Diese Herren bildeten im Jahr 1920 die Gründermannschaft der SG Rückers, die zu Beginn ihrer Geschichte noch Concordia hieß.
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Diese Herren bildeten im Jahr 1920 die Gründermannschaft der SG Rückers, die zu Beginn ihrer Geschichte noch Concordia hieß.

Erst gab es Widerstände

SG Rückers: Von Bürgermeister zunächst nicht gewollt

  • Ralph Kraus
    vonRalph Kraus
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100 Jahre Vereinsgeschichte hat die SG Rückers auf dem Buckel. Entsprechend breit gefächert sind die Geschichten, die rund um den Verein entstanden sind.

Rückers - Im Mittelpunkt des Vereinslebens stand und steht seit jeher der Fußball. Sieben Meisterschaften, aber auch den ein oder anderen Abstieg durchlebten die Männer der Rot-Weißen in all der Zeit. Der Startschuss ertönte 1920 im Gasthaus Herbert, als unter anderem Valentin von Paris (erster Vorsitzender des Vereins), Hermann Staubach (Kassierer) und Karl Groß (Schriftführer und Trainer) zu den Gründungsmitgliedern der SG Rückers zählten.

Wie üblich zu dieser Zeit war der Weg steinig. Zwar bekam die SG schnell ein erstes Sportgelände am Roten Rain (zwischen Wasserwerk und Huttener Straße gelegen) zugewiesen, doch 1923 erwarb der damalige Bürgermeister kurzerhand das Gelände und vertrieb die Kicker. Überliefert ist, dass der Bürgermeister den Sport verachtet und aufs Äußerste bekämpft haben soll.

SG Rückers: Historischer Aufstieg im jahr 2008

Entsprechend ruhte der Spielbetrieb, ehe sich die zähen und hartnäckigen Verhandlungen der „Fußballchefs“ bezahlt machten und die SG Rückers auch dank der tatkräftigen Mithilfe von Pfarrer Freidhof an der „Keutzelbucher Straße“ heimisch werden durften. Das war 1925, und niemand ahnte, dass diese bis heute die Heimat des Vereins bleiben sollte. Umgestaltet wurde das Gelände von Dezember 1953 bis Februar 1955, in dieser Zeit mussten die Spieler nochmals umziehen und fanden kurzfristig im „Rückerhof“ am Leideweg ihre Heimat.

Unvergessene Spiele gab es einige. Beispielsweise 1954, als Rückers nach Abschluss der Punktrunde in der B-Klasse Gruppe Neuhof punktgleich mit dem FC Niederkalbach an der Spitze stand. Zum Entscheidungsspiel um die Meisterschaft kamen 1200 Zuschauer nach Neuhof. Die sahen nach Toren von Firle und Kullmann einen 2:0-Erfolg der Rückerser.

In die Historie ging auch der Aufstieg 2008 ein – schon alleine wegen der Umstände: In der Relegation zur Gruppenliga hatten die Rot-Weißen das letzte Spiel bei der SG Ehrenberg vor 1700 Zuschauern mit 2:1 gewonnen, das alleine hätte aber nicht gereicht, weil die SG Haunetal die Nase vorne hatte. Doch vielleicht genügte ja Rang zwei? Es kam zum „Telefonfinale“ – Smartphones gab es noch nicht. Die Relegationsspiele sowohl der Hessen- als auch der Verbandsliga mussten so enden, dass es für Rückers passte. Erst nach einigen Minuten stand der Aufstieg fest.

Spielertrainer sorgt für Fußballwunder

Eine weitere Geschichte ereignete sich in der Saison 1990/1991, als der Abstieg nach der erster Saisonhälfte mit nur 5:31-Punkten aus 18 Begegnungen eigentlich schon besiegelt schien. Doch es gab das oft zitierte Fußballwunder: Ralf Rüffer wurde im Winter aus Hohenzell als neuer Spielertrainer geholt, dazu waren etliche verletzte Akteure wieder genesen. Es folgte eine unglaubliche Aufholjagd. Aus den noch zwölf verbliebenen Spielen holte Rückers auch dank der 14 Tore von Rüffer 18:6-Punkte und hielt die Klasse.

