Wieder in ruhigem Fahrwasser (von links): Samuel Müller, Trainer Thilo Wietzke, Hannes Doose, Kilian Hans und Simon Ecker.
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Wieder in ruhigem Fahrwasser (von links): Samuel Müller, Trainer Thilo Wietzke, Hannes Doose, Kilian Hans und Simon Ecker.

Ohne Eskimorolle geht nichts

Fuldaer Kanu-Nachwuchs trainiert im Wildwasserkanal von Ma rkkleeberg

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Lange haben Fuldas Kanuten darauf gewartet, wieder ins Training einsteigen zu dürfen. Vor allem auf den Nachwuchs wartet im Oktober noch die Deutsche Schüler-Meisterschaft. Für das Wildwassertraining haben sich die Jugendlichen eine der anspruchvollsten Strecken Deutschlands ausgesucht: Den Markkleeberger Kanupark bei Leipzig.

Fulda/Leipzig - Samuel Müller (16), Hannes Doose (14), Kilian Hans (14) und der erst zehnjährige Simon Ecker vom Kanu-Club Fulda konnten es kaum erwarten, mit ihrem Trainer Thilo Wietzke in Richtung Sachsen aufzubrechen. Eigentlich war das Trainingslager im Kanupark bereits für März vorgesehen gewesen. Corona ist dazwischengekommen. Deshalb überrascht es kaum, dass die Fuldaer Kanuten zu den ersten gehörten, die sich nach Wiedereröffnung des Parks ein Übungsfenster sicherten.

Kaum war die Mannschaft angekommen, führte der erste Weg der Fünf zum Kanal. Kein Wunder, gehört er doch zu einem von zwei Wildwasserparks in Deutschland – der zweite ist in Augsburg –, der die Anforderungen für internationale Wettkämpfe erfüllt. Sogar Olympische Spiele könnte man hier durchführen.

Fuldaer Kanuten im Wildwasserkanal

Die Tipps von Trainer Thilo Wietzke nahmen die Nachwuchskanuten gerne entgegen, als sie Stück für Stück die Strecke abgingen und deren Eigenheiten besprachen. Nach dem Einpaddeln ging es dann auch gleich in den Wildwasserkanal. Dank beweglicher Kunststoffzylinder, die als Hindernisse dienen, lässt sich die Strecke für jeden Durchgang neu einstellen. Gleichzeitig bleibt die Verletzungsgefahr gering. Mit Wasser versorgt wird der Kanal über sechs Pumpen, die bis zu 28.000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Zielbecken ziehen, das mit dem Markkleeberger See verbunden ist.

Fast vom Wildwasser verschluckt: Der zehnjährige Simon Ecker meistert mit Bravour den 270 Meter langen Kanal des Markkleeberg-Kanu-Parks.

Mit dumpfem Dröhnen sprangen die Pumpen an, das Wildwasser im Kanal begann zu tosen und das Förderband zwischen Ziel- und Startbecken setzte sich in Bewegung. Eine bequeme Lösung, wie die jungen Sportler bald feststellen sollten. Mussten doch die Boote nicht per Muskelkraft vom einen Becken ins andere gebracht werden.

Kanuclub Fulda: Üben der Eskimorolle hat sich ausgezahlt

Um sich an die Strecke zu gewöhnen, durchfuhren die vier Jungs den Kanal zunächst ein paar Mal in lockerem Tempo. „Vom Wasser aus sehen die Walzen noch viel größer aus als vom Ufer aus“, stellte Simon nach der ersten Runde mit Blick auf die künstlichen Wildwasserhindernisse fest. Schnell merkten die vier Kanuten auch, dass es sich auszahlte, im Wintertraining die Eskimorolle so intensiv geübt zu haben. Wer nämlich kentert und sein Boot nicht allein wieder in die richtige Position dreht und aussteigen muss, läuft Gefahr, dass das Kanu anschließend durch den Wasserdruck von bis zu zehn Tonnen pro Sekunde an den Hindernissen zu Bruch geht.

Nach den Übungsfahrten ging es ans Techniktraining. Ein ums andere Mal übten die jungen Kanuten die schwierigen Stellen und optimierten ihre Technik. Nach fast vier Stunden auf dem Wasser waren sowohl Trainer als auch Kanuten hochzufrieden. „Wenn Training und Fortschritte in diesem Maße weitergehen, dann sind für unsere Fahrer in dieser Restsaison sicher noch einige Medaillen zu erwarten“, freut sich Kanu-Trainer Thilo Wietzke.

Ecker fiebert dem nächsten Besuch bereits entgegen

„Habt ihr schon einen neuen Termin reserviert?“, wollte Simon Ecker gleich nach dem Training wissen. Der 10-Jährige, Mitglied der Talentfördergruppe Kanu am Fuldaer Domgymnasium, hatte die Wildwasserstrecke absolviert, die eigentlich erst Jugendliche ab 15 Jahren befahren. Zum Vorbild genommen hatte er sich dabei sein Idol Hannes Aigner, Weltmeister im Kanu-Slalom von 2018, der ebenfalls mit 10 Jahren erstmals die Weltcup-Strecke in Augsburg gefahren war. Jetzt kann Simon es kaum erwarten, den Markkleeberg-Kanal ein weiteres Mal zu meistern.

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