Noch viel Potenzial: Schwimmer Louis Schubert hat Aufholbedarf im technischen Bereich.
+
Noch viel Potenzial: Schwimmer Louis Schubert hat Aufholbedarf im technischen Bereich.

17-jähriger Freigeist

Großes Talent, große Ziele: Schwimmer Louis Schubert will erst in die USA und dann zu Olympia

  • Johannes Götze
    VonJohannes Götze
    schließen

Für die Wasserfreunde Fulda war Louis Schubert (17) einst zu schlecht. Wenige Jahre später ist der Schwimmer siebenfacher Deutscher Jahrgangsmeister und träumt von Olympia. Wie passt das zusammen? Auf Spurensuche im Elternhaus in Eiterfeld-Leibolz.

Fulda - „Louis lebt auf der Sonnenseite des Lebens. Durch ihn erstrahlt ein Raum gleich heller, und das Glück steht ihm sowieso immer zur Seite“, sagt Nicole Schubert (45). Die Mutter des erfolgreichsten aktiven Schwimmers Osthessens münzt ihre Aussage nicht zuletzt auf Zufälle, die ihrem Sohnemann in die Karten spielten.

Gerade einmal sieben Jahre alt ist Schubert, da wird ihm ins Gesicht gesagt, dass er für Fußball kein Talent mitbringt. Vater Marcel (41) akzeptiert das ohne Umschweife und schleppt ihn zur DLRG Eiterfeld. Unter Trainer Hartmut Quanz zeigt sich schnell, dass ein Talent durch das Schwimmbad in Eiterfeld (Landkreis Fulda) krault.

Fulda: Schwimmer Louis Schubert will von Leipzig in die USA und dann zu Olympia

Schnell folgt der erste Kreismeistertitel, etwas länger dauert es, bis Quanz feststellt: Der muss gefördert werden, das funktioniert hier nicht.  2014 folgt der Wechsel nach Hünfeld. Unter Frank León Pujol entwickelt sich Schubert. Doch drei Trainingseinheiten reichen nicht aus. Die Schuberts haben Kontakte nach Wetzlar, dort absolviert ihr Junior an den Wochenenden zusätzliche Einheiten.

Die Trainer sind sich einig, dass Louis Schubert noch deutlich intensiver gefördert werden muss. Nur wie? Bei den Fuldaer Wasserfreunden absolviert er Anfang 2016 ein Probetraining. „Damals war Sabine Käthner Cheftrainerin. Sie lehnte ihn ab“, berichtet Vater Marcel. Nur wenige Wochen später wird Schubert Süddeutscher Jahrgangsmeister. Der erste große Titel. 

Die Eltern befinden sich in einer Zwickmühle. „Marcel war die Woche über auf Montage, ich bin nach der Arbeit nach Hause gekommen und habe Louis zum Sport gefahren. Louis musste den Haushalt managen, war der Mann im Haus und Vaterersatz für seinen kleinen Bruder Lenn. Und am Wochenende hat Marcel die Fahrdienste übernommen. Wir haben uns als Familie gar nicht mehr gesehen“, berichtet Nicole. Keine einfache Zeit.

Schubert startet bei der Junioren-EM in Rom

572 Athleten aus 47 Ländern starten von Dienstag bis Sonntag in Rom. Deutschland entsendet 28 Aktive, die in der männlichen Jugend frühestens 2003 geboren sein dürfen.  „Das Stadion ist bombe, ich freue mich mega und bereit fühle ich mich sowieso“, sagt Louis Schubert.

Der Delfinschwimmer startet im legendären Freibad Foro Italico über 50 (Dienstag), 100 (Donnerstag)und 200 Meter (Samstag). Schubert zählt als 2004er-Jahrgang zu den jüngeren Athleten. Deshalb wäre eine Finalteilnahme bereits ein grandioser Erfolg

Allerdings weiß Schubert nicht annähernd, wo er im internationalen Vergleich steht. Über 200 ist am meisten möglich, Ziel ist das Finale. Dafür müsste er seine jüngst bei der Deutschen Meisterschaft aufgestellte Bestzeit von 2:01,05 Minuten wohl erneut verbessern.  Den deutschen Jahrgangsrekord für 17-Jährige hält seit 1981 „Albatros“ Michael Groß in 1:59,19 Minuten. Den Jahrgangsrekord für 15-Jährige hält Schubert selbst.

Der Familienrat tagt und legt fest, dass es so nicht mehr funktioniert. Entweder Louis geht in ein Internat, oder aber er schraubt das Pensum runter. Dann geht alles ganz schnell: Louis schwimmt in Leipzig vor, überzeugt vollends und zieht 2016 um. Aber gleichzeitig steigt die finanzielle Belastung: Einen fünfstelligen Betrag bringen die Schuberts pro Jahr für den Schwimmsport auf. Sieben osthessische Unternehmen unterstützen die Familie.

In Leipzig angekommen, kennt Louis kein Heimweh. „Er war immer ein Freigeist, wollte in jedes Ferienlager“, berichtet Nicole, die gut mit ihrem Sohn mitfühlen konnte, „weil ich selbst eine gute Leichtathletin war und vom Internat geträumt habe. Dann kam aber die Wende dazwischen, und für mich als Ostkind waren die Voraussetzungen damals plötzlich andere.“ 

Für Louis geht es hingegen fortan nur noch bergauf. 2018 wird er dreifacher Deutscher Jahrgangsmeister, 2019 gar vierfacher und stellt über seine Paradedisziplin 200 Schmetterling einen Jahrgangsrekord auf. Er vertritt Deutschland bei den EYOF, quasi Olympia für den Nachwuchs, in Baku und landet bei den offenen Deutschen Meisterschaften auf Rang vier – obwohl er noch zwei Jahre bei den Junioren starten darf. 

„Gerade bei Wettkämpfen ist Louis immer voll da, weil er permanent über den Punkt gehen kann, an dem es richtig anfängt zu schmerzen“, urteilt Vater Marcel über die vielleicht größte Qualität seines Sohns. Und 200 Meter Schmetterling ist oftmals purer Schmerz, wie Louis zugibt.

Video: Schwimmerin Caeleb Dressel bricht zwei Weltrekorde in einer Stunde

Gut 40 Kilometer reißt er in einer normalen Trainingswoche im Wasser ab. Verbrennt dabei so viele Kalorien, dass ihm die Trainer keinerlei Ernährungsvorgaben mit auf den Weg geben. Nur sagen, dass er doch gerne etwas zunehmen solle. Trotz Döner, Nudeln und Fisch als Lieblingsgerichte kein leichtes Unterfangen. 

Ab Dienstag startet Schubert  bei der Junioren-Europameisterschaft. Eine Zwischenstation? Zunächst einmal absolviert er ab August in Leipzig den Bundesfreiwilligendienst und möchte unter Paul Biedermanns Ex-Trainer die nächsten Schritte gehen. Am Horizont blitzt aber bereits die USA auf: Finanzierbar ist ein langfristiger Aufenthalt dort nur mithilfe eines Stipendiats.

Darauf hofft Schubert. Auf noch bessere Bedingungen. So gute, dass sie ihm das Rüstzeug für Olympia mit auf den Weg geben sollen. Vielleicht für 2024 in Paris. Vielleicht für 2028 in Los Angeles. Die Ziele sind gesteckt. 

Das könnte Sie auch interessieren