Schnell auf ungewohntem Terrain: Anna Hahner tänzelt den Berg herunter.
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Schnell auf ungewohntem Terrain: Anna Hahner tänzelt den Berg herunter.

„Der Geist muss bereit sein“

Marathonläuferin Anna Hahner meldet sich zurück: Nüsttalerin gewinnt den Kaiserkrone Speedtrail

Nach eineinhalb Jahren Wettkampfabstinenz läuft Anna Hahner beim Kaiserkrone Speedtrail in Tirol nach 2:20:16 Stunden als erste Frau über die Ziellinie. Nur acht Männer waren schneller als die gebürtige Nüsttalerin.

Kaisergebirge - 20,4 Kilometer und 1400 Höhenmeter galt es in der wunderschönen Landschaft für die Läuferinnen und Läufer zurückzulegen. Ob man bei der Geschwindigkeit noch ein Blick für die tolle Kulisse hat? „Auf jeden Fall“, sagt die 31-Jährige. „Das, was die Zuschauer bei einem Straßenlauf sind, war für mich bei dem Traillauf die Natur. Sie pusht mich und gibt mir extra Energie.“

Dass Anna Hahner mit ihrer Marathonbestzeit von 2:26:44 Stunden schnell laufen kann, steht außer Frage, dass sie die Geschwindigkeit aber auch auf den technisch anspruchsvollen Trails umsetzen konnte, war eine kleine Überraschung. „Ich habe in den letzten Tagen viel mit erfahrenen Trailläufern gesprochen und mir Tipps geben lassen, wie ich downhill die Geschwindigkeit mitnehmen kann. Es ist ein ganz anderes Laufen als auf der Straße, da es ständig Rhythmuswechsel gibt. Ich habe die Arme ausgebreitet wie eine Seiltänzerin und bin den Berg runter getänzelt.“ (Lesen Sie hier: Traum von Olympia - Hahner-Twins bereiten Frühjahrs-Marathon vor)

Fulda: Marathonläuferin Anna Hahner gewinnt den Kaiserkrone Speedtrail

Wie es kommt, dass sie in diesem Frühjahr an keiner Marathonstartlinie stand und stattdessen jetzt ihren ersten Trailwettkampf gelaufen ist, dafür hat die Nüsttalerin (Kreis Fulda) eine einfache Erklärung. „Das letzte Jahr war ziemlich zermürbend für mich mit angefangenen und nicht bis zur Startlinie beendeten Marathonvorbereitungen. Ich habe gemerkt, wie mein Geist im Frühjahr plötzlich müde war und ich im Training die Leichtigkeit verloren habe. Ich habe offen darüber mit meinem Trainer Dan Lorang gesprochen und er hat mir das geschenkt, was ich benötigt habe. Verständnis, Offenheit und Freiheit in meinem Training“, beschreibt Anna Hahner die letzten Monate. „Wenn man ganz vorne mitlaufen möchte, muss man bereit sein, im Training immer wieder an seine Grenzen zu gehen. Es reicht nicht, wenn der Körper nur fit ist, der Geist muss mindestens genauso bereit sein. Und das ist er nun wieder. Ich habe es richtig genossen, mich am Berg zu pushen und mich mit den anderen Läufern zu challengen.“

Wenn man Anna und ihrer Schwester Lisa auf Instagram (@hahnertwins) folgt, konnte man in den letzten Monaten beobachten, dass Lisa weiterhin ihre Trainingseinheiten auf der Straße absolviert hat und es von Anna immer mehr Gipfelbilder aus den Chiemgauer Alpen gab. „Ich habe trainiert, ohne konkretes Ziel vor Augen und immer auf mein Herz hörend, und das hat mich in die Berge gezogen“, beschreibt sie ihre Gefühlslage in den letzten Monaten.

Der entscheidende Impuls zu einem Wettkampf kam letzte Woche nach einem Quarter-Everesting-Event für die Kilian-Jornet-Foundation, zu dem sich Anna Hahner bereit erklärt hatte, mit dem Trailläufer Marcel Höche zu starten. 2200 Höhenmeter haben die beiden dort gemeinsam zurückgelegt und Geld für den guten Zweck gesammelt. „Hinterher hat mich Marcel gefragt, ob ich nicht beim Speedtrail am Samstag in Tirol starten möchte. Ich sei ‚sau guad’ den Berg hochgelaufen und so ein Traillwettkampf würde mir sicherlich sehr viel Spaß machen“, berichtet Anna von der Initialzündung. Dass sie künftig ausschließlich bei Trailruns an der Startlinie stehen wird, schließt sie allerdings ebenso aus wie dass es ihr erster und letzter Trailrun war.

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