Vor zwölf Jahren brach Marius Grösch (27) auf, um die Fußballwelt zu erobern (hier ein Foto aus dem Jahr 2015).
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Vor zwölf Jahren brach Marius Grösch (27) auf, um die Fußballwelt zu erobern (hier ein Foto aus dem Jahr 2015).

Zurück in die Heimat

Innenverteidiger Marius Grösch verlässt Carl-Zeiss Jena - Wechsel nach Fulda zur SG Barockstadt

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Vor zwölf Jahren brach Marius Grösch (27) auf, um die Fußballwelt zu erobern. Bei Carl-Zeiss Jena wurde der Eichenzeller Profi und Leistungsträger. Nun wechselt der Innenverteidiger zur SG Barockstadt. Ein Win-Win-Geschäft.

Fulda - „Du bist ja ein Jenaer Junge. Du gibst immer alles. Da verzeihe ich dir den einen oder anderen Fehler.“ So, sagt Marius Grösch, sei ihm ein Anhänger in einer schlechten Phase einmal gegenübergetreten. Der 27-Jährige genießt im Lager des thüringischen Traditionsclubs einen einwandfreien Leumund - und im Verein ebenfalls. Den verlässt er durch die Vordertüre: „Tadelloser Sportsmann, reflektiert, mit Blick über den Fußball hinaus. Ein Abgang, der sportlich schmerzt“, sagte FCC-Geschäftsführer Chris Förster gestern. Auf Spieler wie Grösch stehen Fans und Vereine. Nicht 100 Prozent für den Teamerfolg geben? So etwas kennt Grösch nicht. Zumindest nicht von sich. Er spielt Fußball mit Hingabe und Leidenschaft. Schon immer.

Dem Traum „Profifußball“ ordnete er früh viel unter, verließ das Elternhaus in Eichenzell mit 15. Er hätte früher gehen können. Jena hatte bereits zwei Jahre zuvor angeklopft. Im Nachhinein, sagt er, war es richtig zu warten. Grösch sagt ebenfalls, dass er später den richtigen Zeitpunkt erwischte. Beim richtigen Verein. Schulische und fußballerische Ausbildung seien Hand in Hand gegangen, Internat und Sportanlage nur einen Steinwurf voneinander entfernt gewesen.

Fulda: Innenverteidiger Marius Grösch verlässt Carl-Zeiss Jena - Wechsel zur SG Barockstadt

Und Grösch, der Defensivspezialist, entwickelte sich schnell, spielte Junioren-Bundesliga, wurde Kapitän der A-Junioren. Parallel schloss er die Schule ab - und setzte fortan auf den Fußball. Er etablierte sich bei Carl-Zeiss. Spielte bereits im letzten A-Junioren-Jahr 18-mal in der Herren-Regionalliga. Da geht vielleicht noch mehr, dachte er.

Mit 21 Jahren wagte er den Sprung nach Kaiserslautern. Noch so ein Traditionsclub. Noch so einer, der den Ansprüchen des Umfelds derzeit nicht gerecht werden kann. Doch damals war noch nicht alles verloren. In der Zweiten Liga spielte die erste Mannschaft, an die wollte er sich heranpirschen. Ohne Erfolg. „Manchmal braucht’s ein bisschen Glück. Einen Trainer, der auf dich setzt. Oder aber auf dich setzen muss, weil vielleicht zwei Innenverteidiger ausfallen. Das Glück hatte ich nicht“, sagt er im Nachgang. Er spielte stattdessen in der zweiten Mannschaft. War Stammspieler. Wieder war die Regionalliga, diesmal Südwest statt Nordost, seine sportliche Heimat.

Marius Grösch: Manchmal braucht’s ein bisschen Glück. Einen Trainer, der auf dich setzt.

Doch das Kapitel endete diesmal bereits nach zwei Jahren. Erstmals beschäftigte er sich damit, den Profifußball zugunsten einer beruflichen Laufbahn aufzugeben. Früher an später denken war seit jeher sein Motto. Doch Mark Zimmermann, schon sein A-Junioren-Coach und inzwischen zum Senioren-Trainer befördert, machte Grösch klar, dass er ihn haben wolle. Also auf ein Neues. Um eine Erfahrung reicher und um seine heutige Frau glücklicher. Die hatte Grösch in seiner Lauterer Zeit kennengelernt. Sie ließ viel hinter sich und zog mit ihm gen Jena. Dafür ist der 27-Jährige dankbar. (Lesen Sie hier: Hessischer Schützenverband beklagt Mitglieder-Rückgang wegen Corona - „Interesse am Schießsport geht verloren“).

Grösch hatte Glück, denn Jena stieg nach seiner Unterschrift in die Dritte Liga auf. „Und plötzlich hast du jede Woche ein Regionalliga-Topspiel“, sagt er heute. Drei Jahre gehörte er zu den Stammkräften in einer, wie er sagt, „geilen Liga“, in der sich Traditionsclubs die Klinke in die Hand geben. Grösch entwickelte sich zu einem Führungsspieler. Auf dem Platz lautstark mit klaren Kommandos und harter Zweikampfführung, neben dem Platz bodenständig und stets ein Ohr an den Fans, die nicht selten das gut 10.000 Zuschauer fassende Ernst-Abbe-Sportfeld füllten und zu einem Tollhaus verwandelten. Grösch behielt stets kühlen Kopf. Nicht einmal flog er in seiner Zeit im Herrenfußball vom Platz. Für einen Verteidiger außergewöhnlich.

Marius Grösch verlässt Carl-Zeiss Jena: Barockstadt-Vertrag dauert drei Jahre

Doch in der ersten von Corona geprägten Saison war Jena nicht mehr zu retten, stieg sang- und klanglos ab. Mit Barockstadt stand er längst in Kontakt. Doch so wollte er nicht gehen, blieb noch ein weiteres Jahr, in dem er kaum spielte. Wegen Corona. Eine letzte Partie soll folgen. Gegen Meuselwitz will er das fünfte Mal den Thüringenpokal gewinnen. Als krönenden Abschluss. Seine Frau trat hingegen bereits im vergangenen Jahr einen Job in Fulda an. Sie war längst Vorhut für seinen Wechsel. Grösch bewarb sich parallel, bekam eine Ausbildungsstelle zum Verwaltungsfachwirt, die er alsbald in Fulda antreten wird. Drei Jahre dauert diese - so lange gilt der Barockstadt-Vertrag.

Für Grösch der richtige Zeitpunkt. Mal wieder. Schließlich heißt Profifußballer in Liga drei oder vier nicht, dass ein Spieler ausgesorgt hat. „Wenn du normal lebst, so wie ich, dann kannst du als Drittligaspieler ein paar Euro beiseitelegen und ganz gut leben. Mehr nicht“, sagt Grösch. Aber die Zeit als Profi hat ihm eine Menge gegeben. Der Blick zurück ist ein durchweg positiver. Nun will er sesshaft werden. In Eichenzell, da wo alles begann. Er will sich um die Familie kümmern, die ihn so oft unterstützt hat. Und er will mit Barockstadt sportliche Ziele verwirklichen. Darauf freut er sich. Auf die Mitspieler. Auf die Fans. Und vielleicht auf die Regionalliga.

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