Sedat Gören, Trainer der SG Barockstadt, muss mit seiner Mannschaft in der Hessenliga bleiben. Die Gesellschafter der Regionalliga haben gegen einen Aufstieg entschieden.
+
Sedat Gören, Trainer der SG Barockstadt, muss mit seiner Mannschaft in der Hessenliga bleiben. Die Gesellschafter der Regionalliga haben gegen einen Aufstieg entschieden.

Überraschende Entscheidung

Fußball-Hessenligist SG Barockstadt darf nicht in die Regionalliga aufsteigen - Unverständnis beim Verein

  • Ralph Kraus
    vonRalph Kraus
    schließen
  • Steffen Kollmann
    Steffen Kollmann
    schließen

Die Entscheidung ist gefallen: Die SG Barockstadt darf nicht in die Regionalliga Südwest aufsteigen. Das wurde bei einer Gesellschafterversammlung am Donnerstag offiziell entschieden. Stattdessen gibt es aus der Regionalliga nur zwei Absteiger. Spieler und Verantwortliche der SG Barockstadt sind überrascht und enttäuscht.

Fulda - Die Gesellschafterversammlung und die Spielkommission der Regionalliga Südwest GbR haben nach umfassender interner und externer Rechtsprüfung am Donnerstag beschlossen: Für die sportliche Qualifikation als Aufsteiger in die Regionalliga Südwest für die kommende Spielzeit gilt, dass der betreffende Verein mindestens die Hälfte aller Spiele der Saison 2020/21 absolviert haben muss.

Das trifft auf die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz in der wegen der Corona-Pandemie annullierten Hessenliga-Saison nicht zu. Deshalb verbleibt die Mannschaft auch in der Saison 2021/22 in der Hessenliga. Zum Zeitpunkt des Saison-Abbruchs hatte die SG Barockstadt auf Platz eins der Tabelle gestanden - und hätte damit eigentlich in die Regionalliga Südwest aufsteigen dürfen. Großer Gewinner sind nun die abstiegsbedrohten Regionalligisten: Da vier Aufsteiger wegfallen, wird die Zahl der Absteiger von sechs auf zwei reduziert.

Fußball: SG Barockstadt Fulda-Lehnerz darf nicht in die Regionalliga aufsteigen

„Ich bin komplett sprachlos und weiß eigentlich überhaupt nicht, was ich zu dieser Entscheidung sagen soll. Es gibt überhaupt keinen Grund, die Zahl der Absteiger in der Regionalliga zu reduzieren, denn die war klar und deutlich festgelegt“, kann Martin Geisendörfer aus dem Vorstand der SG Barockstadt die Entscheidung kaum fassen.

Überraschend kommt die Entscheidung auch deshalb, weil in vergleichbaren Fällen anders entschieden wurde: Die Regionalligen Nordost und Nord melden beispielsweise Aufsteiger beziehungsweise Aufstiegsrundenteilnehmer für die Dritte Liga, obwohl ebenfalls nicht ansatzweise 50 Prozent der Saisonspiele bestritten wurden. Zudem hatte sich der Präsident des Hessischen Fußball-Verbands (HFV), Stefan Reuß, der Teil der Gesellschafterversammlung ist, in internen Sitzungen recht deutlich für einen Aufstieg der Barockstadt positioniert.  

Laut einer Pressemitteilung stützt die Regionalliga Südwest GbR ihre Entscheidung im Wesentlichen darauf, dass es sach- und interessengerecht ist, den Aufstieg und die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga Südwest von sportlichen Voraussetzungen abhängig zu machen. Angesichts der wenigen ausgetragenen Spiele in den Oberligen Hessen, Rheinland-Pfalz/Saar und Baden-Württemberg werde den bisherigen sportlichen Leistungen kein hinreichender Aussagewert für die Ermittlung von Aufsteigern beigemessen.

Keine Regionalliga: Spieler und Verantwortliche der SG Barockstadt kritisieren Entscheidung

Beim Fuldaer Hessenligisten will man die Entscheidung nicht akzeptieren: „Wir werden uns mit dieser Entscheidung nicht abfinden. Der erste Weg wird sein, dass wir versuchen, uns mit den anderen betroffenen Vereinen zu beratschlagen und möglicherweise zusammen zu tun. Wie das Vorgehen dann aussehen wird, das kann ich jetzt noch nicht sagen, aber wir als SG Barockstadt werden uns das nicht so einfach gefallen lassen und unsere rechtlichen Möglichkeiten garantiert ausschöpfen“, erklärt Martin Geisendörfer gegenüber unserer Zeitung.

Enttäuschung herrscht auch bei den Spielern vor. Kapitän Patrick Schaaf sagt: „Egal, mit wem du in den letzten Tagen geredet hast - alle hatten das Gefühl, dass es in Richtung Aufstieg geht. Entsprechend kam die Entscheidung total überraschend. Die ganze Mannschaft hatte sich gefreut, Regionalliga spielen zu dürfen.

Barockstadts Patrick Schaaf (in Rot) kann die Entscheidung der Regionalliga-Gesellschafter überhaupt nicht nachvollziehen.

Die Begründung der Regionalliga-Gesellschafter, die sportliche Leistung zu bewerten, kann er nicht nachvollziehen: „Man darf sich wundern, wie argumentiert wurde: Einerseits heißt es von den Gesellschaftern des Süddeutschen Fußballverbandes, dass wir nicht 50 Prozent der Spiele gespielt haben und daher keine ausreichende Leistung gebracht haben. Andererseits entscheidet man aber, dass es statt sechs nur zwei Absteiger geben wird. Damit werden also vier Teams mit dem Nichtabstieg belohnt, die sportlich versagt haben. Wo ist denn da die sportliche Leistung?“

Die Saison in der Hessenliga war Ende März wegen der anhaltenden Corona-Pandemie nach elf beziehungsweise zwölf von insgesamt 38 Spieltagen annulliert worden. Auch in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar war die in zwei Staffeln geteilte Liga nach sechs und neun von insgesamt 22 Spieltagen abgebrochen worden. Die Oberliga Baden-Württemberg hat bisher 11 bis 13 von 42 zu absolvierenden Spieltagen bestritten.

Regionalliga Südwest: Alzenau und Stadtallendorf steigen wohl in die Hessenliga ab

Bei der Entscheidung der Regionalliga-Gesellschafter habe weiterhin eine Rolle gespielt, eine einheitliche Regelung für die beteiligten Regional- und Landesverbände zu finden, heißt es in der Pressemitteilung. Es habe keine Ungleichbehandlung innerhalb einer Spielklasse geben sollen.

Die Abstiegsfrage in der Regionalliga ist quasi ebenfalls geklärt: Alzenau (10 Punkte Rückstand) und Stadtallendorf (20) haben gehörigen Abstand auf den drittletzten, rettenden Rang, für beide Vereine geht es wohl runter in die Hessenliga. Andere hessische Teams wie Hessen Kassel und Gießen, die bei sechs Absteigern stark gefährdet gewesen wären, dürfen vermutlich den Klassenerhalt bejubeln.

Das könnte Sie auch interessieren