Schwimmer Jan-Philip Glania lächelt nach dem Wettkampf im Becken.
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Unser Foto von 2016 zeigt Jan-Philip Glania als Deutschen Meister über 100 Meter Rücken. Jetzt beendet der Petersberger seine Karriere.

Olympia-Schwimmer hört auf

Überraschung: Jan-Philip Glania beendet seine Karriere und verzichtet auf Tokio

  • Thomas Schafranek
    vonThomas Schafranek
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Aus und vorbei: Jan-Philip Glania hängt Badehose und -kappe an den Nagel und wird künftig als Zahnarzt in Fulda arbeiten. „Ich habe lange überlegt“, erklärt der 31-jährige, international renommierte Rückenschwimmer aus Petersberg. „Aber ich habe jetzt das Gefühl, dass es reicht. Ich habe richtig Lust auf etwas Neues.“ Er verzichtet damit auf Olympia in Tokio.

  • Olympia-Teilnehmer Jan-Philip Glania beendet seine Karriere
  • Der Petersberger Rückenschwimmer verzichtet auf Olympia in Tokio
  • Glania wird künftig als Zahnarzt arbeiten

Fulda- Ausschlaggebend für das Karriereende, das Glania Dienstagmittag auch via Facebook bekanntgab (Reaktionen auf Glanias Karriere-Ende), war die unsichere Situation rund um die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. „Natürlich wäre Tokio ein super Abschluss für mich gewesen. Aber ob die Spiele überhaupt stattfinden werden und wenn ja wie, weiß ja heute niemand“, meint Glania im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mich nochmal ein Jahr umsonst zu quälen – das wollte ich dann doch nicht“, erklärt der Petersberger, der noch bis Ende August bei der SG Frankfurt gemeldet ist, mit einer gehörigen Portion Wehmut in der Stimme.

Denn natürlich sei er nach zahlreichen Titeln, Medaillen und Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften, Europa-, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen irgendwie schon „traurig, dass jetzt alles vorbei ist. Ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Das ist schon komisch“, sagt Glania und ergänzt: „Ich werde das sicher irgendwann vermissen, spätestens wenn die Spiele 2021 doch stattfinden und ich die nur vorm Fernseher verfolgen kann. Aber ich freue mich jetzt dennoch riesig auf ein normales Leben ohne engen Terminkalender. Ich kann Urlaub machen, wann ich will, kann beispielsweise Skifahren gehen. Das ging bis jetzt nicht wegen der Verletzungsgefahr“, erläutert Glania.

In Rio 2016 war Jan-Philip Glania am Start. Auf Tokio verzichtet der Schwimmer.

Kein Olympia in Tokio: Jan-Philip Glania hängt die Badehose an den Nagel

Eigentlich wollte der Zahnmediziner als Karriereabschluss an den Olympischen Spielen 2020 teilnehmen, die wegen der Corona-Pandemie auf kommendes Jahr verschoben wurden. Die Qualifikation für 2020 hatte er bis Ende März dieses Jahres zwar noch nicht in der Tasche. „Aber ich bin sehr sicher, dass ich das geschafft hätte“, sagt Glania gewohnt selbstbewusst. Corona machte den Traum Glanias von seinen dritten Olympischen Spielen nach 2012 in London und 2016 in Rio zunichte.

NameJan-Philip Glania
Geboren8. November 1988 in Fulda
SportartSchwimmen
Hauptstrecken100 Meter Rücken und 200 Meter Rücken
VereineSC Wasserfreunde Fulda und SG Frankfurt

Das sei bitter gewesen, erzählt Glania. „Meine Motivation war danach erst einmal futsch – wie bei so vielen Sportlern in meiner Situation.“ Er habe dann nur noch reduziert trainiert und sich lange Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Schließlich entschied er sich schweren Herzens für den Schlussstrich nach einer langen Spitzensportler-Karriere.

Und, hätten Sie ihn erkannt? Ein Bild von Jan-Philip Glania aus dem Jahr 2005 mit Erik Henrich, Jewgeni Sidorenko und Benjamin Reitz. Glania steht links.

Jan-Philip Glania freut sich auf Rückkehr nach Fulda

Damit ist nun Schluss. „Ich war jetzt elf, zwölf Jahre weg und freue ich mich einfach wahnsinnig, zurück nach Fulda zu kommen“, sagt Glania mit breitem Lachen. Aus seiner großen Heimatverbundenheit hat er nie einen Hehl gemacht. Familie und Freunde in Fulda und Umgebung waren ihm immer heilig.

In den kommenden zwei Wochen ist jetzt erst einmal Urlaub angesagt. Glania will wandern. In Österreich und Südtirol. Etwas runterkommen. Ab September wird es dann aber endgültig ernst. Der neue Lebensabschnitt beginnt. Glania wird als Zahnarzt in der Gemeinschaftspraxis Hommens in der Bahnhofstraße arbeiten. „Auch darauf freue ich mich total“, sagt er. Konkrete Pläne für die Zeit danach hat er noch nicht. Irgendwann einmal kann er sich aber durchaus vorstellen, eine eigene Praxis zu eröffnen.

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