Nach fast 40 Jahren übergibt Martin Abel (links) die Leitung der Hünfelder Handball-Abteilung an Konstantin Neuhann.
+
Nach fast 40 Jahren übergibt Martin Abel (links) die Leitung der Hünfelder Handball-Abteilung an Konstantin Neuhann.

„Mein Herz hängt daran“

Eine Ära endet: Nach fast 40 Jahren gibt Martin Abel die Handball-Abteilungsleitung im Hünfelder SV ab

  • Sabine Kohl
    VonSabine Kohl
    schließen

Fast vier Jahrzehnte hat Martin Abel die Handball-Abteilung des Hünfelder SV geleitet. Jetzt hat er den Staffelstab an eine jüngere Generation weitergegeben. Im Gespräch erinnert sich der 65-Jährige an Sportliches, Geselliges und Herausforderndes aus 38 Jahren.

Hünfeld - Die Lounge mit Panoramablick in die Hünfelder Kreissporthalle ist eines seiner Vermächtnisse. Deshalb passt es gut, dass Martin Abel nun auf einem der hohen Barhocker sitzt – neben ihm sein Nachfolger Konstantin Neuhann (33), der im Team mit Christian Krätzig und Tim-Niklas Dörge die Abteilungsleitung übernommen hat – und sich an fast 40 Jahre an der Spitze der Hünfelder Handball-Abteilung erinnert.

„Eigentlich war ich viel zu jung, um Abteilungsleiter zu werden, aber es gab ja keine Alternative“, denkt der Rechtsanwalt an das Jahr 1983 zurück. Damals hatte er gerade sein juristisches Referendariat begonnen und um den Handball in Hünfeld stand es schlecht. Die Luft in der Abteilung sei damals raus gewesen, sportlich blieben die Erfolge aus. Bis die Herren 1985 Meister in der Kreisliga wurden. (Lesen Sie hier: Zwischen Ungewissheit und Optimismus: Handballer starten Ende Oktober in die Saison)

Abschied nach fast 40 Jahren: Martin Abel gibt die Handball-Abteilungsleitung im Hünfelder SV ab

Dieses Meisterteam um Helmut Unglaube, Wolfgang Sauer, Herbert Wolk und Roland Lächa habe neben Abel über 40 Jahre das Gerüst der Abteilungsleitung gebildet. Und den Handball in Hünfeld langsam wieder zum Leben erweckt. Von damals rund 60 Mitgliedern ist die Abteilung auf heute mehr als 300 gewachsen, seit vielen Jahren spielt die erste Herrenmannschaft in der Landesliga – mit einem einjährigen Ausflug in die Oberliga Hessen –, die Frauen waren Mitte der 90er sogar einige Jahre in der Regionalliga beheimatet.

Stolz ist Martin Abel darauf, dass der Verein über vier Jahrzehnte organisch gewachsen ist, sich aus den eigenen Reihen entwickelt hat. „Natürlich hatten wir Rückschläge zu verkraften“, sagt der 65-Jährige und denkt dabei etwa an den Abstieg der Frauen, dem allerdings die Erfolge im Männer- und Jugendbereich gegenüberstünden. „Unsere Vereinsphilosophie war es immer, die eigenen Spieler zu fördern, nicht von außen zuzukaufen.“

So bilden etwa seit Jahren Spieler den Stamm der ersten Herrenmannschaft, die seit der frühen Jugend im Verein spielen. Abel nennt zum Beispiel Christian Krätzig, Alexander Unglaube, Lukas Aha, Fabian Sauer und Rückkehrer Felix Rehberg. Außerdem sei die Abteilung auch in schwierigen Zeiten dank dieser Philosophie nie in ihrer Existenz bedroht gewesen.

