Das Sportgericht: Marius Kokel, Hendrik Brönnecke, Vorsitzender Horst Holl und Hans-Dieter Köhler.
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Das Sportgericht: Protokollant Marius Kokel (von links), Beisitzer Hendrik Brönnecke, Vorsitzender Horst Holl und Beisitzer Hans-Dieter Köhler.

Freispruch für Sascha Behnsen

Kurios: KN-Redakteur wird vor Sportgericht vom Zeugen plötzlich zum Beschuldigten

  • Johannes Götze
    VonJohannes Götze
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Mit einem Freispruch gegen Sportredakteur Sascha Behnsen von den Kinzigtal Nachrichten (KN) und Schiedsrichter Pascal Filges (VfB Friedberg) ist das gestrige Sportgerichtsverfahren in Hosenfeld zu Ende gegangen. 

Hosenfeld - Gleichzeitig wurden der Verein SG Freiensteinau sowie Schiedsrichter Kevin Hühn (SC Dortelweil) verurteilt. Verhandelt wurden Vorwürfe aus dem Gruppenliga-Spiel im Landkreis Fulda zwischen der SG Freiensteinau und dem FV Horas (0:4) am 25. Oktober 2020.

1. Die Ausgangslage: In dem Spielbericht der Kinzigtal Nachrichten vom 26. Oktober 2020 hieß es auszugsweise: Skandalös war die Leistung des Schiedsrichtergespanns jedoch nicht wegen der falschen Abseitsentscheidung beim ersten und der strittigen Strafstoßentscheidung beim zweiten Treffer, sondern wegen des Auftritts von Linienrichter Kevin Hühn vom SC Dortelweil.

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Dieser fuhr erst ohne Not den ausgewechselten Freiensteinauer Mannschaftskapitän Sebastian Krieg („Halt’ gefälligst die Klappe!“) an und bezeichnete im selben Atemzug die Freiensteinauer, abermals ohne Anlass, als „Idioten“ . In der Halbzeitpause, so erklärten Freiensteinauer Offizielle, sei es auf dem Weg in die Schiedsrichterkabine zu weiteren Beleidigungen gekommen; wohlgemerkt aus Reihen des Gespanns.

Assistent Hühn war weit davon entfernt, Unrechtsbewusstsein zu entwickeln. Genüsslich buchstabierte er der Presse seinen Namen in den Block und blickt auch der von Freiensteinau angekündigten Verbandsbeschwerde gelassen entgegen: „Mir kann eh nichts passieren!“

2. Die Vorwürfe: Schnell landete der Spielbericht des Schiedsrichters bei Horst Holl (SV Rotenburg). Der Vorsitzende des Regionalsportgerichts forderte den Verein SG Freiensteinau zu einer Stellungnahme auf, in der insbesondere die Schiedsrichter-Assistenten Kevin Hühn (soll Freiensteinaus Kapitän Sebastian Krieg während des Spiels als „Idiot“ bezeichnet haben) und Pascal Filges in einem zweiseitigen Brief beschuldigt worden waren.

Pascal Filges soll mit der Aussage drohend gewirkt haben, dass sich sein Vater – ebenfalls Schiedsrichter und seinerzeit für das dann pandemiebedingt ausgefallene nächste Heimspiel der SG Freiensteinau angesetzt – auf jenes bestimmt freuen würde.

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Zudem meldete sich Sascha Behnsen, Sportredakteur der Kinzigtal Nachrichten und Reporter vor Ort, telefonisch bei Holl und teilte diesem mit, dass er bereit stünde, bei einer mündlichen Verhandlung als Zeuge auszusagen. Er hatte sich, wie im oben genannten Auszug zu lesen, über das Verhalten des Schiedsrichter-Assistenten Hühn echauffiert.

