Lea Ruppel aus Herbstein ist im Jahr 2021 Mitglied des Nachwuchs-Bundeskaders der Luftgewehr- und Kleinkaliber-Schützen.
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Lea Ruppel aus Herbstein ist im Jahr 2021 Mitglied des Nachwuchs-Bundeskaders der Luftgewehr- und Kleinkaliber-Schützen.

Nachwuchs-Bundeskader Luftgewehr

Herbsteiner Schützin Lea Ruppel: Die EM ist das Ziel, Olympia ein Traum

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Lea Ruppel (17) vom SV Lanzenhain hat ein Ziel erreicht, auf das sie lange hingearbeitet hat. Sie wurde in den Nachwuchs-Bundeskader der Luftgewehr- und Kleinkaliberschützen berufen. Ihr erstes Ziel dort: 2021 an der Europameisterschaft der Luftgewehrschützen teilnehmen.

Was bedeutet die Aufnahme in den Nachwuchs-Bundeskader für dich?
Ich war in den vergangenen zwei Jahren bereits Mitglied des C/D-Kaders, ein Mittelding zwischen Hessen- und Bundeskader. Letztes Jahr habe ich die Aufnahme in den Bundeskader um nur einen einzigen Platz verpasst. Das war natürlich ärgerlich, hat mich aber noch mehr angespornt. Umso glücklicher bin ich, dass es in diesem Jahr geklappt hat. 
Wie liefen die Sichtungsturniere ab? Wegen Corona war ja in diesem Jahr alles ein wenig anders. 
Normalerweise findet die Auswahl für den Bundeskader bei Ranglistenturnieren und den Deutschen Meisterschaften statt. Das ging in diesem Jahr nicht. Stattdessen wurden auf dem Bundesstützpunkt in Garching (München) drei Kadersichtungsschießen durchgeführt. Die haben sich aber wie normale Ranglistenturniere angefühlt, außer dass alles unter den Corona-Beschränkungen wie Abstand und Hygiene stattfand. Insgesamt habe ich vier Wettkämpfe mit dem Luftgewehr und sechs im Kleinkaliber absolviert.
Anfangs dachte ich, das wird wieder knapp. Aber im letzten Wettkampf habe ich meine neue Bestleistung aufgestellt und bin dann insgesamt Vierte geworden. Da war es schon fast klar, dass ich es in diesem Jahr wohl schaffe.
Was bedeutet die Aufnahme in den Bundeskader für dich aus sportlicher Sicht?
Der Leistungsdruck ist jetzt natürlich etwas höher. Und die Lehrgänge finden jetzt nicht mehr nur in Frankfurt statt. Dafür habe ich aber die Möglichkeit, an höherklassigen Wettkämpfen teilzunehmen, die auch international sind. Am Wochenende etwa hätten in Garching die Sichtungen für die Luftgewehr-EM im kommenden Jahr stattfinden sollen. Die wurden aber verschoben wegen der verschärften Corona-Regeln, die in Bayern bereits gelten. Ich hoffe, sie können im Januar nachgeholt werden. Aber glücklicherweise konnte ich aufgrund meines bisherigen Kaderstatus weiterhin in Frankfurt unter meinem DSB-Stützpunkttrainer Bill Murray trainieren.
Auch ist das Trainingsumfeld im Bundeskader natürlich ein ganz anderes. Die meisten meiner neuen Kaderkolleginnen schießen bereits in der Luftgewehr-Bundesliga, wie zum Beispiel Anna Janßen (die sogar schon international erfolgreich war, Anm. d. Red.).
Mit dem Kleinkaliber-Gewehr wurde Lea Ruppel 2018 Deutsche Jugendmeisterin, ihr erster nationaler Titel.