Zu den kuriosesten Spielen der Geschichte gehören die Partien in Ausbach und Grebenhain. 1994 fuhr Rückers mit einem Fanbus zum Gruppenligaspiel (Bezirksoberliga) nach Ausbach. Nach knapp 20 Minuten stand es 4:0, später gar 5:0 und dann 6:2 für die Hausherren. Doch fast wäre das Match noch gekippt, bis auf 6:7 kam Rückers heran.

Eine der schwärzesten Halbzeiten erlebte Rot-Weiß 1999 in Grebenhain, als die SG zur Pause 1:0 führte, nach dem Wechsel aber auch deshalb 1:7 unterging, weil mit Michael Klug, Andreas Kress und Dirk Hinkelmann gleich drei Rückerser vom Feld geflogen waren. Der höchste Punktspielsieg stammt aus dem Jahr 1971, der beim 14:1-Auswärtserfolg bei der SG Löschenrod (je drei Tore Norbert Lauer und E. Diegmüller) eingefahren wurde.

Mirko Gerhard hält sich seit mehr als sechs Jahren auf dem Rückerser „Feuerstuhl“

Die beste Platzierung der Vereinsgeschichte ist noch gar nicht allzu lange her und stammt aus der Saison 2009/2010, als Rückers unter Spielertrainer Sedat Gören den vierten Platz in der Gruppenliga holte. 24 Tore schoss in diesem Jahr Osman Özlük. Aktuell bastelt der Club an einem neuen Rekord: Seit Januar 2014 – also seit mehr als sechs Jahren – ist nun schon Mirko Gerhard als Spielertrainer der SG Rückers tätig. Damit ist er der am längsten tätige Trainer der Vereinsgeschichte. Keiner hielt sich bisher länger auf dem Rückerser „Feuerstuhl“.

Zur Erfolgsgeschichte der SG Rückers gehört die Frauenfußball-Abteilung, die 1983 gegründet wurde und die nach einer schwierigen Auftaktsaison (2:38-Punkte und 6:112-Tore) immer mehr Fuß fasste. Den ersten Meistertitel gab es 1987, als Rückers in der Gruppenliga (damals Bezirksklasse) vor der SG Hattenhof Erster wurde. Unvergessen: 500 Zuschauer sahen das entscheidende Spiel gegen Rothenkirchen II. Sylvia Kümmel mit 27 Treffern und Diana Klug (25) ragten heraus. Auf den Aufstieg wurde übrigens danach freiwillig verzichtet.

So richtig in Fahrt kam der Frauenfußball aber erst bei der zweiten Auflage. Denn von 1989 bis 1996 musste der Spielbetrieb mangels Spielerinnen eingestellt werden. Danach ging es steil bergauf. 1999 stieg die SG unter der Regie von Pascal Beßler und Rüdiger Juling erstmals in die Verbandsliga auf. Sandra Koppenhöhl schoss in dieser Spielzeit 22 Tore. Nach dem direkten Abstieg folgten 2001 (Aufstiegsverzicht) und 2002 weitere Meisterschaften in der Gruppenliga (damals Bezirksoberliga) und im Anschluss 15 Jahre ohne Unterbrechung auf Verbandsebene. 2009 gelang dann der größte Clou, als unter Werner Kaufmann die Verbandsliga-Meisterschaft eingefahren und von da an sieben Spielzeiten in der Hessenliga gespielt wurde. 2013 gelang dort mit Rang vier die beste Platzierung aller Zeiten.

Spielbetrieb in der Tischtennis-Abteilung seit 2004 eingestellt

Von 1967 bis 2004 wurde bei der SG Rückers Tischtennis gespielt, was immer mit dem Namen Heinrich Gießer in Verbindung gebracht werden wird. Bis 1998 stand er der Abteilung mehr als 30 Jahre vor. Unvergessen bleibt das Jahr 1982, als die Damen in der Besetzung Heike Jökel, Anneliese Geißen, Claudia Betz und Inge Euler den Hessenpokal gewannen, während die Männer um Mathias Schäfer, Matthias Firle, Bernd Bagus, Manfred Kress, Josef Händler und Berthold Jökel die Kreismeisterschaft und den Aufstieg in die Bezirksliga eintüteten. 2004 wurde der Spielbetrieb mangels Spielern eingestellt.

Heute zählt der Verein rund 430 Mitglieder und bietet neben dem Fußball auch Angebote in Gymnastik und Kinderturnen an.

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