Sechs Saisontore, dazu acht aufgelegt: Für Louis Schaub (rechts) läuft es beim FC Luzern.
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Sechs Saisontore, dazu acht aufgelegt: Für Louis Schaub (rechts) läuft es beim FC Luzern.

Hurrafußball am Vierwaldstättersee

Fußballer Louis Schaub aus Fulda begeistert die Fans des FC Luzern - Straßenfußballer mit linkem Zauberfuß

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Louis Schaub (26) ist in den vergangenen Monaten ein wenig aus dem Blickpunkt geraten – dabei hat er sich zurück in selbigen gespielt. Erstmals etwas abseits der großen Fußballbühne: beim FC Luzern.

Luzern - Fahrt nahm seine Karriere beim österreichischen Rekordmeister Rapid Wien auf. Nicht zuletzt dank seiner 16 Treffer in 30 Europapokal-Einsätzen wurde er zum österreichischen Nationalspieler. 2018 wagte der in Fulda geborene Schaub den Sprung nach Deutschland. In die Bundesliga sollte sein Weg führen, dort hatte sein viel zu früh verstorbener Vater Fred einst für Eintracht Frankfurt gespielt.

Er entschied sich für einen Verein mit viel Strahlkraft, der sich anschickte, auf schnellstem Wege in die Bundesliga zurückzukehren. Mit Erfolg: 13 Vorlagen und 3 Tore steuerte Schaub zur Zweitliga-Meisterschaft des 1. FC Köln bei. Der Bundesliga-Traum wurde vor 20 Monaten Realität. Doch seither ist viel passiert.

Siebenmal lief er in der Hinrunde 19/20 von Beginn an in der Bundesliga auf – mit durchschnittlichem Ertrag. Köln verlieh Schaub in der vorvergangenen Winterpause an den Hamburger SV. Ein zweiter Bundesliga-Aufstieg blieb ihm jedoch verwehrt. (Lesen Sie hier: Fußball-Supertalent Jamal Musiala unterschreibt bei Bayern München)

Fußballer Louis Schaub aus Fulda begeistert die Fans des FC Luzern

Im September folgte ein neuerliches Leihgeschäft: Diesmal führte ihn der Weg zum FC Luzern – an den Vierwaldstättersee. Dort geht es beschaulicher als an Donau, Rhein oder Elbe zu. Der Schweizer Super-Ligist hat sich zum Ziel gesetzt, die Zuschauer zu begeistern. Mit Hurrafußball. So wie damals bei Rapid Wien. So wie in seiner ersten Saison beim 1. FC Köln. Für den Typus Schaub eine Idealkonstellation. Seine Stärken liegen nicht im Spiel gegen den Ball. Ebenfalls nicht in seiner Athletik. Der Edeltechniker ist vielmehr ein Straßenfußballer, mit Instinkt für den freien Raum – ergänzt durch einen linken Zauberfuß.

Kürzlich erzielte er gegen Vaduz einen Treffer, der in der Schweiz schon jetzt als „Tor der Saison“ gilt. Aus gut 20 Metern zog er mit dem linken Außenrist ab. Die Kugel landete im rechten Torwinkel. Anlauf benötigte er dafür nicht. Andere hätten sich das Standbein weggetreten. Dabei ist er gar nicht der Torschütze vom Dienst. Er setzt seine Spieler lieber in Szene. Aktuell steht er bei acht Torvorlagen: Bestwert in der Schweizer Super League. In Luzern wird er mit Hakan Yakin verglichen, der an gleicher Stelle die Zuschauer vor einem Jahrzehnt in seinen Bann zog.

Die Macher hoffen sehnlichst auf einen Verbleib ihres neuen Stars. Doch die Vertragssituation ist schwierig. Sein Gehalt zahlt der FC Luzern derzeit nur anteilig – den Rest übernimmt der 1. FC Köln, bei dem er noch bis Juni 2022 unter Vertrag steht. Zwar besitzt Luzern im Sommer eine Kaufoption, müsste sich mit Schaub allerdings auf ein angemessenes Salär einigen. Die Gespräche sollen alsbald anlaufen, denn nach miserablem Saisonstart ist Luzern mittlerweile gar im Rennen um die beiden Plätze für die Europa Conference League, hat sich der Abstiegssorgen entledigt.

Louis Schaub begeistert beim FC Luzern die Zuschauer

Gerade in den vergangenen Wochen spielte sich Luzern ins Rampenlicht – ohne lange Pausen. Weil Corona im Team zugeschlagen hatte, fielen im Winter Spiele in Reihe aus. Seit dem 4. Februar musste der FC nachholen, was nachzuholen war. 12 Spiele in 37 Tagen. Für Schaub kein Problem, „weil ich froh bin, dass wir überhaupt spielen. Es ist in dieser Zeit ein Privileg, unseren Beruf ausüben zu dürfen.“

Opfer muss er dennoch bringen. Seine Familie, die hauptsächlich in Österreich und teilweise in Osthessen – wie Halbbruder Fabian Schaub, Stürmer des Hessenligisten SV Flieden – beheimatet ist, durfte ihn seit seiner Ankunft im vergangenen Herbst nicht besuchen. „Blöd ist das“, sagt er. Über die Weihnachtstage konnte er mit Frau und Kind nicht wie üblich nach Österreich fliegen, blieb stattdessen in Luzern.

Dass dies über den Sommer hinaus der Fall sein könnte, ist nicht unmöglich. „Der Trainer vertraut mir, das spüre ich“, sagt er und fügt an, „dass es für mich natürlich wichtig ist, regelmäßig zu spielen“. Im 4-4-2-System ist er einer der beiden Stürmer. Aber nur auf dem Papier. „Ich interpretiere meine Rolle anders. Nicht als Stürmer. Vielmehr genieße ich viele Freiheiten, kann mich in freie Räume fallen lassen. Mir kommt das entgegen“, sagt er und besitzt gute Chancen, durch seine Leistungen im Sommer die EM für Österreich zu spielen. Noch so ein Traum, den er sich bald erfüllen kann.

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