Hier noch im Trikot von FROH, mittlerweile startet er für den SSV Gera: Louis Gentzik strebt nach dem Abitur einen Vertrag in einem Profiteam an.
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Hier noch im Trikot von FROH, mittlerweile startet er für den SSV Gera: Louis Gentzik strebt nach dem Abitur einen Vertrag in einem Profiteam an.

Große Ziele

Fulda: Louis Gentzik gehört zum erfolgreichsten Radsport-Nachwuchs der Region

Als Kind hatte Louis Gentzik eine klare Vorstellung von seiner Zukunft: „Ich wollte die Tour de France gewinnen, Juraprofessor werden und in einer Heavy-Metal-Band spielen.“ Die Band-Pläne hat der heute 14-Jährige mittlerweile zu den Akten gelegt, statt Jura kann er sich auch Politikwissenschaft vorstellen – eine Profikarriere als Radsportler strebt er allerdings nach wie vor an. Es sei denn, ihm käme jemand mit Doping. Da kennt der Petersberger keine Kompromisse.

Fulda - Seit 2015 fährt Louis Gentzik Radrennen für den RSV FROH Fulda. Dabei ist er deswegen gar nicht in den Verein eingetreten. Eigentlich sollte er dort nur das sichere Radfahren lernen. „Ich war mit meinem Vater zum Radurlaub in den Vogesen, habe mich dort überraschend einen Berg hinaufgekämpft – und wusste dann nicht mehr, wie ich wieder runterkommen sollte.“ Für Vater Daniel war dies ein Zeichen: Das Kind muss in den Verein.

Bei FROH traf Louis dann auf Trainer Peter Hahner. „Den besten Trainer, den man in Hessen finden kann“, wie der 14-Jährige meint. Hahner habe ihn immer wieder angespornt, doch mal ein Rennen mitzufahren. „Als Neunjähriger habe ich dann nachgegeben“, erinnert sich Louis schmunzelnd. Bereut hat er es nie. Das Fahren im Team habe so viel Spaß gemacht, Siege seien ihm damals noch völlig egal gewesen.

Fulda: Louis Gentzik macht beim Zeitfahren keiner was vor

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Das hat sich geändert, als es bei einem Drei-Tage-Rennen ein von Radsportprofis signiertes Trikot zu gewinnen gab. „Das wollte ich unbedingt haben“, so Louis. „Ich habe mich reingehängt und auch tatsächlich gewonnen.“ Von diesem Moment an war das Wettkampf-Fieber entbrannt.

Mit Hilfe Peter Hahners entwickelte er sich zum deutschlandweit besten Zeitfahrer der U13. Das Zeitfahren blieb auch in der U15 seine beste Disziplin. Im neuen Jahr startet der 14-Jährige erstmals in der U17, sein Stammverein ist allerdings nicht mehr FROH Fulda, sondern der SSV Gera. Gleichzeitig besucht er seit dem Herbst das Sportinternat in Erfurt. Der Wechsel von Schule und Verein war für den Petersberger ein logischer Schritt. Einerseits weil ihm in Fulda nach und nach die Trainingspartner weggebrochen sind, andererseits weil die Strukturen in Erfurt und Gera sehr viel professioneller sind. „Ich habe dort eine Trainingsgruppe mit zehn Leuten und ich trainiere jetzt deutlich gezielter, weil wir erstmals eine Körperleistungsanalyse gemacht haben“, berichtet Louis.

Die leistungssportlichen Strukturen sind wichtig, damit der 14-Jährige sein Ziel erreichen kann: Nach dem Abitur einen Vertrag bei einem Profiteam ergattern, möglichst im Ausland. Dank seiner Stärke im Zeitfahren hält der Radsportler dieses Ziel für ein realistisches. Auch wenn er weiß, dass der Kindheitstraum Tour-de-France-Sieg nicht in Erfüllung gehen wird. „Dafür bin ich im Bergfahren nicht gut genug.“ An kleineren Bergen könne er zwar gut mithalten, aber irgendwann sei Schluss. „Ich bin für diese Disziplin zu groß und zu schwer“, weiß der 14-Jährige. Aber bei der Frankreich-Rundfahrt mal dabei zu sein, das wäre schon ein Wunsch.

Allerdings denkt Louis bereits über eine mögliche Profikarriere im Radsport hinaus. Das dort verdiente Geld möchte er nutzen, um sein Studium zu finanzieren. Ein Plan, der auch in den Augen von Vater Daniel Gentzik Zustimmung findet: „Schule und Sport müssen Hand in Hand gehen, ohne Schulabschluss auf die Karte Profikarriere zu setzen, das könnte ich nicht unterstützen.“

Das tut auch das Erfurter Sportinternat nicht. Wenn die schulischen Leistungen nicht stimmen, dürfen die Schüler keine Rennen fahren. Diese Kombination hat letztendlich den Ausschlag für die Entscheidung der Gentziks gegeben. Jetzt sieht Louis seine Familie nur noch am Wochenende und in den Ferien. Eine Entwicklung, die aber für die ganze Familie in Ordnung ist. „Viel schwieriger war die Trennung von FROH und meinem Trainer Peter Hahner“, stellt Louis fest. Doch auch der Trainer sieht seinen ehemaligen Schützling mit seiner Entscheidung für Internat und Vereinswechsel auf dem richtigen Weg für seine sportliche Zukunft.

Und so arbeitet Louis Gentzik jetzt in Gera und Erfurt an seinem Ziel Profivertrag. Ein Ziel, von dem ihn nur eine Sache abhalten kann: Die Aufforderung zum Doping. Der 14-Jährige glaubt nicht, dass die Methodik noch so verbreitet ist wie etwa zu Zeiten Lance Armstrongs. „Wenn man sieht, dass die Profis mit besserem Material ein ganzes Stück langsamer die Berge hochkommen, glaube ich, dass die meisten mittlerweile clean sind.“ Sollte ihm aber doch mal jemand damit kommen, ist seine Antwort klar: „Wenn ich jemals damit konfrontiert werde, den Quatsch zu nehmen, dann höre ich auf. Dann hatte ich eine gute Zeit, aber mit dem Sport wäre es vorbei.“

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