VfL Eiterfeld: Cornelia Schwalbach (von links), Ulrike Hahn, Carla Kircher, Martina Isert und Susanne Diel hielten lange den Hessenrekord in der B-Jugend.
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Die Erfolgsstaffel des VfL Eiterfeld: Cornelia Schwalbach (von links), Ulrike Hahn, Carla Kircher, Martina Isert und Susanne Diel hielten lange den Hessenrekord in der B-Jugend.

„Sternstunden“ der Leichtathletik

Als Eiterfeld die Sprinterwelt eroberte - B-Jugend-Staffel lief 1979 Hessenrekord

  • Angelika Kleemann
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„Das war ein absoluter Glücksfall“, sagt Jürgen Pfeiffer und gerät ins Schwärmen, spricht von „Sternstunden“ der Leichtathletik: Seine flinken Mädchen, gleich fünf an der Zahl, haben vor mehr als 42 Jahren die Sprinterwelt erobert und den Namen VfL Eiterfeld bis ins Münchner Olympiastadion getragen.

Fulda/Eiterfeld - Geblieben sind die 48,30 Sekunden, die Cornelia Schwalbach, Ulrike Hahn, Karla Kircher, Martina Isert und Susanne Diel als B-Jugendliche über die 4x100 Meter gelaufen sind. Eine Zeit, die damals Hessenrekord bedeutet hat und seitdem auf Bezirksebene nie mehr erzielt wurde. Keine Staffel kam nur ansatzweise an die Zeit heran.

Jürgen Pfeiffers Augen leuchten, wenn er in seinem Album blättert. Die Zeitungsartikel sind sorgfältig eingeklebt, mit Bildern angereichert. Seitenweise sind handschriftlich die Leistungsfortschritte seiner Eiterfelder Sprinterinnen dokumentiert. Einmal im Jahr treffen sich die Ex-Leichtathletinnen und ihr Trainer, dann leben alte Erinnerungen auf. „Wenn sie sich in der Zeitung sehen, das wird der Renner“, freut sich Pfeiffer auf die überraschten Gesichter beim nächsten Treffen Anfang September. Bis auf die Kircher-Schwestern Karla und Martina wohnen alle anderen der so erfolgreichen Sprinterinnen noch in der Region Fulda.

Fulda: 1979 eroberte Eiterfeld die Sprinterwelt - Staffel lief Hessenrekord

Wenn der heute 72-Jährige von der „Sternstunde“ spricht, dann meint Pfeiffer – selbst einst erfolgreicher Sprinter (11,1 Sek.) und Weitspringer (7,02 m), in der Seniorenklasse mit zahlreichen Hessentiteln dekoriert –, den Coup im Münchner Olympiastadion. „Wir haben in Eiterfeld auf einer Aschenbahn trainiert und kommen dann ins Münchner Olympiastadion. Mit Anzeigetafel“, erinnert sich Pfeiffer an den „Kulturschock“. Auf der Anzeigetafel standen Namen wie TuS 04 Leverkusen, LAC Quelle Fürth oder OSCThier Dortmund – und natürlich der VfL Eiterfeld. „Die Menschen haben sich verwundert die Augen gerieben und gefragt, wo kommen die denn her. Mit dem Namen Eiterfeld konnte im Olympiastadion niemand was anfangen.“

Nach dem Vorlauf sah das anders aus. Eiterfeld war plötzlich ein Begriff, als die noch der B-Jugend angehörende Staffel in 48,30 Sekunden plötzlich im Zwischenlauf bei den A-Jugendlichen stand. Für den Einzug ins Finale reichte es dann allerdings nicht mehr, die Wechsel liefen nicht so glatt, was der Freude über die Fabelzeit im Vorlauf und dem Erlebnis DM im Olympiastadion keinen Abbruch tat. (Lesen Sie auch hier: SV Hauswurz feiert 100. Geburtstag)

VfL Eiterfeld: Staffel ging nach der Jugend getrennte Wege

Dass es zu der Blüte der Leichtathletik in Eiterfeld kam, ist zwei Männern zu verdanken: Jürgen Pfeiffer, damals Lehrer an der Lichtbergschule, und Rudi Quanz, Leichtathletik-Abteilungsleiter und gute Seele des VfL, der 1972 die Leichtathletikabteilung ins Leben rief. Im Sportunterricht machte der passionierte Leichtathlet Pfeiffer, der 1970 in Eiterfeld seine erste Stelle angetreten hatte, Talente aus, förderte sie im Schulsportzentrum und hatte zudem das Glück, gleich fünf Riesentalente aus dem beschaulichen Eiterfeld ausgemacht zu haben.

Zweimal bat Pfeiffer zum Training. Wenn es passte, kümmerte sich Rudi Quanz dann mittwochs um die Mädchen, wobei ihm andere Disziplinen wie Kugelstoßen oder Mehrkampf wichtig waren. Am Wochenende ging es zu Wettkämpfen. Rudi Quanz, die gute Seele, und seine Schwester Lore, der gute Geist, chauffierten und betreuten die Mädchen, die auf Hessenebene zig Titel abräumten. Gleich fünf Sprinterinnen zu haben, die zwischen 12,2 und 12,6 Sekunden laufen können – später kam noch Daniela Hilpert hinzu –, sei ein „absoluter Glücksfall“ gewesen. Mit Blick auf die superschnelle Bahn bei den Olympischen Spielen in Tokio und den neuen federleichten Carbonspikes, ist sich Pfeiffer sicher, dass „unter den heutigen Bedingungen für unsere Staffel eine 46er- oder gar 45er-Zeit möglich gewesen wäre“.

Doch die Staffel zerfiel nach der Jugendklasse: Studium, Beruf und Freunde waren wichtiger geworden. Mit Elke Peters brachte der VfL später noch eine erfolgreiche Sportlerin heraus. Nicht zu vergessen sind die Erfolge auf der Langstrecke durch Dieter Kramer, der die Laufbewegung in den Verein trug.

Heute liegt die Leichtathletik-Abteilung brach, aber wenigstens die Erinnerungen an die Glanzzeiten bleiben.

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