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Und was sind deine sportlichen Ziele für die kommenden Jahre?
Auf jeden Fall möchte ich im Bundeskader bleiben. Dafür muss man sich jedes Jahr neu qualifizieren. Toll wäre es außerdem, nächstes Jahr an der EM teilzunehmen und vielleicht auch mal an einer Weltmeisterschaft. Unbedingt möchte ich so viele höherklassige Wettkämpfe wie möglich absolvieren. Und ein Traum – aber der ist wohl wirklich schwer zu erreichen – ist es natürlich, irgendwann mal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. 
Jetzt ist der Schießsport ja nicht das typische Hobby, das man sich für eine Jugendliche in deinem Alter vorstellt. Wie bist du denn dazu gekommen ? Und vor allem, wann hast du gemerkt, wie gut du bist? 
Im Sommer 2014 habe ich bei den Ferienspielen des SV Herbstein mitgemacht. Vorher bin ich manchmal mit meinem Vater beim Weihnachtsschießen gewesen. Das hat mir schon immer Spaß gemacht, und nach den Ferienspielen bin ich dann fest im Verein geblieben. Mein Talent wurde dann relativ bald entdeckt. Ich durfte schnell bei den Erwachsenen schießen und bin 2016 das erste Mal bei der Jugend-DM angetreten. 2018 wurde ich in den Hessenkader aufgenommen und habe in dem Jahr außerdem den Jugend-DM-Titel im Kleinkaliber gewonnen.  
Was fasziniert dich am Schießsport? 
Oh, das ist schwierig. Das kann ich gar nicht so richtig benennen. Es ist ein so ruhiger Sport, der Konzentration erfordert. Toll finde ich, wenn man so richtig in den Flow kommt, alles läuft und ein Schuss nach dem anderen sitzt. Außerdem passt bei mir auch das Drumherum. Mit meinen Mannschaftskolleginnen verstehe ich mich gut, wir sind sehr gut befreundet und gehen auch außerhalb des Sports gerne zusammen weg.
Das ist ein gutes Stichwort. Du schießt mit der Mannschaft des SV Lanzenhain die erste Saison in der Luftgewehr-Hessenliga. Ihr seid ein Team aus fünf jungen Frauen. Das ist ungewöhnlich, oder?
Ja, wir sind ein bisschen die Ausnahme. Vor allem wegen unseres jungen Durchschittsalters von 17 Jahren. 2018 habe ich mit zwei Freundinnen vom SV Lanzenhain bei den Deutschen Meisterschaften eine Mannschaft gebildet. 2019 bin ich dann zum SV Lanzenhain gewechselt, dort haben wir ein Jahr in der Luftgewehr-Oberliga geschossen und gleich den Aufstieg in die Hessenliga geschafft.

Zur Person

Lea Ruppel ist 17 Jahre alt, lebt in Herbstein und besucht das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Lauterbach. Im kommenden Frühjahr wird sie dort ihr Abitur ablegen.

Seit 2014 ist Ruppel aktive Schützin, zunächst beim SV Herbstein, seit 2018 beim SV Lanzenhain. Mit ihren Teamkolleginnen Sophia Eifert, Leonie Kimpel, Antonia Ziegler und Lisa-Marie Wolf ist ihr zu Beginn dieses Jahres der Aufstieg in die Hessenliga Luftgewehr gelungen.

2018 wurde sie Deutsche Jugendmeisterin in der Kategorie Kleinkaliber (KK) 3x20 geworden, 2019 Zweite bei derJunioren-DM KK 3x40.

Und wie läuft es dort jetzt? 
Unser Ziel war es, die Klasse zu halten. Das ist uns bereits dadurch gelungen, dass es in diesem Jahr wegen Corona gar keine Auf- und Absteiger gibt (lacht). Wir haben zwei Wettkämpfe gewonnen und einen verloren, bevor es in den Lockdown ging. Diese Saison ist für uns eine gute Übung. Wir lernen die Gegner ohne viel Druck kennen, bevor es dann im kommenden Herbst ernst wird.
Du machst im Frühjahr dein Abitur. Weißt du schon, wie es danach weitergeht? Wie du den Sport mit deiner weiteren Ausbildung vereinbarst?
Erst mal bin ich gespannt, wie es während der Abiphase wird. Da werde ich wohl sportlich etwas kürzertreten. Im Moment trainiere ich einmal die Woche im DSB-Stützpunkt in Frankfurt. Dazu kommen dann noch Lehrgänge und die Wettkämpfe. Mal sehen.
Für die Zeit nach dem Abitur habe ich zwei Ideen. Entweder möchte ich zur Polizei. Oder ich studiere Grundschullehramt. Außerdem hatte ich bereits ein Gespräch mit einem Berufsberater vom Olympiastützpunkt Hessen. Der hat mir viel aufgezeigt, was möglich ist, um meinen Leistungssport mit Studium oder Beruf zu vereinbaren. Ich bin gespannt, was die kommenden Monate und Jahre bringen.

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