3. Die Ladung: Durch die neuerliche Pause aufgrund der Corona-Pandemie zog sich die Ladung für das mündliche Verfahren über Monate hin – und erhielt eine erstaunliche Wendung: Denn am 7. Juni 2021 teilte Hühn Holl in einem Telefonat mit, dass Zeuge Behnsen ihn bei der Arbeit gestört habe. Hühn habe Behnsen daraufhin aus dem Innenraum verwiesen.

Holl leitete in der Folge gegen den ursprünglichen Zeugen Behnsen ebenfalls ein Verfahren ein. Zuvor hatte der Name Behnsen nie zur Diskussion gestanden. Vielmehr stand in Hühns ursprünglicher Stellungnahme, dass sich ein „Mann von der Presse“ im Innenraum aufgehalten habe, um Fotos zu machen.

Dieser hätte seinen, Hühns, Namen wissen wollen, ihn später als „blind“ bezeichnet und Beschwerde angekündigt. Zudem habe er nach dem Spiel im Beisein von Freiensteinaus Trainer Heiko Breitenberger mehrmals mit dem Finger auf ihn gezeigt (Lesen Sie hier: Vorläufiger Spielplan für Fußball-Hessenliga steht - SG Barockstadt Fulda gegen Flieden zum Start).

Bei dem Spiel waren mindestens zwei weitere Pressevertreter vor Ort. Kurzzeitig Fotograf Ottmar Schleich für die Kinzigtal Nachrichten sowie Rainer Michelmann als Fotograf und Berichterstatter in Personalunion für den Lauterbacher Anzeiger. Keine Stellung wollte Holl in der Verhandlung dazu nehmen, wie Hühn plötzlich Behnsen als denjenigen benennen konnte, den er zuvor als „Mann von der Presse“ namentlich nicht zuzuordnen wusste.

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4. Das Urteil: Hühn wurde in Abwesenheit verurteilt. Er hatte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht, durch die er jedoch nicht als verhandlungsunfähig galt. Für das Sportgericht ließen die Aussagen von Vertretern des FV Horas, Sebastian Krieg und Rainer Michelmann, offensichtlich keinen anderen Schluss zu, als dass Hühn Krieg als „Idioten“ bezeichnet hatte.

200 Euro Strafe wurden ihm auferlegt, dazu ist er bis 4. September als Schiedsrichter gesperrt. Pascal Filges, minderjährig und begleitet von seinem Vater, wurde freigesprochen. Zu seiner Aussage stand er, sagte jedoch aus, dass es sich dabei nicht um eine Bedrohung, sondern um eine wertfreie Aussage gehandelt habe. 

Die SG Freiensteinau bekam neben 100 Euro Strafe wegen des Fernbleibens eines Vereinsoffiziellen weitere 300 Euro Strafe aufgebrummt – vor allem wegen fehlender Ordner. Dazu muss die SG zwei Drittel der Verfahrenskosten tragen, ein Drittel geht zu Lasten des SC Dortelweil, für den Hühn pfeift. Hühn und die SG Freiensteinau können Rechtsmittel einlegen. 

Für Sascha Behnsen endete das Verfahren folgenlos: Er selbst gab an, dass er niemals im Innenraum gewesen sei und zudem bereits nach 80 Minuten den Ort des Geschehens verlassen habe. Alle Zeugen sagten aus, Sascha Behnsen überhaupt nicht im Innenraum und schon gar nicht mit einer Kamera oder aber nach Spielende in der Nähe von Breitenberger gesehen zu haben.

Vielmehr erklärte beispielsweise Schiedsrichter Fabian Boy, der das Spiel geleitet hatte, Rainer Michelmann im Schlepptau von Breitenberger gesehen zu haben. Behnsen wurde freigesprochen. Die offensichtliche Verwechslung, die bereits nach genauer Aktensicht im Vorlauf des Verfahrens hätte erkannt werden müssen, räumte das Sportgericht nicht ein. Eine Entschuldigung blieb aus, vielmehr sprach das Sportgericht Behnsen einen Tadel wegen fehlender Kooperation aus.

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