Harald Piaskowski.
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Harald Piaskowski.

Harald Piaskowski im Interview

„Vereine klagen über finanzielle Probleme“: Sportkreis-Chef über Corona, seine erste Amtsperiode - und die Zukunft

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Seine erste Amtsperiode hat Harald Piaskowski fast geschafft. Eine zweite kann sich der 61-jährige Vorsitzende des Sportkreises Fulda-Hünfeld gut vorstellen. Und vielleicht noch mehr.

Fulda - Ein schwieriges Corona-Jahr liegt hinter dem hiesigen Sport, ein nicht unbedingt einfacheres steht an. Sportkreisvorsitzender Harald Piaskowski gibt Auskunft über die Sorgen der Vereine, das bevorstehende 75-jährige Jubiläum des Sportkreises, seine „Praktikantenzeit“ und neue Herausforderungen.

Seit fast einem Jahr sind Vereinssport und Vereinsleben stark beschnitten beziehungsweise zum Erliegen gekommen. Was sind die größten Ängste und Sorgen, die die Vorstände an Sie herantragen?
Wir hatten kürzlich unsere Jugendvollversammlung im Sportkreis. DIGITAL! Und 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei. Genau diese Frage habe ich den Jugendvertretern gestellt. Und ich habe mitgenommen, dass man mit Online-Angeboten versucht, die Mitglieder an Bord zu halten. Verschiedene Vorstandsvorsitzende haben mir berichtet, dass sie einen Corona-bedingten Mitgliederschwund zu verzeichnen haben. Und einige Vereine mit eigener Infrastruktur klagen über finanzielle Probleme, weil durch ausfallende Feste und Wettkampfveranstaltungen die Einnahmen fehlen.
Ist der Mitgliederschwund groß?
Ich habe gehört, dass im Landessportbund Bayern im vergangenen Jahr über 82.000 Corona-bedingte Austritte registriert wurden. Belastbare Zahlen liegen mir weder für Hessen, noch den Sportkreis Fulda-Hünfeld vor. Aber es gibt Hinweise aus den Vereinen, dass sich die Austritte wegen des Corona-Stillstandes mehren. Durch die lange Pause mit zwei Shutdowns fürchten viele zudem, dass der Re-Start problematisch werden könnte, weil insbesondere junge Mitglieder sich andere Hobbies gesucht haben. Darin besteht eine weitere Gefahr für Kündigungen.
Kennen Sie Beispiele?
Ein Vorsitzender eines Fuldaer Vereins berichtete von 19 Abmeldungen (ca. 5 Prozent der Mitglieder) in 2020. In nachgewiesenen „Härtefällen“ habe der Verein auf den Beitragseinzug verzichtet, woraufhin die Kündigung zurückgezogen worden sei. Eine junge Mutter hat mir in den letzten Tagen mitgeteilt, sie müsse für ihre Tochter jeden Monat 40 Euro Beitrag berappen, aber seit fast einem Jahr finde kein Training mehr statt; die Fortsetzung der Mitgliedschaft müsse sie daher überdenken.

Fulda: Harald Piaskowski im Interview - „Vereine klagen über finanzielle Probleme“

