Voller Vorfreude auf einen Marathon in diesem Jahr: Anna (links) und Lisa Hahner.
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Voller Vorfreude auf einen Marathon in diesem Jahr: Anna (links) und Lisa Hahner.

London oder Valencia

Marathon-Zwillinge Anna und Lisa Hahner haben die Olympiaqualifikation im Visier

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Die Marathonläuferinnen Anna und Lisa Hahner aus Nüsttal-Rimmels wollen sich für Olympia ins Gespräch bringen. Das soll entweder in London oder in Valencia geschehen, wo es für die Hahner-Twins darum geht, die Olympiaqualifikation zu schaffen.

  • Die Läuferinnen Anna und Lisa Hahner stecken mitten in den Vorbereitung auf die Olympiaqualifikation.
  • Um sich zu qualifizieren müssen für die Hahner-Twins bei den Läufen in London und Valencia top Zeiten her.
  • Die Chance auf einen Startplatz in Tokio wollen die Zwillinge trotz starker Konkurrenz nutzen.
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Fulda - Langsam wird es eng für Anna und Lisa Hahner (SCCBerlin): Ein Marathon nach dem anderen wird abgesagt. Anfang der Woche traf es Chicago. Hamburg und Frankfurt sollten demnächst folgen. London (4. Oktober) und Valencia (6. Dezember) stehen noch, die bevorzugten Läufe der Zwillinge aus Nüsttal-Rimmels.

„Wir haben für beide einen Startplatz sicher“, verrät Anna. Die Vorfreude ist spürbar. Derzeit fahren die 30-JährigenAnna am Chiemsee und Lisa in Berlin – ihren Trainingsumfang hoch und das Alternativtraining entsprechend zurück. Beide sind im Marathonmodus, die zweite Stufe der Vorbereitung ist gezündet.

Hahner-Zwillinge Anna und Lisa über Valencia und London: Die Olympiaqualifikation im Visier

Wie lange die dauert, ist davon abhängig, ob es nach London oder Valencia geht, ob sie im Oktober oder im Dezember laufen werden. „In den letzten acht Wochen wird dann das Endstück draufgesetzt“, beschreibt Lisa. Selbst wenn sich die Wahl-Berlinerin – ähnlich wie Anna – nicht auf einen der zwei Läufe festlegen möchte, um dann die Enttäuschung zu vermeiden, sollte es coronabedingt zu einer Absage kommen, hat sie insgeheim schon einen Favoriten ausgemacht.

„Mit Valencia habe ich noch eine Rechnung offen“, berichtet sie. Zweimal habe sie einen Start geplant, zweimal wurde nichts draus. Außerdem werde man auf der schnellen Strecke mit einem superschönen Zieleinlauf belohnt. Und als i-Tüpfelchen zähle der Lauf für die Olympiaqualifikation. Damit wäre das „Wunschkonzert“ komplett, sagt sie.

Schwester Anna hat sich mit London genauer auseinandergesetzt. Corona fordert hier seinen Tribut. Aus dem Stadtkurs wird ein 2-Kilometer-Rundkurs. „Das wird ein anderes Feeling sein, bestimmt cool“, mutmaßt Anna. Außerdem führe der Veranstalter mit dem Weltverband Gespräche, London bereits als Olympiaqualifikation gelten zu lassen.

Hahner-Twins vor Olympiaqualifikation: Die eigene Bestzeit muss unterboten werden

Für die Hahner-Twins geht es aber nicht mehr nur darum, die geforderte Olympianorm von 2:29:30 Stunden zu laufen. Die würde keinesfalls für eines der drei Tickets reichen. Denn mit Melat Kejeta (2:23:57 Std.), Katharina Steinruck (2:27:26) und Anja Scherl (2:28:25) haben bereits drei DLV-Athletinnen die Norm für Tokio 2020 unterboten, und die Zeiten haben Bestand für Tokio 2021.

Unter Druck setzt das die Hahner-Zwillinge aber nicht übermäßig. „Ich sehe es positiv. Wir haben nichts zu verlieren, nur etwas hinzuzugewinnen“, erklärt Anna, deren Bestzeit bei 2:26:44 Stunden (2014 in Berlin) liegt. Es sei ein positiver Antrieb mit dem Gefühl zu laufen, man habe Chancen auf einen Startplatz für Tokio. Natürlich gehe sie mit dem Ziel an die Startlinie, zumindest die 2:28,25 Stunden zu unterbieten. Und wenn nicht, bestünde im Frühjahr die Möglichkeit, nachzulegen. Ähnlich optimistisch gibt sich Lisa: „Ich bin gesund und gut im Training. Anjas Zeit liegt im Bereich meiner Bestzeit“, verweist sie auf die 2:28:39 Stunden (2015 in Frankfurt).

Gekrönt wird der Valencia Marathon durch einen grandiosen Zieleinlauf auf einer Bahn umgeben von Wasser, die in die Stadt der Wissenschaften & Künste führt, der Ciudad de las Artes y de las Ciencias.

Dass ihre Bestzeiten länger zurückliegen, beunruhigt sie nicht. Optimismus ist Trumpf, Selbstvertrauen ziehen sie aus der Marathonvorbereitung im Winter. „Zwei Drittel hatten wir Anfang des Jahres schon hinter uns und waren auf einem richtig guten Niveau. Eine 2:28 hätte ich mir damals auf jeden Fall zugetraut“, blickt Anna zurück. Im April hatten Marathons in Wien oder Hannover auf dem Programm gestanden. Mit dem Coronavirus wurde alles bekanntlich anders.

Hahner-Zwillinge haben weiter Hoffnung auf Olympia in Tokio

Seitdem hängen sämtliche Sportlerinnen und Sportler in der Luft. Ob die Olympischen Spiele 2021 stattfinden, wird in Sportlerkreisen heftig diskutiert. Das Gros der Teilnehmer einer Umfrage unter deutschen Sporthilfeempfängern stufe die Wahrscheinlichkeit als gering ein, wissen Anna und Lisa. „Auf jeden Fall werden die Spiele – falls es zur Austragung kommt – nicht so stattfinden, wie wir es kennen. Es wird kein Sportfest, kein Zusammenkommen der Nationen werden“, mutmaßt Anna, und auch Lisa zweifelt daran. Sie hofft, dass Olympia nicht abgesagt wird und sie ihre zweite Chance erhält. Sollte es nicht so kommen, wird sie auf jeden Fall weiter laufen. „Ich nehme es so, wie es kommt. Bis 2028 habe ich auf jeden Fall noch im Kopf, zu laufen“, sagt Lisa mit Blick auf dann noch zwei mögliche Olympiateilnahmen.

Etwas Normalität ist inzwischen eingekehrt. Anfang der Woche klingelten Mitarbeiter der NADA bei Lisa in Berlin und führten einen Dopingtest durch. „Die Dopingproben gehen wieder los. Das ist ein gutes Zeichen.“

Die Olympia-Norm hatte Anna Hahner beim letztjährigen Berlin-Marathon verpasst. Nach Trainingseinheiten in Neuseeland folgte ein Trainingslager in Äthiopien, welches die Zwillinge allerdings wegen der Corona-Pandemie abbrachen. Darauf folgte das lange Warten auf die Nominierungsrichtlinien des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

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