Osthessen sorgen für Schlagzeilen

Fuldas erste Weltmeister: Motorsportler Karl Remmert und Willi Faust holen 1955 Titel im Gespannfahren

Vor 65 Jahren, genau am 20. April 1956 – es war ein Freitag –, kam der aus Silges gebürtige Karl Remmert ums Leben. Straßenschilder in dem Nüsttaler Ortsteil, aber auch in Fulda erinnern an ihn, der mit seinem Freund Willi Faust im Motorrad-Rennsport für Schlagzeilen sorgte.

Silges/Fulda - Beide gewannen seinerzeit die Weltmeisterschaft im Gespannfahren und gehören zu den mit Abstand größten Motorsportlern, die Osthessen je hervorgebracht hat. Nachdem Remmert sich als legendärer Beifahrer seines Freundes, dem Bimbacher Willi Faust, am 16. Juli 1955 beim Weltmeisterschaftslauf im holländischen Assen den vorzeitigen WM-Sieg sicherte, bescherten den ersten Weltmeistern der Region 15.000 Menschen einen frenetischen Empfang in der Barockstadt Fulda. Damals ahnte niemand, dass es der letzte große Erfolg von Remmert gewesen sein sollte.

Remmert erblickte im Januar 1925 in Silges, wo er aufwuchs, das Licht der Welt. Er war humorvoll und trug regelmäßig zur Volksbelustigung bei. Der Geländefahrer war ein begeisterter Motorsportler und später ein ausgefuchster Beifahrer, der mit waghalsigen Manövern die Massen in seinen Bann zog.

Karl Remmert und Willi Faust: Weltmeister von 1955 gehören zu Osthessens größten Motorsportlern

Da hatte er bereits den Fuldaer Willi Faust kennengelernt - beide waren erst zuvor aus dem Krieg zurückgekehrt. In der Schlosserei Schüler in der Frankfurter Straße in Fulda bastelten sie eifrig an Zweiradmaschinen. Faust war da bereits als Solofahrer sehr erfolgreich. 1951 gingen beide als Ausweisfahrer im Seitenwagen in Kassel an den Start, 1952 wechselten sie ins Lager der Lizenzfahrer.

Die Seitenwagenfahrer Willi Faust und Karl Remmert am Rande des Rennens in St. Wendel.

Ermutigung fanden ihre tollen sportlichen Erfolge durch die damalige Fuldaer Motorsportlegende Hans Kahrmann, der BMW in München von Faust/Remmerts Qualitäten überzeugte. Daraufhin bekamen beide eine BMW-Seitenwagenmaschine, wenn auch nur ein Serien-Motorrad. Mit diesem verwiesen sie kurz darauf – bei Sprühregen auf dem Schottenring im Vogelsberg – die bis dahin gehandelten Favoriten auf hintere Plätze.

Fuldaer Freunde von Faust und Remmert fuhren seinerzeit mit ihren Fahrrädern nach Schotten, um sich gemeinsam das Motorsportspektakel mit weiteren 175.000 Motorsportbegeisterten anzuschauen. Dabei wirkte Remmert beim sich Herauslegen aus dem Beiwagen oft waghalsig. Zuweilen nur wenige Zentimeter huschte sein Kopf an Gegenständen – wie etwa Bäumen – vorbei.

Die WM 1955

Spanien (1. Mai): Sieg von Faust Remmert im Montjuic-Park in Barcelona. Noll/Cron waren nicht angetreten.

England (8. Juni): Faust und Remmert fallen nach Zusammenstoß bei der Tourist-Trophy auf der Isle of Man genau wie Noll/Cron aus.

Deutschland (26. Juni): Auf dem Nürburgring fahren die Fuldaer den zweiten Sieg vor Noll/Cron heraus.

Belgien (3. Juli): Faust/Remmert legen als Zweite Protest ein, weil das Rennen in Spa-Francorchamps eine Runde zu früh abgewinkt wurde und sie deshalb nicht wie geplant die Sieger Noll/Cron in der letzten Runde überholen konnten. Das Rennen wird erst später ganz normal gewertet.

Holland (16. Juli): Die Fuldaer siegen, nachdem sie Noll/Cron in der letzten Runde in Assen überholten.

Italien (4. September): Faust/Remmert fallen in Monza aus, Noll/Cron gewinnen. Der Weltmeister-Titel war den beiden Fuldaern aber schon vor dem Rennen nicht mehr zu nehmen. / sar

Meist mit eingeschlagenem Vorderrad (im Sandbahn- oder Speedway-Stil) sind beide um die Kurven gedriftet und konnten oft dort ihre Gegner abhängen. Aufgrund ihres Punktevorsprungs holten sie sich bei großer Hitze am 16. Juli 1955 im holländischen Assen vorzeitig den Weltmeistertitel. Da waren sie bereits Deutscher Meister.

Das Gespann fuhr nationale und internationale Rennen. Um sich mit den Fahrverhältnissen eines neuen BMW-Gespanns vertraut zu machen, unternahmen sie am 18. April 1956 auf dem Hockenheimring Versuchsfahrten. BMW versprach dem Erfolgsduo eine eigens angefertigte Maschine für die neue Saison. Doch bei der ersten Testfahrt bei etwa 200 Stundenkilometern verunglückten sie am 20. April auf dem Hockenheimring schwer. Remmert wurde aus dem Beiwagen geschleudert, knallte in einen Drahtzaun und war sofort tot. Faust überlebte schwer verletzt. (Karl-Heinz Burkhardt)

Rubriklistenbild: © Heinz Dupont/classic-motorrad.de

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