Glauben Sie, dass der Sport durch den Lockdown großen Schaden genommen hat?
Neben den wirtschaftlichen und persönlichen Folgen durch die Corona-Krise leidet natürlich auch der Sport - und das ganz erheblich. Dass unsere Leistungssportler und Leistungssportlerinnen noch trainieren dürfen, hilft zumindest in diesem Bereich. Leider sind die Möglichkeiten aber doch auch hier eingeschränkt. Positiv finde ich, dass am Rosenmontag das Sportbad Ziehers wieder für den Schul- und Leistungssport öffnen wird. Da bleibt zu hoffen, dass andere Bäder nachziehen und bald auch wieder Hallen und Sportplätze geöffnet werden. Für den Breitensport finde ich das in Nordrhein-Westfalen diskutierte Stufenmodell interessant. Wenn die Inzidenzzahlen es zulassen, sollten nach und nach bestimmte Sportangebote möglich gemacht werden. Wie groß der Corona-Schaden im Sportkreis Fulda-Hünfeld sein wird, kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe aber sehr, dass die Mitglieder ihren Vereinen treu bleiben und wir bald wieder gemeinsam - und nicht einsam - Sport treiben können.
Sportliche Großveranstaltungen sind für dieses Jahr reihenweise abgesagt worden. Der Sportkreis plant, sein 75-jähriges Bestehen im Mai im Esperanto zu feiern. Ist das realistisch?
Im Hochleistungsbereich finden viele Veranstaltungen statt. Dass unsere örtlichen Vereine ihre regionalen Sport-Highlights wie beispielsweise Fulda-Kanu-Rennen und Fulda-Marathon canceln, ist völlig nachvollziehbar. Jeder muss unter anderem auf seine Finanzen achten und kann keine Risiken eingehen. In Bezug auf Jubiläen und Festkommerse scheint es mir richtig und wichtig, in den ersten Monaten des neuen Jahres noch Abstand zu halten. Das trifft natürlich auch unsere Jubiläumsveranstaltung, die am 29. Mai im Esperanto geplant war. Wir gehen aber davon aus, dass die Feierlichkeiten im Herbst stattfinden werden. Geplant ist eine Sport-Show in einer Sporthalle. Da fühle ich mich eh viel wohler als auf einer Bühne. Unseren Sportkreistag wollen wir am 14. Juni in der Sporthalle der SG Johannesberg durchführen. Da sollte genügend Platz für die Teilnehmenden und der Corona-bedingte Abstand möglich sein. Bezüglich unserer im Februar geplanten Fortbildungen haben wir die Reißleine gezogen und uns der Vorgehensweise des lsb h angepasst.
Im Juni endet Ihre erste Amtszeit als Sportkreisvorsitzender. Stehen Sie erneut zur Verfügung?
Ich habe drei tolle „Praktikums- und Lehrjahre“ hinter mir. Da scheint es aus meiner Sicht richtig, wieder zu kandidieren. Wenn ich gewählt werde, bleibe ich gerne an Bord.

Sport leidet neben den wirtschaftlichen und persönlichen Folgen durch die Corona-Krise

Wie sieht es mit den anderen Vorstandsmitgliedern aus, gilt es Posten neu zu besetzen?
Wir haben schon vor drei Jahren nicht alle Posten besetzen können und in meiner Amtszeit leider noch ein Mitglied aus dem geschäftsführenden Vorstand verloren. Aktuell arbeiten wir mit Projektmitarbeiter und Projektmitarbeiter innen, die von uns eingesetzt wurden, um die Arbeit zu stemmen. Das kann ich mir auch für die Zukunft vorstellen, freue mich aber auf Interessierte, die in unserem Vorstand mitarbeiten möchten.
Wie fällt das Fazit nach drei Jahren aus?
Ich habe in den letzten drei Jahren unwahrscheinlich viel Zeit in diesen Job gesteckt. Mein Hauptaugenmerk lag auf den Themen Vereinsberatung, Integration und Inklusion. Die persönlichen Kontakte zu den Vereinen waren besonders wertvoll. Sicherlich konnte ich nicht jeder Anforderung gerecht werden. Die positiven Feedbacks bestätigen mich aber und geben mir die erforderliche Zuversicht, den Sportkreis durch die Corona-Krise zu schaukeln und danach weiterzuentwickeln.
Fuldas Sportverbandsvorsitzender Lothar Plappert hat im vergangenen Jahr verkündet, es werde seine letzten Amtszeit sein. Sie gelten als Wunschkandidat für die Nachfolge ...
Lothar und ich haben diese Möglichkeit ins Auge gefasst. Gerne stelle ich mich dieser Aufgabe, denn ich sehe darin viele Synergien in Verbindung mit meinen Tätigkeiten als Sportkreisvorsitzender.
Was wünschen Sie sich für die Vereine und die Sportlerinnen und Sportler?
Viele Vereine haben die Corona-Pause genutzt, um sich Gedanken um die Weiterentwicklung ihres Vereins zu machen (Baumaßnahmen, Ausbildung von Trainer und Trainerinnen, Engagement in Trendsportarten, etc.). Das freut mich sehr und stimmt mich positiv für die anstehenden Herausforderungen. Daher wünsche ich mir, dass die Mitglieder dies würdigen, weiter am Ball bleiben und dass wir alle wieder unseren sportlichen Hobbies nachgehen können. Am meisten freue ich mich persönlich auf den Start der Sportabzeichen-Saison 2021 im Stadion.

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