Maximilian Jäger auf dem Hightec-Arbeitsgerät unterwegs.
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Maximilian Jäger auf dem Hightec-Arbeitsgerät unterwegs.

„Umklassifizierung war Schock“ 

Paracycler Maximilian Jäger zurück in Weltspitze - großes Ziel Paralympics 2024 in Paris

  • Angelika Kleemann
    VonAngelika Kleemann
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Maximilian Jägers Traum von den Paralympics endete jäh. Der Paracycler aus Bad Brückenau wurde vor Tokio umklassifiziert. Die Erfolge blieben aus. Jetzt ist der 22-Jährige zurück. Bei der WM im August in Kanada strebt er zwei Medaillen an. 

Fulda/Bad Brückenau - Die Hiobsbotschaft ereilte ihn kurz vor der WM im Juni 2021 in Portugal. Als zweifacher Vize-Weltmeister im Paracycling angereist, galt Maximilian Jäger, dessen linke Körperhälfte aufgrund eines vorgeburtlichen Schlaganfalls teilweise gelähmt ist, als heißer Medaillenanwärter in der Startklasse T1. 

Die Para-WM sollte nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zu den Paralympics in Tokio sein. Jägers Teilnahme galt als sicher, lediglich seine Startklasse T1 für Athleten mit den größten Einschränkungen musste von einem internationalen Klassifizierungsteam bestätigt werden. Fehlanzeige.

Fulda: Maximilian Jäger zurück in Weltspitze - Ziel Paralympics 2024 in Paris

„Ich wurde zwei Tage vor dem Zeitfahren in die Startklasse T2 umklassifiziert, obwohl ich die gleichen Unterlagen eingereicht hatte wie 2019“, berichtet Maximilian Jäger. „Das war ein Schock“, gesteht der Renndreiradfahrer. Er fügte sich in sein Schicksal. „Was hätte ich machen sollen?“ 

Mit der Situation musste der junge Mann erst einmal zurechtkommen. Die Konkurrenz war nun größer, trotzdem zeigte Jäger mit Platz sechs in beiden Rennen eine solide Leistung. Doch er ist ein Kämpfer und besitzt ein unglaubliches Talent. „Ich habe im Winter so hart gearbeitet“, blickt der Gymnasiast zurück, der am paralympischen Stützpunkt in Cottbus trainiert. 

Die harte Arbeit und die Quälerei haben sich gelohnt. Jäger ist in der T2 dort angekommen, wo er vor einem Jahr in der T1 stand. Ganz oben. Im Mai wurde Maximilian Jäger in Oberösterreich Europameister im Zeitfahren und Vize im Straßenrennen. Bei den Weltcups fährt er regelmäßig auf das Podest.

Bei der Para-WM im August in Kanada sollen es auf jeden Fall zwei Medaillen werden: „Bronze oder mehr“, hat er sich fest vorgenommen. Genauso konsequent, wie er den Sport betreibt, arbeitet er für seine berufliche Zukunft. „Maxi“ fühlt sich als Profisportler.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Besser geht es nicht“, frohlockt er. Ein zweites Standbein will er auf jeden Fall haben und hat große Pläne. Im Cottbuser Internat strebt Maximilian Jäger 2023 das Fachabitur an. Wegen der immensen Ausfallzeiten in der Schule aufgrund von Trainingslagern und Wettkämpfen wird die Schulzeit für die Leistungssportler um 2 auf 14 Jahre gestreckt.

Video: „Man muss sich anpassen, um dorthin zu gelangen, wo man hinwill“

Nach dem Abi plant der Bad Brückenauer, ein Soziales Jahr abzuleisten, nach Möglichkeit am Stützpunkt, um dann in Potsdam angewandte Sportwissenschaften mit der Spezialisierung Leistungs- und Spitzensport zu studieren.  Viel Zeit für Hobbys bleibt ihm bei seinem Trainingspensum und der Schule nicht.

„Wenn ich mal frei habe, treffe ich mich mit Freunden“, berichtet er. Seine Familie in Bad Brückenau habe er nach Pfingsten mal für eine Woche besucht, im RC 07 Fulda sei er aber noch passives Mitglied. Ein Ziel hat er ganz oben auf seinem Zettel: die Paralympics. 2024 in Paris möchte sich Maximilian Jäger seinen Traum erfüllen, dann in der T2.