Gähnende Leere im Sportbad Ziehers. Das wird vorerst so bleiben; es gibt keine Pläne, das Bad zeitnah zu öffnen.	(Archivfoto)
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Gähnende Leere im Sportbad Ziehers. Das wird vorerst so bleiben; es gibt keine Pläne, das Bad zeitnah zu öffnen. (Archivfoto)

Wasserfreunde-Vorsitzender im Interview

Keine Pläne für Hallenbäder-Öffnung in Fulda in Sicht: Das droht den Schwimmern

  • Laurenz Hiob
    vonLaurenz Hiob
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In Osthessen droht eine erneute Phase, in der Wasserratten auf dem Trockenen liegen: Während die ersten Hallenbäder längst schon wieder geöffnet haben, gibt es in Fulda noch nicht mal entsprechende Pläne.

  • Das Wasser im Rosenbad ist für den jüngeren Nachwuchs der Wasserfreunde zu kalt, weshalb sie nicht trainieren können.
  • Das sorgt für Unmut beim Wasserfreunde-Vorsitzenden Erik Bott.
  • Doch noch gibt es in Fulda keine Pläne für die Öffnung der Hallenbäder.

Fulda/Hünfeld - Das ist bitter in zweierlei Hinsicht: Das aktuelle Angebot an Schwimmkursen ist überschaubar. Bei den Wasserfreunden Fulda beispielsweise, dem größten Schwimmverein in der Region, liegt das Schwimmenlernen derzeit sogar auf Eis.

Außerdem kann der jüngere Nachwuchs kaum oder teilweise gar nicht trainieren: Intensives Arbeiten im Wasser fällt trotz zeitweise extremer Außentemperaturen flach. „Für unsere Kleinsten ist es im Freibad zu kalt“, stellt WFF-Vorsitzender Erik Bott klar und denkt dabei einerseits an die Wassertemperaturen und andererseits die Phasen, in denen der Nachwuchs am Beckenrand geschult wird. „Da kühlen die kleinen Körper schnell aus“, sagt Bott.

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Nachwuchs der Fuldaer Wasserfreunde kann kaum trainieren - Wann öffnen Hallenbäder?

Ins gleiche Horn stößt beispielsweise der Fuldaer Mediziner Dr. Roman Veith, selbst Vater schwimmbegeisterter Kinder. Der ärztliche Leiter des Bad Hersfelder Nierenzentrums sieht sogar das Wohl der Kinder gefährdet. Eitrige Mittelohr- oder gar Lungenentzündungen könnten akquiriert werden, schrieb der Arzt Ende Juni an die Redaktion und forderte unmissverständlich die „sofortige Öffnung eines Hallenbads“.

Erik Bott, Vorsitzender der Wasserfreunde Fulda, erklärt, warum der Nachwuchs nicht im Rosenbad trainieren kann.

Passiert ist seitdem – nichts. Auf eine Anfrage der Sportredaktion reagierte die Pressestelle der RhönEnergie nebulös. Sieben Fragen stellten wir dem Betreiber der städtischen Bäder. Die Antwort kam innerhalb einer halben Stunde, umfasste nur drei Sätze: Die RhönEnergie sieht sich „derzeit außerstande einen verbindlichen Öffnungstermin für die Öffnung der Fuldaer Hallenbäder zu nennen“. Das Unternehmen müsse „hier aus übergeordneten Gründen verantwortungsvoll ,auf Sicht fahren‘ und kurzfristiger entscheiden als in normalen Jahren“.

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Wann Hällenbäder öffnen ist unklar - Fiasko wie vor der Öffnung der Freibäder droht

Der regionale Energieversorger hielt sich bedeckt, ob es diesbezüglich aktuell Überlegungen gibt. Die Frage, ob es Gedankenspiele gebe, zumindest eines der beiden Hallenbäder zu öffnen, wurde nicht beantwortet. Ein Hygienekonzept für die Hallenbäder, das unabdingbar ist, wird wohl nicht erarbeitet.

So droht den Fuldaer Vereinsschwimmern und den allgemeinen Badegästen ein ähnliches Fiasko wie bei der Öffnung des Freibads: Am 20. Mai hatte die Landesregierung verkündet, dass es Vereinen ab 1. Juni möglich sein soll, Schwimmbäder zu nutzen. Tatsächlich geöffnet wurde das Rosenbad erst drei Wochen später am 22. Juni – mit Hygienekonzept und begrenzter Besucherzahl.

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Dass die RhönEnergie bezüglich der Hallenbäder vorläufig „auf Sicht fährt“, heißt im Umkehrschluss, dass erstens keine baldige Öffnung zu erwarten ist. Zweitens scheint kein nahtloser Übergang von Frei- zu Hallenbad gewährleistet. Wenn’s für die Wasserratten in Osthessen ganz blöd läuft, schließt das Rosenbad im September, ohne dass ein Hallenbad paratsteht. Noch nicht einmal diesbezüglich vermochte die Pressestelle Hoffnung zu machen. Die Pressestelle der Stadt Fulda ließ eine ähnliche Anfrage gänzlich unbeantwortet.

Wie läuft das Training im Rosenbad?
Es ist leider so, dass die Trainingszeiten sehr begrenzt sind, was das Trainings stark einschränkt. Vor allem für die Jüngsten ist ein Termin nach 19.30 Uhr einfach zu spät. Ansonsten sind die meisten Gruppen wieder im Training, inklusive der Leistungs- und Trainingsgruppen sowie der Wasserballer, Synchronschwimmer, Masters und Triathleten. Für die jüngsten Schwimmer ist das Rosenbad leider zu kalt.
Gab es schon Probleme mit den Corona-Maßnahmen?
Wir halten uns strikt an die Vorgaben des Betreibers und des DSV. Das klappt alles prima. Auf den Bahnen mit dem Kreisverkehr läuft es sehr gut. Es ist ja ausreichend Platz vorhanden im Wasser. Alle Übungsleiter mussten eine Onlineschulung des Betreibers und einen anschließenden Test durchlaufen, um für die Aufgabe im Freibad Rosenau qualifiziert zu sein.
Warum denken die Wasserfreunde trotz der 30 Grad Lufttemperatur jetzt schon ans Hallenbad?
Wir haben unsere kleinen Schwimmer stets ausschließlich im Stadtbad betreut. Es ist ja nicht immer heiß und Freibadwetter. Das Wasser im großen Becken ist manchmal nur 21 Grad warm – zu kalt für Kinder, die zudem nicht an 50-Meter-Bahnen gewöhnt sind. Für die Schwimmkurse brauchen wir ein flaches Becken. Die Kurse sind wichtig, aber unsere Warteliste wächst und wächst und wächst!

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