Traian Dumitru in seiner Zeit als Spieltrainer bei Borussia Fulda.
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Traian Dumitru in seiner Zeit als Spieltrainer bei Borussia Fulda.

Nationalspieler in den 70er Jahren

Schillernde Handball-Persönlichkeit: Traian Dumitru über seine Zeit bei Borussia Fulda - und körperliche Spätfolgen

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Traian Dumitru zählt zu den schillerndsten Handball-Persönlichkeiten der Region. Zweimal scheiterte der rumänische Nationalspieler in den 70er Jahren mit dem SC Borussia Fulda am Aufstieg in die Bundesliga.

Fulda - Der Handball ist sein Leben. „Die Champions-League-Spiele verfolge ich noch am Fernseher. Das ist das Einzige, was mir geblieben ist.“ Traian Dumitru sagt es ruhig, aber es klingt etwas verbittert. Der 25-fache rumänische Nationalspieler, der einige Jahre als Spielertrainer und Trainer in Diensten des SCBorussia Fulda stand sowie kurz die SGSchlüchtern trainierte, ist körperlich ein Wrack.

Der Weltenbummler in Sachen Handball mit Trainerstationen in Kuwait, Saudi Arabien, Vereinigte Emirate, Libanon, Österreich sowie bei der syrischen Nationalmannschaft und zig Vereinen in Deutschland wie Gensungen oder Hüttenberg lebt in Langenau bei Ulm. Seinen Ruhestand genießen kann der 72-jährige ehemalige Rückraumspieler, der 1967 mit Rumänien Junioren-Weltmeister und als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, allerdings nicht. „Ich bin schwerstbehindert“, sagt Dumitru am Telefon. Dabei sind es nicht etwa die Knie, die ihn peinigen, die damals schon das Karriere-Aus beschleunigten. „Die sind inzwischen aus Metall“, tut es Dumitru ab, zum Einsatz kämen sie ohnehin nur noch selten. Vielmehr ist der Rücken des 1,96 Meter großen Diplomsportlehrers und A-Lizenzinhabers das Problem. „Ich habe fünf Operationen hinter mir und 25 Schrauben im Rücken“, berichtet er, die Schmerzen seien meist unerträglich, die Wohnung verlasse er in der Regel nur einmal in der Woche zum Einkaufen.

Fulda: Traian Dumitru über seine Handballzeit und die körperlichen Spätfolgen

Die gesundheitlichen Probleme sind Spätfolgen aus seiner Handballzeit. Vielleicht auch deshalb kann es Dumitru nicht verstehen, dass körperliche Attacken wie beidarmiges Stoßen und Trikotzerreißen in der Bundesliga und kürzlich auch bei der WM nicht stärker geahndet werden. In der Champions League habe er eine solche Brutalität nicht ausgemacht. „Die Profis achten darauf, dass sie nicht kaputt gehen und mit 40 Jahren noch Geld verdienen können“, mutmaßt er. (Lesen Sie hier: Sergej Braun aus Fulda will sechsten WM-Titel - Kampfsportler kämpft bei „Senshi 7“ in Bulgarien).

Doch Dumitru lässt sich trotz der Einschränkungen nicht unterkriegen. Seine beiden Töchter Tina und Kathrin - beides frühere Leistungsschwimmerinnen und Kathrin zudem Olympiateilnehmerin 1996 in Atlanta - mit ihren Familien und insbesondere seine vier Enkelkinder seien seine größten Schätze. „Ich bedauere, dass ich in den wichtigsten Momenten ihres Lebens nicht dabei sein konnte“, spielt der Handballtrainer auf seine vielen Auslandsaufenthalte an, die sein Job mit sich brachte.

Traian Dumitru: Es war eine schöne Zeit. Franz Seidel ruft mich jedes Jahr zum Geburtstag an

Dumitru kam 1969 nach Deutschland, um sich im Handball weiterzuentwickeln, erkannte aber schnell: „Von dem Trainergehalt konntest du damals nicht leben.“ Sein Standbein fand er für einige Zeit als Sportlehrer an der Hermann-Lietz-Schule in Bieberstein. Das Wohl seiner Internatsschüler lag ihm, der von sich sagt, keine Eltern gehabt zu haben, besonders am Herzen. Mit Borussia erlebte Traian Dumitru in den 70er-Jahren Fuldas Glanzzeiten im Handball. Als Spielertrainer scheiterte er mit dem Regionalligisten zweimal am Aufstieg zur Bundesliga. Warum es nicht geklappt hat, dafür hat er eine einfache Erklärung: „Der Teamgedanke hat gefehlt.“ Zu seinen ehemaligen Mannschaftsgefährten aus Fulda hat Traian Dumitru kaum noch Kontakt, was er bedauert. „Es war eine schöne Zeit. Nur der Franz Seidel ruft mich jedes Jahr zum Geburtstag an, dann unterhalten wir uns eine Viertelstunde.“

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