Markus Pflanz wird nach der Corona-Pandemie vor größeren Zuschauermengen an der Seitenlinie stehen.
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Markus Pflanz wird nach der Corona-Pandemie vor größeren Zuschauermengen an der Seitenlinie stehen.

44-Jähriger wird Co-Trainer bei KV Oostende

Von Langenschwarz nach Belgien: Fußballtrainer Markus Pflanz coacht in Zukunft Erstligateam

  • Steffen Kollmann
    vonSteffen Kollmann
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Markus Pflanz tritt seine erste Stelle im Profifußball an. Der 44-Jährige ist neuer Co-Trainer beim belgischen Erstligisten KV Oostende.

Langenschwarz/Oostende - Beim Koninklijke Voetbalklub, was aus dem Flämischen übersetzt Königlicher Fußballverein heißt, erhielt der Langenschwarzer einen Vertrag bis Sommer 2022. „Der erste Kontakt war vor zwei Wochen über den neuen Cheftrainer Alexander Blessin entstanden, der zuvor viele Jahre Jugendtrainer bei RB Leipzig war. Wir haben zusammen die A-Lizenz gemacht und uns dabei super verstanden. Jetzt hat er mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, sein Co-Trainer zu werden“, erzählt Pflanz.

Und der langjährige Stützpunkttrainer entschied sich für das Abenteuer. Seinen Beruf als Beamter beim Finanzamt kündigte er am Montag, Dienstag ging es zur Vertragsunterschrift erstmals in Richtung belgische Nordseeküste – zuvor wurden die Gespräche ausschließlich auf telefonischem Weg geführt. „Ich gebe einen sicheren Job auf und gehe ein großes Risiko ein, weil ich mich in ein Haifischbecken stürze – da braucht man viel Glück. Aber im Profibereich als Trainer zu arbeiten ist im Endeffekt das, was ich immer machen wollte. Und wenn ich das nicht jetzt als Mittvierziger mache, dann nie. Sonst hätte ich mir bestimmt einmal vorgeworfen, es nicht gemacht zu haben“, betont Pflanz, der Frau und Kind in Osthessen zurücklässt. „Mein Sohn war sofort Feuer und Flamme. Und selbst meine Frau hat trotz Bedenken gesagt, dass ich es machen soll, wenn es mein Traum ist. Ich bin sehr froh, dass mich die Familie da unterstützt“, ist Pflanz dankbar.

Zur Person

Markus Pflanz ist 44 Jahre alt und hat fast seine gesamte fußballerische Laufbahn bei der SG Kiebitzgrund verbracht – mit Ausnahme eines kurzen Abstechers beim SV Queck. Den Weg zum Trainer schlug der Langenschwarzer, der diesbezüglich am meisten von Eberhard Röder geprägt wurde, beim SV Rudolphshan ein. Nach zwei Jahren als Spielertrainer ging es weiter zur SG Löschenrod, ehe er Stützpunkttrainer in Hünfeld wurde. Nach weiteren Stationen bei der U17 des Hünfelder SV und beim VfL Eiterfeld kümmerte sich Pflanz um die Fußballschule von Mainz 05, ehe er von Januar 2015 bis Juni 2018 die SG Aulatal coachte. Von da an war er bis zum Rücktritt im Oktober 2019 Trainer bei Gruppenligist TSV Künzell.

Pflanz nach Oostende: Stil von RB Leipzig soll Standard werden

In Belgien betritt der A-Lizenz-Inhaber nun komplett unbekanntes Terrain. Weder mit dem Verein selbst noch mit dem Fußball im Land des Weltranglistenersten hatte der 44-Jährige bislang etwas am Hut. Im Zuge der Corona-Pandemie hatte die belgische Liga als erste überhaupt die Saison 2019/20 abgebrochen – Oostende war 15. von 16 Teams und hielt gerade so die Klasse. Dafür soll die neue Spielzeit schon im August wieder starten. Gestern trainierten Blessin und Pflanz erstmals mit ihrer neuen Mannschaft.

Dabei wurde ein erster Schritt unternommen, dem Team ein völlig neues Spielsystem einzuflößen: „Wir wollen in Richtung des RB-Stils gehen, mit aggressivem Gegenpressing und schnellem Umschaltverhalten spielen. Das habe ich bei anderen belgischen Vereinen so noch nicht gesehen. Diese komplett neue Spielidee wird Zeit in Anspruch nehmen“, weiß Pflanz, der die Trainingsinhalte in Englisch vermitteln wird. Flämisch (Belgisches Niederländisch) und Französisch (Pflanz: „Fünf Jahre hatte ich Französisch in der Schule, das war das schlimmste Fach“) werden ansonsten in Oostende gesprochen.

Langenschwarzer Markus Pflanz: Riesengroße Chance im Profifußball einzusteigen

Mit neuem Spielstil soll es beim Königlichen Fußballverein in den kommenden Jahren dann bergauf gehen, zuletzt wurde der vergleichsweise kleine Club durch eine amerikanische Investorengruppe übernommen. Zunächst einmal heißt das Ziel aber Klassenerhalt, wie Pflanz betont. Die belgische Liga hat ein eher gewöhnungsbedürftiges Playoff-Konzept entwickelt: Nachdem die 16 Teams zunächst je zweimal gegeneinander spielen, kämpfen die ersten sechs im Anschluss um die Meisterschaft, während ab Rang sieben um den letzten internationalen Startplatz gerungen wird. Der Tabellenletzte steigt in die zweite Liga ab.

„Wir wollen nicht nur für belgische sondern auch für deutsche Talente interessant sein. Sich in der ersten belgischen Liga durchzusetzen und erste Erfahrungen zu sammeln, ist einfacher als in Deutschland“, sagt Pflanz, der kein Problem damit hat, erstmals in seiner Laufbahn ins zweite Glied zu rücken und als einer von zwei Co-Trainern zu arbeiten. Der andere hat den Schwerpunkt Analyse. „Alex und ich haben deckungsgleiche Ansichten, was den Fußball betrifft. Ich werde ihm immer den Rücken freihalten, zumal ich durch ihn überhaupt die riesengroße Chance erhalten habe, in den Profifußball einzusteigen.“

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