, „doch schnell haben sich die Athleten mit den Booten angefreundet.“ Sind sie doch mal gekentert, sei es ihnen auf Anhieb klar, dass sie den unfreiwilligen Ausflug ins Nasse selbst zu verantworten haben. „Ich musste gar nichts sagen, das war wunderbar.“ Für Halbig war dieser souveräne Umgang überraschend, aber „das Problem ist, dass Menschen mit geistiger Behinderung zu wenig zugetraut wird. Die Erfahrung belegt das Gegenteil.“

Fulda: Inklusive Paddler setzen Maßstäbe - 16 Sportler mit Handicap beim Kanu-Club aktiv

Die große Unterstützung von Dajek und Piaskowski blieb Halbig in Erinnerung: „Wir haben uns gut integriert gefühlt.“ Oft seien die Sportler zu Ausflügen eingeladen worden, damit sie mit den anderen in Kontakt kommen. Das zeichnet den KCF aus: „Alle Abteilungen sind unglaublich offen für das Projekt, weshalb sich die Athleten sehr beheimatet fühlen“, sagt Halbig. Inzwischen ist der KCF sogar Mitglied bei Special Olympics, für die Trainer zur Verfügung gestellt werden. „Ich glaube, dass die Kanuten mit Handicap neben all den großartigen Erfolgen ein Aushängeschild des KCF sind“, sagt Halbig, der Inklusionspreise anspricht, die der KCF erhalten habe. (Lesen Sie hier: Sergej Brauns Kampf abgesagt: Fuldaer muss wegen Corona-Infektion auf Fight bei Senshi-8 verzichten).

16 Paddler mit Handicap sind aktuell beim Kanu-Club Fulda organisiert und nehmen an regionalen, nationalen und sogar Wettkämpfen in der ganzen Welt teil. (Auf dem Foto fehlen 5 Sportler.)

Die Prämien dieser Preise seien direkt in spezielle Boote investiert worden. Darüber hinaus gebe es dank der Abteilung Win-win-Situationen. Beispielsweise hat der KCF eine Einstiegserleichterung für die neuen Sportler errichtet, die sogar älteren Paddlern eine willkommene Hilfe sei. „Das ist Inklusion, ohne dass da drüber geredet werden muss. Das passiert von selbst“, ist Halbig begeistert. Zudem sei der KCF stets bemüht, die Sportler zu würdigen: Piaskowski habe wiederholt Teilnehmer der Special Olympics für die Fuldaer Sportlerehrung vorgeschlagen.

Johannes Halbig: Inklusion ist ja in aller Munde. Der Kanu-Club hat den Einstieg längst geschafft

Drei der „Kanuten mit Handicap“ haben schon an Special-Olympics-World-Games in Shanghai, Los Angeles oder Abu Dhabi teilgenommen, bei letzteren war Halbig als Coach für die Kanu-Mannschaft dabei. Zudem nehmen die Athleten regelmäßig an regionalen und nationalen Wettbewerben teil. Aktuell werden die nächsten nationalen Spiele 2022 und die Weltspiele 2023 vorbereitet, die beide in Berlin stattfinden werden. Bei allen Wettkämpfen unterstützt der KCF die Sportler. „Wir sind immer dabei, wenn ihr uns braucht“, heißt es kurz und knapp, was Halbig als großes Glück empfindet.

Seit zwei Jahren wird Stand-up-Paddling (SUP) angeboten; Menschen mit Handicap gehören dazu, obwohl der Fokus auf den Special Olympics liegt. Bei manchen Regatten wie in Hof starten 1000 Boote. Zwei bis drei Läufe gehören dabei zu den Special Olympics. „Das ist ein tolles Erlebnis für meine Paddler. Da sind wir mittendrin.“ Halbig hofft, „diesen Bereich noch auszubauen und sogar an normalen Sportveranstaltungen teilzunehmen.“ Einer der Kanuten mit Handicap ist Mitglied im Vorstand, so dass die Wünsche direkt adressiert werden können. „Inklusion ist ja in aller Munde. Der Kanu-Club hat den Einstieg längst geschafft.“ (Von Julia Mondry).

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