Hahner-Twins beim Lauftraining.
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Bald wieder vereint im Training: Anna (links) und Lisa Hahner. (Archivfoto)

 Form gut, Rest ungewiss

Hahner-Twins im Schwebezustand: „Wir sind bereit!“

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Gesund, topfit und bereit. Es läuft derzeit rund bei Anna und Lisa Hahner. Wenn nicht die Ungewissheit wäre. Denn drei Dinge hängen in der Schwebe: Findet ein Herbstmarathon statt, wie ist der Modus für die Olympia-Qualifikation und sind die Spiele 2021 in Tokio möglich?

Fulda - Alles hängt in der Schwebe. Aber dieses mal nicht wegen Verletzungen oder Krankheit, sondern der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen. „Das ist eine ungewohnte Situation“, gesteht Anna Hahner, und Lisa ergänzt: „Es liegt nicht in unseren Händen.“

Heimkehr für Geburtstag der Mutter

Nach ihrer Rückkehr aus dem Trainingslager in Äthiopien Ende März reisen Anna und Lisa Hahner am Montag erstmals wieder. Es geht in die Heimat, nach Rimmels, ihre Mutter hat Geburtstag. Anna kommt vom Chiemsee, Lisa aus Berlin. Gemeinsames Training war für die 30-jährigen Twins des SSC Event Team Berlin wegen des Ausreiseverbotes in Bayern nicht möglich, ein reger Austausch allerdings schon.

Keine Existenzängste

Denn das allgemeine Herunterfahren in der Coronakrise bescherte den Zwillingen zwangsweise ein größeres Zeitkontingent: Vorträge und Reisen fielen weg. Somit aber auch Einnahmen. Existenzängste plagen die Läuferinnen nicht. Gespräche mit Sponsoren seien gut gewesen. Lediglich bei einigen leistungsorientierten Verträgen könnte es finanzielle Einbußen geben, falls in diesem Jahr kein Rennen bestritten wird.

Ausweichen auf Rad und Rollerski

Ungeachtet dieser Tatsache sind die Zwillinge heiß auf einen Marathon, zumal beide endlich über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei trainieren konnten und sich topfit fühlen. Neben dem Laufen stand Alternativtraining auf dem Programm. „Anna war viel auf dem Rad unterwegs, ich liebe Rollerskilaufen. Außerdem machen wir viele Seilsprünge, um die Fußmuskulatur zu kräftigen, sowie Yoga und Meditation“, beschreibt Lisa das modifizierte Training, eine spezifische Vorbereitung sei derzeit nicht nötig.

Keine Hoffnung auf „normalen“ Marathon

Dass ein „normaler“ Marathon im Herbst mit Profis und Hobbyläufern stattfinden wird, glauben die Zwillinge nicht. Ein Eliterennen könnte es geben. „Das ist nicht nur eine Option, sondern auch das, was ich am besten finde“ , sagt Lisa Hahner. Während zig Marathons bereits abgesagt worden sind, darunter ihr Heimrennen in Berlin, stehen noch die Events in London und in Frankfurt. „Frankfurt ist recht spät, erst Ende Oktober“, sinniert Anna Hahner, schickt aber hinterher: „Mit Prognosen bin ich vorsichtig.“

Ziel: Olympia in Tokio

Ihr neues Ziel ist das alte: die Olympischen Spiele in Tokio. Bezüglich der Nominierungsrichtlinien stehen sie mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband in Kontakt und fordern Transparenz. „Das ist alles sehr schwammig“, kritisiert Lisa. Denn der Nominierungszeitraum solle erst im Dezember beginnen, ein möglicher Herbstmarathon würde nicht zählen – zumindest nach derzeitigem Stand.

Eine Begründung sei die Aussetzung der Dopingkontrollen während der Corona-Pandemie, was Anna Hahner so nicht gelten lassen möchte. Kontrollen seien bald wieder möglich. „Wer betrügen möchte, wird immer ein Schlupfloch finden“, mutmaßt sie.

Ernte kann nicht eingefahren werden

Drei Monate dauert die Vorbereitung auf einen Marathon. Lisa rechnet: „Ende Juni sollte eine Entscheidung fallen, das würde ausreichen.“ Bei 2:29:30 Stunden liegt die Olympianorm, drei Starterinnen darf Deutschland für Tokio melden. Mit Katharina Steinruck (2:27:26 Stunden) und Melat Yisak Kejeta (2:23:57) haben bereits zwei Läuferinnen in 2019 die Norm deutlich unterboten, die Zeiten sollen für die Nominierung zählen. Damit haben die Hahners kein Problem: Das sei die fairste Lösung, dann hätte man noch die Möglichkeit, eine schnellere Zeit zu laufen.

Und dass sie wieder an ihre Bestzeiten anknüpfen oder sie gar unterbieten können, das ist die Herausforderung, der sich Anna (2014: 2:26:44 Stunden) und Lisa Hahner (2015: 2:28:39 Stunden) stellen wollen. Wenn es dann mal einen Marathon geben sollte. Wie es sich anfühlt, topfit zu sein und nicht laufen zu dürfen, erklärt Lisa plakativ: „Das ist so, als ob du die Ernte nicht einfahren kannst.“

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