Martin Abel: „Vereinsleben ist mehr als Sport, das soziale Miteinander ist wichtig“

Doch, und das ist dem ehemaligen Abteilungsleiter wichtig: „Vereinsleben ist mehr als Sport, das soziale Miteinander ist wichtig.“ Und so erinnert sich Martin Abel besonders gerne an seine Fahrten mit der Handball-Abteilung, als er selbst noch als Spieler aktiv war. Nach Landerneau etwa, Hünfelds Partnerstadt in der Bretagne. Oder nach London: „Da haben wir Unentschieden gegen den englischen Pokalsieger gespielt.“ Im Burgenland seien die Hünfelder umgehend zur besten Mannschaft des österreichischen Bundeslandes aufgestiegen. „Im Burgenland spielen sie nämlich keinen Handball“, erinnert sich Abel und lacht.

Und dann waren da noch Mauerfall und Wiedervereinigung. Bereits im Dezember 1989 spielten die Hünfelder erstmals ein Freundschaftsspiel gegen die damalige BSG Stahl Bad Salzungen. Ein Wimpel des Vereins hängt bis heute neben der Theke in der HSV-Lounge – auch bekannt als Pö’s übrigens, Abels Spitzname.

Aber hat es nicht in fast 40 Jahren auch Zeiten gegeben, in denen der heute 65-Jährige gerne alles hingeschmissen hätte? „Nein“, sagt Abel klar. „Dafür hat es mir immer zu viel Spaß gemacht.“ Allerdings sei mit der wachsenden Mitgliederzahl aus der Abteilungsleitung über die Jahre ein mehrköpfiger Abteilungsvorstand geworden. „Das wäre sonst gar nicht mehr machbar gewesen“, erläutert der Hünfelder, der einzig zwei oder drei unvermeidbare Trainerentlassungen während seiner Abteilungsleiterzeit wirklich bedauert. „Das waren zum Teil schwere Wege, die im Herzen weh tun. Aber auch das haben wir immer so gelöst, dass wir uns hinterher noch in die Augen sehen konnten.“

Staffelstab übergeben: Konstantin Neuhann, Christian Krätzig und Tim-Niklas Dörge übernehmen

So viel Freude ihm sein Ehrenamt über fast vier Jahrzehnte gemacht hat, ist Martin Abel jetzt aber völlig im Reinen mit sich, den Staffelstab weitergegeben zu haben. „Es ist wichtig, die Abteilung gut und geordnet zu übergeben. Wer keinen Nachfolger hat, der hat auch irgendetwas nicht richtig gemacht“, ist der 65-Jährige überzeugt.

Nachfolger hat er in Konstantin Neuhann, Christian Krätzig und Tim-Niklas Dörge – allesamt übrigens Torhüter – nun gleich drei gefunden. Das sei auch gut so, findet Abel. Denn die Arbeit sei schon eine Menge, angefangen von der Koordination der Spielpläne, der Klärung von Spieler- und Trainerfragen über die Organisation von Weiterbildungen und die Gewinnung von Sponsoren bis hin zur Kommunikation mit dem Bezirk – um nur einige der Aufgaben zu nennen.

Das Rad neu erfinden wollten er und seine Kollegen aber nun nicht, betont Konstantin Neuhann. „Die Grundphilosophie der Abteilung wollen wir aufrechterhalten“, so der 33-Jährige. Und dann in die Jugend investieren. Zum Beispiel durch vermehrtes Engagement der Handballer an den Hünfelder Schulen. Kooperationen gibt es bereits mit der Jahn- und Wigbertschule sowie neuerdings mit der Johann-Adam-Förster-Schule. Diese sollen ausgebaut werden. Und dann wird geschaut, was die kommenden Jahre bringen.

Und was bringen sie für Martin Abel? Der ist weiterhin 2. Vorsitzender des Gesamtvereins, Rechtswart im Handball-Bezirk Melsungen/Fulda sowie als Schiedsrichter aktiv. „Der Handball ist für mich nach der Übergabe also nicht beendet. Mein Herz hängt einfach daran.“

Das könnte Sie auch interessieren