Tennistraining
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Koloman Grgic (Mitte) ist froh, dass die Jugendlichen (hier die Brüder Mats-Ole [links] und Bengt Reinhard) das Training nach der langen Pause so gut annehmen.

Medenrunde startet am Wochenende

Kreisjugendwart Grgic lobt Motivation und Trainigseifer seiner Tennis-Schüler

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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Wenn am Wochenende die Tennis-Medenrunde startet, wird einiges anders sein. Ob die durch die Corona-Pandemie reduzierte Serie den Tenniskreis Fulda zurückwirft, versucht Kreisjugendwart Koloman Grgic (63) im Interview zu beantworten.

Nach vielem Hin und Her startet die Medenrunde in dieser Woche. Was haben Sie empfunden, als in der vergangenen Woche endgültig feststand, dass es eine Wettspielrunde 2020 geben wird?
Ich war auf jeden Fall erleichtert. Gerade weil die Kreis- und Bezirksmeisterschaften abgesagt wurden, ist es wichtig, dass man wieder wettkampfmäßig spielen kann.
Einige Vereine aus dem Tenniskreis Fulda haben ihre Mannschaften zurückgezogen. Was sind die Gründe dafür?
Ich denke, dass es vor allem Unkenntnis und Unsicherheit dahingehend waren, wie manche Dinge konkret gestaltet werden sollen. Viele dachten, wenn sie beispielsweise mit einer Sechser-Mannschaft nach Herborn reisen, dann müssen sie in drei Autos unterwegs sein. Die Spieler haben sich gefragt, wie das mit dem gemeinsamen Essen, dem Duschen und vielem mehr aussieht. Und sicherlich haben einige Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus.
Ungeachtet der verschiedenen Altersklassen: Glauben Sie, dass es in Sachen Abmeldungen beim jetzigen Stand bleibt, oder werden im Laufe der Runde noch mehr Teams die Segel streichen?
Ich kenne nicht die genauen Zahlen für den Kreis Fulda oder den Bezirk Mittelhessen. Aber in ganz Hessen sind 27 Prozent weniger Mannschaften gemeldet als in der Serie voriges Jahr. Fast ein Drittel der Mannschaften zu verlieren, ist eine Hausnummer. Es wird von den Entscheidungen der Regierung abhängen, wie sich die Medenrunde entwickelt. Sollte Corona wieder verstärkt auftreten, dann werden sich weitere Mannschaften aus der Runde abmelden, weil es keine großen Konsequenzen für sie hat.
War die Entscheidung des Hessischen Tennisverbands, keine Sanktionen wegen eines Rückzugs zu verhängen, eine gute? Immerhin könnten dadurch noch mehr Ligen wegbrechen.
Für den HTV ist das momentan eine ganz schwierige Situation. Die Vereine haben immerhin Geld für ihre Mannschaften und die Runde bezahlt. Wenn sie die Medenrunde mit ihren Teams nicht in Anspruch nehmen, bekommen sie vom Verband allerdings kein Geld zurück. Jetzt noch Sanktionen zu verhängen, wäre nicht förderlich.
Als Kreisjugendwart, der die Kinder und Jugendlichen im Kreistraining betreut: Wie haben Sie das Training in den vergangenen Wochen empfunden?
Das war schon eine Umstellung. Ich habe sehr viel Einzel- und Zweiertraining absolviert. Jedes Kind benutzt im Training nur einen Ballsammelkorb, der nach der Stunde desinfiziert wird. Manche der Kinder tragen beim Training auf Wunsch der Eltern Handschuhe. Bei allen Übungen muss darauf geachtet werden, dass der Abstand eingehalten wird. Das fällt mir manchmal nicht leicht, und ich muss mich da häufiger selbst ermahnen, denn eigentlich bin ich ein Trainer, der gerne mal den Arm führt und die Kids aus der Nähe verbessert. Aber das geht momentan nicht.
Und Ihre Schüler? Haben sie die Regeln gut angenommen, oder waren sie eher genervt von dieser neuen Art des Trainings?
Ich war selbst etwas überrascht, denn ich hatte gedacht, dass es problematisch werden könnte. Aber die Kinder und Jugendlichen haben die Regeln ohne Murren eingehalten. Natürlich muss man gerade die Kleineren immer mal wieder daran erinnern, aber im Großen und Ganzen funktioniert es gut.
Wie wird sich eine reduzierte Runde wie diese auf die Entwicklung im Tenniskreis Fulda auswirken?
Ich hoffe wirklich, dass der Ausfall von Turnieren und diese Runde keinen größeren Schaden verursachen. Im weiblichen Jugendbereich hatten wir in den vergangenen Jahren einen Rückgang, und der könnte sich noch verstärken, zumal wir nicht sichten konnten.
Durch die zurückgezogenen Mannschaften sind die Ligen teils sehr klein. Kommt da überhaupt ein richtiger Wettkampfgedanke auf?
Ich denke, der Wettkampf wird trotzdem da sein. Am Ende des Tages sind es alles Sportler, die gewinnen wollen – unabhängig von der Liga. Dahingehend wird es in meinen Augen keine Einbußen geben.
Dass die Corona-Pandemie alles durcheinandergewirbelt hat, ist klar. Aber gab es vielleicht einen positiven Aspekt?
Tatsächlich ist mir aufgefallen, dass bei den Kindern und Jugendlichen etwas zurückgekehrt ist, was in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben ist. Und zwar das Spielen untereinander. Vor Corona war es so, dass die Kids pünktlich zum Training erschienen sind und nach ihrer Stunde relativ schnell wieder weg waren. Da sie nun nicht mehr so viel Stress durch Schule und andere Aktivitäten haben, verabreden sie sich vermehrt zum Spielen – sogar die Kinder, die Tennis bislang nicht leistungsintensiv betrieben haben. Generell erscheinen alle motivierter zum Training. Und das ist doch durchaus etwas Positives.

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