Rollstuhlsbasketball: Die „Rhön-Wheels“ aus Fulda.
+
Eiman Bajelan (von links), Jochen Marschall, Daniela Marschall, Christoph Dickow und Thomas Klein sind auf dem Feld ein eingespieltes Team. Und auch neben dem Platz verstehen sie sich super. Es fehlen Marion und Werner Hahn.

„Rhön Wheels“

Rollstuhlbasketballer aus Fulda seit 2015 aktiv - „Blasen werden am Ende gezählt“

  • Celina Lorei
    VonCelina Lorei
    schließen

Die Rhön Wheels sind eine Fuldaer Hobby-Basketballmannschaft, bestehend aus sieben Spielern. Schnell und wendig flitzen sie über das Feld, werfen Körbe und klatschen sich anschließend begeistert ab. Das Besondere: Sie laufen nicht, sie sitzen in speziellen Sport-Rollstühlen.

Fulda - Als ich mich in den Sportstuhl sinken lasse, beschleicht mich zunächst ein unsicheres Gefühl. Jetzt übernehmen zwei etwas schräggestellte Räder, die ich mit meinem Oberkörper und der Kraft meiner Arme steuern muss, die Aufgaben meiner Beine. Schräggestellt deshalb, um wendiger zu sein und beispielsweise in Kurven nicht sofort umzukippen, erklärt Jochen Marshall.

Nach einem Verkehrsunfall verlor er beide Beine. „Zuhause rumliegen war für mich keine Option. Sport war schon immer ein großer Teil in meinem Leben. Wieso also plötzlich damit aufhören?“ Mittlerweile gebe es die verschiedensten Hilfsmittel, die körperliche Einschränkungen wunderbar ausgleichen. „Der erste Schritt muss jedoch im Kopf gemacht werden.“

Fulda: Rollstuhlbasketballer „Rhön Wheels“ sind seit 2015 aktiv

Schließlich wurde er auf die Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda (IGbFD) aufmerksam. Diese setzt sich schon seit Jahren für gehandicapte und im Rollstuhl sitzende Menschen ein. „Fulda ist leider immer noch ein weißer Fleck, was unter anderem Sport für Gehandicapte angeht“, weiß Marschall. Die IGbFD bietet selbst eine Sportgruppe an. Aus dieser kristallisierte sich 2015 schließlich die Basketballgruppe heraus.

Jeden Mittwoch trifft sich der harte Kern zum Training – bestehend aus Jochen und Daniela Marschall, Christoph Dickow, Thomas Klein sowie Eiman Bajelan, Marion und Werner Hahn. Dabei werden Wurftechniken, Geschwindigkeit, Wendigkeit und Spielzüge geübt. Generell weichen die Regeln beim Rollstuhl-Basketball kaum von den allgemeinen Regeln ab: Gespielt wird über ein ganzes 28x15-Meter-Feld auf zwei 3,05 Meter hohe Körbe. Die Spieldauer beträgt viermal zehn Minuten. Jeder Spieler darf fünf Fouls begehen, danach wird er bis zumEnde der Spielzeit vom Platz gestellt. (Lesen Sie auch: 3x3-Rollstuhl-Basketballer aus Fulda werden Zweiter und gewinnen Spezial-Luftpumpe)

Bei den Rollstuhlbasketballer gilt Gurtpflicht

Zudem gilt für alle Spieler eine Gurtpflicht. Diese ist zunächst eine Sicherheitsmaßnahme. Und da auch nicht gehandicapte Personen mitspielen dürfen, soll die Gurtpflicht für Gleichheit sorgen. Der Gurt verhindert das Aufstehen oder Verschaffen eines Größenvorteils.

Beim Körbewerfen aus dem Sportstuhl heraus gilt definitiv „Übung macht den Meister“. Nach circa einer Stunde und unzähligen Versuchen, den Korb zu treffen, habe ich es endlich geschafft, Stuhl, Ball und meine Bewegungen zu koordinieren – und lande meinen ersten Korb. Auch dank den wertvollen Tipps von Eiman Bajelan. „Wirf den Ball wie eine Sechs“ oder „Korrigiere die Stellung des Stuhls nochmal“, lauteten seine Ansagen.

Rollstuhlbasketballer Thomas Klein: „Blasen werden am Ende gezählt“

„Blasen werden am Ende gezählt“, sagt Thomas Klein lachend, als ich zum wiederholten Male auf meine Finger schaue. Diese wurden zwar in weiser Voraussicht von Eiman bandagiert, bitzeln dennoch ein wenig. Es zeigt sich also, Rollstuhlbasketball ist nicht zu unterschätzen. Armkraft ist gefragt. Und dabei ist der Sportstuhl bereits eine Erleichterung. „Mit normalen Rollstühlen wären die Bewegungen, die wir hier machen, gar nicht möglich“, weiß Marschall. Dank Spendengeldern konnte die Interessengemeinschaft mehrere Stühle anschaffen, aus dem Team hat mittlerweile fast jeder einen eigenen. „Ein Stuhl kostet locker mal zwischen 3000 und 6000 Euro. Eine Anschaffung will also gut überlegt sein“, sagt Marschall.

Eine gemeldete Mannschaft sind die Rhön Wheels jedoch nicht. „Das ist mit so viel organisatorischem Aufwand verbunden, dazu fehlt uns die Manpower“, erklärt Marschall. So müssten unter anderem ein Schiedsgericht sowie Anzeigetafeln für die Spieltage bereit stehen. Dennoch treten die Basketballer regelmäßig bei Freundschaftsturnieren an – mit Erfolg. Zuletzt belegten sie beim 3x3-Rolling-Streetball-Turnier in Heidelberg, bei dem auch Regionalligaspieler antraten, den zweiten von sieben Plätzen.

„Wir sind bislang gut rumgekommen“, erzählt Marschall. „Göttingen, Hannover, Bamberg oder Schweinfurt – es wird doch viel angeboten.“ Im Vordergrund stehe aber immer der Spaß. „Bei uns ist jeder willkommen, egal ob gehandicapt oder nicht.“

Das könnte Sie auch interessieren